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Sieben Leben. Und so viele mehr.

Vor kurzem stand ich vor meiner alten Wohnung. Das Exzuhause. Genau gesagt, das Exexzuhause. Das war ein Zufall, denn eigentlich wollte ich nur schnell in der Nähe etwas erledigen. Blumen kaufen. Toilettenpapier besorgen. Einer Freundin Hallo sagen. Eigentlich weiß ich es schon gar nicht mehr. Aber es passiert immer mal wieder, dass ich mich einfach nur eine kleine Weile davor stelle. Und dann fühle ich es in dem Moment: Mein altes Zuhause. Mein altes Leben. Bin wieder dort.  Fühle es. Als wäre es gestern gewesen.  Als könnte ich jede Sekunde meinen Schlüssel aus der Handtasche hervorkramen und die alte schwere Eingangstür aufschließen. Hoch über die abgelaufenen drei Steinstufen laufen, über die bunten Mosaikfliesen (genau dreieinhalb Schritte) und da war sie. Ist sie. Meine kleine eigene Wohnung. Nur ohne das „meine“ . Ich stehe davor, alles sieht aus wie immer. Und doch ist alles anders.

Ein anderer Freund. Ein anderer Job. Eben ein anderes Leben.

Ist es nicht verrückt, dass man in ein einziges Leben so viele verschiedene packen kann? Dass etwas irgendwie wie immer aussehen kann, eine Person, eine Sache, ein Ort – und doch irgendwie doch nichts mehr mit einem zu tun hat. Jeder Neuanfang ist immer so, als streife man einen Teil seines alten Ichs ab, um dann Lage für Lage wieder in eine neuere – irgendwie doch gleiche – aber doch auch andere Version von sich selbst zu schlüpfen. Ich glaube, das ist sehr wichtig. Manchmal ist man festgefahren. Irgendwie hängt es hier. Läuft da nicht so besonders. Und dann hilft nur eines: Ein Neustart. Wie beim Computer.

STR+ALT+ENTF.

Man sagt ja von Katzen, dass sie sieben Leben hätten. Aber ich glaube, wir selber haben so viel mehr. Nach jedem Umzug. Jeder gescheiterten Beziehung. Dem ein oder anderen mehr oder weniger radikalen Friseurbesuch, einer Diät, dem Ende einer Freundschaft oder am Ende eines Jahres. Eigentlich bezwecken wir damit doch nur eines: Wir wollen saubermachen. Da fühlt sich ein Neustart verdammt gut an. Weil sich die Möglichkeit, etwas beim nächsten Mal besser zu machen, so verdammt gut anfühlt. Oder auch nur die die Hoffnung darauf. Die Chance.

Also stehe ich vor dem alten Gebäude spüre mein altes Ich und gleichzeitig mein neues. Und das ist verrückt. Zwei Leben gleichzeitig. Die ja eigentlich eines sind. Aber nur auf dem Papier. Gefühlt keineswegs. Ich glaube ich genieße es sogar. Und dann, mit einer einer schwungvollen Drehung, kehre ich dem grauen Haus mit der Nummer 7 den Rücken zu. Zurück zum Jetzt.

Einen Schluss gibt nicht. Weil die Geschichte noch nicht zu Ende ist.

7 Leben. Und noch so viele mehr. Weil wir uns immer vebessern wollen.
Müssen.
Sollten.
Können.

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// grauer Rock – Mango // weißes Basicshirt – ASOS // rote Ledertasche – no name (ein Straßenstand in Florenz) // Birkenstocks //

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Faulheit im Quadrat

Als ich 2012 meinen ersten Blogpost veröffentlichte, da ging es ziemlich turbulent zu in der Bloggerwelt. Blogs, Blogs und noch mehr Blogs. Es gabe so viele Blogs, dass ich mit meiner Leseliste komplett überfordert war, weil die benötigte Lesedauer über den regulären 24 Stunden eines gewöhnlichen Tages  lag. Es gab Foren, bei denen man sich gegenseitig begutachten und bewerten konnte.  Anschauen, für gut (oder mies) befinden, Meinung schreiben, fertig. Hauptziel dabei: Klar, fleißig neue Leser sammeln. Denn ohne Leser, ist so ein Blog eine gänzlich langweilige Sache.  Kann man ja genausogut wieder das Tagebuch hervorkramen. Da kann man dann immerhin auch die richtig unzensierten Gedanken reinpacken. Liest ja niemand. In dieser Zeit, da ging es so heiß her, dass man in den Foren nicht mal mit dem kommentieren hintergekommen ist, so viele waren gleichzeitig online.

Processed with VSCO with a6 presetUnd jetzt? 
Ich glaube, es gibt immer noch mehr Blogs als Leser. Aber zumindest gefühlt ist es ein wenig ruhiger geworden in der Welt der Blogs. Selbst auf großen Blogs findet man oft verhältnismäßig wenig Kommentare. 2000 Leser. 15 Kommentare. Foren gibt es natürlich auch noch. Nur kann die Antwort nun auch mal 16 Stunden dauern, anstelle von 16 Sekunden.

Warum?
Ein paar neue Freunde haben sich in die Runde gesellt. Sie heißen Instagram und Snapchat. Weil ich Bilder sehr schätze, schreibe ich auch gerne in Bildern. Hier also  ein bildhafter Vergleich: Es gibt Freunde, die brauchen viel Aufmerksamkeit. Sie schätzen Kontakt. Wollen reden. Viel reden. Sie wollen etwas unternehmen, verlangen viel Aufmerksamkeit – schenken aber im Gegenzug etwas zurück.
Und dann, gibt es da noch diese anderen Freunde, die sind genügsam. Man hört und sieht sich vielleicht alle paar Monate einmal – mehr aus Zufall, denn irgendetwas anderes. Vielleicht sind es auch eher Bekanntschaften als Freunde. Eigentlich weiß man es selber nicht mehr so genau. Und jedes Mal ist es so, als hätte es diese Zeitlücke nie gegeben. Als wäre man erst letztes Wochenende auf einer 12 stündigen Kneipentour zusammen unterwegs gewesen auf der man sich nach ein paar Wodkashots und zwischen Justin Timberlake und Rihanna ewige Freundschaft versprochen hat.  Und man verspricht sich natürlich, unbedingt mal wieder etwas zusammen zu unternehmen (was man auch ernst meint – jedoch nie passieren wird) und erst danach, zieht wieder jeder seines Weges.

Blogs sind diese zeitintensiven Freunde, Instagram und Snapchat jene einfachen, unkomplizierten. Man kann auch gar nicht wirklich sagen, dass nun das eine oder das andere weniger wert wäre. Das das eine mehr für die Katz‘ ist als das andere. Irgendwie nicht. Irgendwie mag man sie beide. Eben auf ihre Weise.

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Ich gebe zu: Ich liebe Instagram. Instagram ist so einfach.  Verglichen zu einem Blogpost lächerlich unkompliziert und auch der zeitliche Aufwand ist deutlich geringer. Fotos sehen eigentlich immer ganz nett und scharf aus. Selbst wenn sie es eigentlich nicht sind. Aber auf einem Miniquadrat auf einem Minidisplay sieht fast jedes Foto scharf aus. Instagram passt perfekt in unser Leben, das irgendwie ja jetzt so viel stressiger ist als in irgendeiner Vergangenheit, über die man redet, als wäre man schon 500 Jahre alt. Ja damals. Da hatte ich noch Zeit für dämliche Sendungen, Youtube Flechtfrisurentutorials und Telefonate mit Mama. Alles scheint ein wenig anstrengender. Oder sind wir einfach nur fauler geworden? Ein wenig bequemer? Warum 4 Stunden für einen Blogpost investieren, für den sich wiederrum nur 10 Leute die Zeit nehmen, eine Nachricht zu schreiben, wenn ich einen Instagrambeitrag in 15 Minuten auf die Beine stellen kann und dafür sogar noch mehr Herzchen kassiere. Einfacher, schneller. Ein unkomplizierter Freund eben. Ist das oberflächlich, effizient oder einfach Bananenbrot weil eben das Jahr 2016 so ist.

Mit Snapchat konnte ich mich bisher noch nicht richtig anfreunden. Ich bin jetzt alt und komme mit Veränderung und neuem Firlefanz nicht mehr so gut klar. Daher beobachte ich lieber noch ein wenig argwöhnisch, wie das so die anderen machen und frage mich gleichzeitig, ob mein Leben genügend Abenteuer und geistreiche Momente für einen Snap bietet. Ich schätze, ich habe habe Angst, dass ihr mich danach langweilig findet. Meine Stimme komisch findet und überhaupt könnte ich in einem Shitstorm zerlegt werden und suizidgefährdet auf einer weich gepolsterten Couch landen. Alles ja schon vorgekommen. Also bleibe ich vorerst noch eine Weile am Spielfeldrand stehen. Gelb mag ich ohnehin nicht besonders gerne. Und Hui Buh fand ich schon als Kind gruslig.

Der wirkliche Vorteil an den zeitintensiven Freunden ist: Es fühlt sich besser an. Irgendwie reiner. Irgendwie echter. Vielleicht, weil eben härter erkämpft. Weil es schwieriger war. So ist das eben mit den Herausforderungen, die uns begegnen. Man kann den Berg mit der Seilbahn hochfahren. Oder ihn mühsam besteigen. Beides führt zum Ziel. Wer könnte sich nun anmaßen, was an der einen oder an der anderen Sache besser wäre?

Die Aussicht von so einer Seilbahn ist herrlich. Die Füße werden geschont. Keine Blasen. Was ausbleibt? Das Gefühl am Ende der größte verdammte scheiß Held auf Erden zu sein. So ist das. Nen Haken gibt’s immer irgendwo. Einfache Freunde, komplizierte Freunde. Wir brauchen sie dann doch auch irgendwie beide. Wie sonst könnte man sonst überhaupt den einen vom anderen unterscheiden?

Ich hoffe dennoch, dass mein alter Freund hier doch noch genügend weitere Wanderfreunden begegnet, die auf Blasen an den Füßen, Rückenschmerzen und einen langen Marsch stehen. Einfach, um am Schluss die Aussicht zu genießen. Etwas wert zu schätzen. Das ist es wohl, was beschützt werden muss. Wertschätzung für die Dinge im Leben, die nicht eben mal schnell klappen. Sich Zeit nehmen. Immer wieder diese Zeit, von der wir eigentlich meist so viel mehr bräuchten. Auch wieder so etwas typisch Menschliches, oder? Immer mehr wollen. Und außerdem braucht die Welt verdammte scheiß Helden. Auch 2016. Und für immer. Und für immer sage ich sehr sehr selten.

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 Alle diese Fotos sind Teil meiner Instagramgalerie. Ihr findet mich dort unter Foxografie.

 

 

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So zwischen dem Leben.

It was one of those March days when the sun shines hot
and the wind blows cold: when it is summer in the light,
and winter in the shade.

Charles Dickens

Ist es nicht verrückt, dass man sich da und weg gleichzeitig fühlen kann?
Ich sitze vor meinem PC und fühle mich gleichzeitig meilenweit entfernt. Als wäre das Jetzt irgendetwas Fremdes, das gar nicht richtig zu mir gehört. Die Füße berühren den Boden. Ich spüre den Pullover auf der Haut. Die Tasten unter meinen Fingerspitzen, die bei jedem Berühren ein dumpfes Klacken von sich geben. Ich fühle die warme Kaffeetasse in der Hand. Die kleine goldene Ringkette, mit der ich gedankenverloren spiele, während ich nach den richtigen Worten suche. All das spüre ich, aber eben nur verschwommen. Alles nur nebenbei. Minutenlang aus dem Fenster schauen. Oder nur an die graue Wand. Da sein, aber irgendwie nicht. Zwischen dem Leben eben.

Vorbei ziehen die Minuten und selbst das spürt man. Doch man kann sie nicht fassen. Nicht richtig genießen. Wie ein Kinogast im eigenem Leben. Weil hinter den Kulissen der Sturm tobt. Weil hinter dem Vorhang gerade mehr passiert als davor. Weil es diese Tage gibt, die einfach zu kurz für das sind, was man tun sollte. Weil das Popcorn fehlt. Und weil es diese Tage gibt, an denen man an  Aufgeben denkt. Nur mal kurz. Nur mal jetzt.

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Du schaffst das schon. Du machst aber auch zu viel. Du bist doch stark.
Ja, ja und ja. Ich schaffe das, ich weiß, es ist gerade viel und ja, ich bin stark. Ich weiß das. Nur fühle ich es gerade nicht – weil ich doch gerade gar nicht da bin. So ist das.  Zwischen dem Leben eben. Und bin ich nicht immer zurückgekommen? So war es bisher immer. Weil ich die Sekunden sonst vermisse, das Leben. Hinter dem Vorhang ist es dunkel – ein gutes Versteck zugegeben. Manchmal zu gut. Zu verlockend, wenn alles zu viel wird, zu laut, zu groß und zu furchteinflößend. Wenn der Bühnenboden plötzlich erschreckend zerbrechlich und unsicher erscheint.

Jeder sieht nur die Bühne. Das bunte Spektakel davor. Das ganze Chaos dahinter bleibt für die meisten verborgen hinter dem schweren Vorhang. So ist das. Das ist dieser Ort, der sich Zwischen dem Leben nennt. Hier und weg. Zwei Orte gleichzeitig in einem Moment. Vielleicht kannst du kurz vorbeikommen. Aber bring‘ Popcorn mit.

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// Wildlederrock – Mango // Pullover – Zara // Ankle Boots – Deichmann // Geldbeutel – Mango // Schal – Mango //