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Costa Rica – Pura Vida!

Am 10. Februar klingelten morgens um 4:30  zwei Wecker. Einer auf meiner Seite, einer auf seiner. Bei einer solch grässlich frühen Uhrzeit sind zwei das absolute Minimum. Außerdem geht es hier schließlich um den Urlaub! Nicht auszudenken, sollte man den verschlafen. Schlaftrunken ziehen wir uns an, geredet wird noch nicht. Jeder hakt seine ganz pesönliche to Do Liste noch einmal innerlich ab. Die Euphorie darf später kommen.
Auf der menschenleeren Autobahn setze ich den Tempomat, schalte das Radio ein und sehe der aufgehenden Sonne zu. Zum ersten Mal fühle ich es: Ich habe Urlaub.
Angekommen in Stuttgart, atmen wir noch ein letzes Mal die klare Winterluft von exakt -2 Grad ein, verstauen die dicken Wollmäntel im Kofferraum und ich murmle leise, tschüss Deutschland. Wir müssen los. Aber wir bringen dir den Frühling mit zurück.

Meine Analogkamera baumelt an meiner linken Hüfte und zum 500 sten Mal verliere ich den Objektivdeckel. Mit einem Klackern fällt er auf die weißen Fliesen. Jede Wette, dass ich den frühestens im Flieger, spätestens sonstwo verliere. Gefühlte 15 Sicherheitschecks und einen High Five vom Security Personal später („Is this a real camara?“) für besagte Kamera später sitzen wir an Gate Nummer 15, mein Blick wandert über die anderen Passagiere. Manche blintzeln einem ja dann gerne verschwörerisch zu. Für eine kurze Zeit von 9 Stunden ist man plötzlich eine Gemeinschaft.  Ich blicke auf die blaue Anzeigentafel; Destination Liberia, Costa Rica. Verheißungsvolle weiße Schrift auf blauem Hintergrund. Abenteuer.

Aber noch einmal ein paar Schritte zurück: Warum überhaupt Costa Rica?
Und die Antwort ist alles andere als leicht. Denn ehrlich gesagt, haben wir uns dieses Mal nur sehr schwer für ein neues Reiseziel entscheiden können. Thailand beim letzten  Mal  stand schnell fest und wir hatten keine Sekunde mehr daran gezweifelt, für dieses Jahr hatten wir mehrere Ideen im Kopf und waren beide bis zuletzt am hin- und herüberlegen. Was uns letztendlich überzeugt hatte war: Unendlich viel Natur, noch mehr Natur und die Tatsache, dass die Costa Ricaner zu den glücklichsten Menschen der Welt gehören sollen.  Pura Vida als Lebensmotto. Wir waren also neugierig.

Ein wenig Basiswissen. Ein kleiner Überblick.
Costa Rica liegt in Zentralamerika, gut eingebettet von allen Seiten: Oben Nicaragua, unten Panamá, links der Pazifische Ozean und rechts das Karibische Meer.  Flächenmäßig etwas kleiner als Bayern, stehen rund 30 % des Landes unter Naturschutz. Die Lage ist schon alleine deswegen interessant, weil man relativ unkompliziert einen Besuch bei den Nachbarländern anhängen kann – sofern man genug Zeit dafür hat.

Costa Rica gilt als eines der sichersten Länder Südamerikas,  kein unwichtiges Kriterium. Man trennt sich ja so ungern und so schleppt man gerne allerlei Technik Krims Krams mit sich herum: Kameraequipment, ein Smartphone hier, eine Go Pro da. Und klar, beklaut werden kann man prinzipiell auch in Hintertupfing morgens beim Brötchen holen- aber es gibt ja Wahrscheinlichkeiten. Und als kalkweißer Europäer in Birkenstocks erkennt man uns nun mal schon von zehn Kilometer Entfernung als Ausländer. Da Reisen ohne Kamera ausgeschlossen ist, war der Punkt „Sicherheit“ also definitiv ein großes Plus für mich.

Jahreszeiten gibt es in tropischen Regionen nicht, dafür aber Regen- und Trockenzeit. Die Trockenzeit beginnt je nach Region zwischen Dezember und Februar und endet im April. Ab Mai bis November herrscht Regenzeit. Wobei gerade die ersten Monate noch gut zum Reisen geeignet sind, wie uns die Einwohner berichtet haben. Es regnet zwar mal ordentlich, dafür aber nur kurz in der Regel. Im September und Oktober ist dann die wirkliche Sintflut angesagt – wer in dieser Zeit nach Costa Rica reist, kann auf jeden Fall sicher sein, fernab von Tourismus zu reisen.

Von A nach B kommen. Die Infrastruktur.
Hier haben wir unseren ersten Amateurfehler begangen: Geblendet von der putzigen Größe des Landes, dachten wir, dass wir uns einfach nach der Ankunft ein Leihauto schnappen und damit kreuz und quer durch das Land fahren können, so wie es uns gefällt.
Meine erste grobe Reiseroute hat sich allerdings sehr schnell zunächst als ambitioniert, dann nur noch als naiv herausgestellt: Es lag wirklich nicht an uns, es lag an den Straßen. Genauer gesagt an den nur partiell vorhandenen. Rund um die Hauptstadt San José gibt es natürlich ein recht gut ausgebautes Straßennetz – aber ehrlich: Wer nach Costa Rica fährt, der will Natur und Abenteuer – was so viel bedeutet wie Schotterpiste. Und das bedeutet, dass man jede Strecke zeitlich mal dreifache Zeit rechnen kann, wie wir es so gewohnt sind mit unseren schönen A9s und B3s. Gerade um die Region Monteverde herum sind di Wege abenteuerlich und so kamen wir nach eineinhalb Stunden Fahrt (für 50 Kilometer) gut geschüttelt an unserer Unterkunft an.

Abgesehen davon fährt aber auch ein relativ gutes Busnetz an alle wichtigen Orte.  Meistens sind das Kleinbusse, sehr günstig – und sehr voll. Angst vor Körperkontakt sollte man also nicht haben. 😀

Generell ist alles fahrbar – was man braucht ist einfach ein klein wenig mehr Zeit als üblich.

Ein kleiner Tipp: Generell rät einem jeder Reiseführer zu einem Geländewagen. Für die Regenzeit stimme ich dem uneingeschränkt zu – für die Trockenzeit kann aber auch je nach eurer Reiseroute ein kleines und um die Hälfte günstigeres Auto vollkommen reichen. In der ersten Hälfte hatten wir einen SUV, in der zweiten einen winzig kleinen Suzuzi Alto. Unser Geländewagen war dermaßen heruntergekommen, dass wir in letzterem tatsächlich bequemer unterwegs waren. Der Liebste mit seinen 1,90 hatte auch überraschend viel Platz. Wir haben den kleinen Flitzer tatsächlich sogar ziemlich liebgewonnen.

Das liebe Geld.
Generell würde ich sagen: Costa Rica ist teuer. Es hängt aber auch davon ab. Während der Trockenzeit gibt es mehr Reisende, das lassen sich Unterkünfte natürlich zahlen. Und auch der Dollarkurs spielt eine Rolle. Man zahlt mit Colones oder wahlweise mit amerikanischen Dollar. Und wir hatten leider Pech mit dem aktuellen Kurs.

Wer seine Ansprüche wirklich auf Backpackerstudenten Niveau herunterschraubt und keine Einwände gegen 10 Bett Dorms hat, der kann sicher auch relativ günstig durchs Land nächtigen. Ich bin keine Diva, aber auf Mehrbettzimmer oder Zeltkuscheln habe ich keine Lust. Ich brauche immer wieder einen Rückzugsort und daher muss ein eigenes Zimmer schon sein. Wir haben im Schnitt pro Nacht 70-80 Dollar gezahlt. Einfacher Standard und nichts Besonderes.

Essen gehen ist ungefähr vergleichbar mit unseren Preisen in Deutschland. Lebensmittel im Supermarkt ein wenig über unserem Schnitt. (Ein dreiviertel Liter Wasser kostet ca. 1,40 Dollar – was im Moment fast das gleiche in Euro bedeutet. )
Günstig sind Sprit und Busse. Inlandsflüge, Essen, Unterkünfte und Eintritte leider nicht. Lieber also etwas mehr Geld einplanen.

Natur – Ist es wirklich so schön, wie man hört?
Die Antwort ist: Ja. Costa Rica ist wunderschön. 26 Nationalparks, davon ein Nebelpark, der einem schier den Atem raubt, ein perfekter Vulkan (nebenbei aktiv) und überall unfassbar viele bunte Vögel, Affen, die durch die Baumkronen jagen und Regenwälder, durch die man stundenlang wandern kann.  Naturschutz, Nachhaltigkeit und Ökotourismus spielen im Land eine große Rolle. Das spürt man im Geldbeutel, sobald man einen der Nationalparks betritt, sieht man aber auch in der unberührten Natur.

Und was gibt’s so zu Essen?
Keep it simpel. Wer auf der Suche nach experimenteller Küche oder kulinarischen Highlights ist, wird (so wie der Liebste) wohl eher ein wenig enttäuscht sein. Das Nationalgericht Costa Ricas ist „Casado„. Es besteht eigentlich im Großen und Ganzen aus einem Haufen weißen Reis, roten Kidneybohnen – einem Bohnenmus, das man dann über alles verteilen kann, gebackener Banane, Salat und je nach Laune auch mal eine Scheibe Fetakäse dazu. Oder eben Fleisch. Das ist lecker, nahrhaft und macht satt. Ein begnadeder Koch muss man aber sicherlich nicht sein, um das auf den Teller zu zaubern.

Was noch überall angeboten wird, ist „Ceviche„. Ceviche ist eine Vorspeise, die aus rohem in Limettensaft mariniertem Fisch besteht. Dazu ein paar Kräuter, fertig. Superlecker – allerdings kommt dieses Gericht ursprünglich aus Perú und zählt also nur so halb zu landestypischer Kost.

Ansonsten sind die Ticos – wie sich die Einwohner selber nennen – nett ausgedrückt „wohlgenährt“. Und das liegt sicher nicht am gesunden Casado, sondern eher an der großen Vorliebe für frittiertes in jeglicher Form – viel viel Fleisch und in jeden Smoothie wird immer schön Zucker zugefügt. Schmeckt ja sonst nach nix‘. Vegan, vegetarisch und bio ist in Costa Rica zumindest was das Essen angeht noch nicht so ganz angekommen.

Mein ganz persönlicher Tipp als Essensbanause: Die Südländer verstehen was von Keksen. Also die sind echt genial. Ich empfehle die Doppeldecker mit Kokoscreme dazwischen. 😀 (Ich sehe förmlich meinen Freund, wie er abfällig eine Augenbraue hebt. Jaja, sei nur spöttisch – aber ich weiß, du fandest sie auch ziemlich fancy.)

Wer sollte nach Costa Rica?
Kurz zusammengefasst: Jeder, der Natur liebt und dabei gut einige Tage auf Komfort verzichten kann. Wandererfreunde, die unschöne Straßen, Hitze und Mosquitos nur zu gerne in Kauf nehmen, um Tiere zu erleben, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt. Kurz: Abenteurer.

Diskotheken findet man kaum und wer um 8 Uhr frühstücken geht, ist dort eher ein Spätaufsteher. Da es bereits um halb sechs dunkel wird, lohnt es sich auf jeden Fall früh aufzustehen. Schon alleine, wegen dem unfassbar tollem Morgenlicht. Ich hätte gedacht, dass mir das als Morgenmuffel schwerer fallen würde, aber dank Jetlag war der Rythmus ohnehin dahin und ich die erste Woche ab halb 5 morgens topfit.

Tipp: Auch, wenn das eigentlich kein wirklicher Tipp ist  und jedem bewusst. Viele Aktivitäten in Costa Rica – wie einige der Nationalparks sollte man wirklich so früh wie nur möglich vornehmen, weil man da nur wenigen Menschen begegnet und später oft viel los sein kann. Gerade wenn es um Natur geht, bin ich zum Beispiel sehr empfindlich. Ich nenne es das Columbusfeeling. An einem schönen Ort will ich mich fühlen als hätte ich diesen Ort ganz allein entdeckt. Und als wäre ich der einzige Mensch der Welt. (Gut, der Freund darf noch dabei sein).
Also: Der frühe Vogel und so ist angesagt!

Das war Teil I meiner Costa Rica Reihe. Viel Informationen und realtiv wenig Bilder. Das wird dann im nächsten Beitrag umgedreht, da folgt dann der Fotobeitrag. Ich wollte lieber mehrere kleinere Posts  veröffentlichen, anstelle eines Monsterbeitrages.  Wer über eine Reise nachdenkt, dem hilft dieser erste Gesamtüberblick vielleicht ein wenig bei der Entscheidung. Wenn ihr Fragen habt oder euch irgendetwas besonders interessiert, sagt mir Bescheid. Ansonsten bin ich gespannt, wie euch der erste Beitrag gefällt.
Coming soon…

8 Kommentare

  1. Alice

    Costa Rica ist ein traumhaftes Land ❤ Dass Unterkünfte und Busse teuer sind, kann ich so allerdings nicht bestätigen. Wir haben in super schnuckeligen Hostels überall max. 30€/Nacht bezahlt und hatten meistens ein eigenes Zimmer, es sei denn wir waren mit mehreren Leuten unterwegs. Frühstück war auch überall dabei 🙂 Und für Busfahrten zwischen 4 & 8 h haben wir umgerechnet max. 13€ gezahlt (Reisebus von San Jose aus).. finde ich auch alles andere als teuer. Ich denke man muss halt einfach wissen wo man am besten bucht, dann kommt man auch relativ günstig weg 🙂

    • Carolina

      Oh ja – wo ward ihr denn unterwegs?

      Oh, ich hoffe, ich habe das nicht falsch geschrieben – Busse sind wirklich günstig, nur Unterkünfte waren es bei uns nicht.
      Aber ich schätze fast, das lag an unserem Reisedatum + dem miesen Dollarkurs. Meine beste Freundin war auch vor 4 Jahren dort und auch sie hatte weitaus günstigere Unterkünfte als wir letzten Monat. 😀

      Wann ward ihr denn in Costa Rica?

      Liebe Grüße

      Carolina

      • Alice

        Also wir waren in Monteverde, Puerto Viejo, Uvita, Montezuma, Santa Teresa & Tambor (März 2015). Waren halt überall in Hostels, nicht in Hotels 🙂 Habe eben nochmal geschaut.. die Unterkünfte in denen wir waren sind zur Zeit auch nicht wirklich teuer als vor 2 Jahren 🙂 Wo wart ihr denn genau?

        • Carolina

          Ah ok, ich glaube daran könnte es liegen. Allerdings hat mein Liebster so eine Art Hostelparanoia und meidet die wie der Teufel das Weihwasser. 😀
          Allerdings muss ich sagen, dass bei uns auch echt viele viele Sachen ausgebucht waren und wir dann wirklich nur noch teilweise in 10 Mann Zimmern hätten schlafen müssen – und da hat es dann selbst bei mir aufgehört.

          Wir sind in Liberia gestartet und von da die Nicoya Halbinsel hinunter und anschließend über Monteverde, El Arenal die Pazifikküste entlang in den Süden nach Puerto Jimenez. (Kommt im nächsten Post)

    • Carolina

      Wie lieb von dir, dankeschön! ♥
      Hach, also wenn ich es schaffe, dass sich andere Menschen in meine Reiseziele verlieben, dann habe ich glaube das Beste erreicht, was man nur erreichen kann mit seinen Aufnahmen.

  2. Costa Rica hatte ich jetzt gar nicht auf dem Schirm – das hat sich jetzt geändert. (man hört mich auf die To Travel Liste kritzeln…) 😉
    Wenn dann ist das aber ein mega guter Einblick !!!
    Auf dem einen Bild siehst du übrigens ein bisschen aus wie Alice im Wunderland, die gerade den „Iss mich“ Kuchen genascht hat 😀

    • Carolina

      Ach wie schöööön – das freut mich, es ist wirklich ein so schönes Land! ♥

      Hahaha, du wirst es kaum glauben: Aber genau DAS war mein Gedanke, als wir das Foto gemacht haben 😀

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