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Was ist überhaupt wichtiger? Ziel oder Weg.

“It’s so strange how life works: You want something and you wait and wait and feel like it’s taking forever to come. Then it happens and it’s over and all you want to do is curl back up in that moment before things changed.”
― Lauren Oliver, Delirium

So sind wir ein klein wenig, oder? Warten und warten auf etwas. E T W A S. Und als wahre Meister der Fantasie verändert sich dieses bloße Etwas. Wächst, verändert seine Form, wird größer.  Besser. Schöner. So viel schöner. Und allein der Gedanke, noch länger warten zu müssen, macht einen unruhig. Ungeduldig.  Kreuzchenkalender einrichten.  Wann ist der Monat endlich zum. Und der nächste, und der übernächste. Warten auf etwas in der Zukunft ist diese bittersüße Mischung: Antrieb und Ignoranz. Und wir alle wissen, dass der Satz „Vorfreude ist die schönste Freude“ nicht untertrieben ist.  Ein Ziel in Gedanken ist ein starker Motor. Aber auch ein bitterer. Denn während wir oft mit leuchtenden Augen und in höchster Konzentration unserem wunderschönen Etwas entgegenlaufen,  verpassen wir – alles andere. Die Dinge entlang der Straße. Kreuzungen. Neue Wege. Den Weg. Wir verpassen den Weg.

Und das ist so schade. Denn angekommen an einem riesen Etwas, das ja eigentlich nur unser Kopf mit seiner übersprudelnden Fantasie und seinem Streben nach mehr so riesig gezaubert hat, da erscheint uns – egal, was es nun sein mag – das Ziel etwas farbloser als erhofft. Es ist ein wenig so, als hätte man ein schönes Foto mit einem starken Filter überlegt. Sobald man sich das Originalbild ansieht, ist man enttäuscht. Zu langweilig. Vorher war es irgendwie besser.

Und was dann? Ein neues Ziel. Ein neues Etwas. Alles von vorne. Und wieder – verpassen wir den Weg. Doch was ist überhaupt wichtiger – das Ziel oder der Weg? Das ist wohl die große Frage. Denn unweigerlich kommt ein Gedanke in mir auf: Geht es denn überhaupt ohne?  Ich denke nach. Blicke ich mich um, denke an die Menschen, die mich umgeben. Denke an uns alle. Wie es schon immer war und wie wir dahin gekommen sind, wo wir uns heute befinden. Und komme für mich zu dem Schluss:  Nein, es geht nicht.

 

Und vielleicht ist es auch gar nicht an uns, sich diese Frage überhaupt zu stellen, ob dieses oder jenes Verhalten nun gut oder schlecht für uns ist. Es ist nur so: Wir machen das gerne. Einordnen. Schubladen. Dinge benennen. Wir möchten jede Situation irgendwie einsortieren in eine bestimmte Kategorie. Vielleicht – und jetzt bin ich wirklich mutig – ist ja das genau der Fehler. Nicht ständig unser Tun in Frage zu stellen, sondern unserem Tun ständig und immer einen Namen geben zu müssen.

Was ist wichtiger – der Weg oder das Ziel. Die ganz normalen Sonntagabendgedanken eben.

 

Ich trage
// schwarzer Kuschelpullover – ZARA // schwarze Leggins – H&M // grauer Mantel – ONLY // Tasche – Mango // Wildlederstiefeletten mit Stickerei – ASOS // Mütze – alt // Schmuck: Medaillon & Steinanhänger vintage; Halbmond – H&M // Schal – H&M //

6 Kommentare

  1. Ana

    Ich sage: Der Weg!
    Mein Ziel im Leben ist es, glücklich zu sein. Wenn ich, um meine Ziele zu erreichen, unglaublich viele Abstriche mache und quasi mit Scheuklappen durch das Leben laufe, dann mein Ziel erreiche und mich kaum darüber freuen kann, nie wirklich ankommen kann, dann ist es doch besser ihnen nicht so hinterherzuhetzen.
    Täglich etwas kleines für die Zukunft und etwas kleines für die Gegenwart zu tun – dann wird das schon 😉 Das Beste daran: Ich bin nicht komplett unvorbereitet für das, was kommt, und bekomme etwas von meinem Leben im Jetzt und Hier mit. So lange habe ich mich auf mein Studium gefreut – und jetzt wo ich hier bin, soll ich schon dem guten Masterplatz entgegen hetzen?

    Toller Post über ein Thema, über das sich sicher viele Gedanken machen!

    xx Ana http://www.disasterdiary.de

    • Carolina

      Liebe Ana,
      ich habe den Text bewusst ein wenig offen gehalten, weil ich auch auf eure Meinungen dazu gespannt war. Dein „Plan“ klingt auf jeden Fall sehr gut – und ich habe so das leise Gefühl, das sich bei dieser Frage zwei Lager auftun werden. 😀

  2. Wunderschön geschrieben. Und die Bilder sind wieder so toll.
    Ich denke irgendwie sind Weg und Ziel doch in gewisserweise auch das Gleiche, oder? Denn ein Ziel hat doch meist auch viele Zwischenziele, die dabei helfen, das eigentliche Ziel zu erreichen – und wenn das Ziel erreicht ist, dann steht eben das nächste Ziel an, das meistens auf das erste aufbaut. Deswegen würde ich es auch gar nicht als „alles von vorne“ bezeichnen 🙂
    Ich denke ohne Ziele vor Augen würde vieles gar nicht so richtig funktionieren. Kommt natürlich immer darauf an, was man als Ziel definiert, aber eigentlich hat man immer ein Ziel. Glücklich sein ist auch eines.

    • Carolina

      Dankeschön! <3

      Ja, vielleicht ist einfach das ganze leben eine bunte Perlenkette aus Zielen. Und manche erreicht man, andere eben nicht. Und selbst das hat meistens auch wieder etwas Gutes. Irgendwie und irgendwo öffnet sich immer eine Tür, nicht wahr?

  3. Ach Carolina.. 🙂 Ein toller Post – wieder einmal.. und diese Schuhe *-* 😀 <3
    Zu dem Thema.. Ich denke ich hab im allgemeinen immer wieder große Ziele, die ich erreichen will, aber ich möchte dennoch auch am Wegesrand schauen und kleine Glücklichkeiten (nennen wir es mal so) entdecken.. Im Großen und Ganzen möchten wir doch alle später, wenn wir alt sind zurück schauen und sagen, dass wir alles richtig gemacht haben, wir möchten unseren Enkeln erzählen, wie schön und toll das Leben war und für die Kinder noch wird.. dafür müssen wir uns aber immer wieder darauf besinnen was wichtig ist, wie schön Kleinigkeiten sein können und das was wir haben mehr zu schätzen wissen.
    Ich wünsche dir eine schöne Restwoche! <3

    • Carolina

      Hahah – ich nenne sie Babuschka Schuhe – und ich liebe sie! ♥♥♥

      Und ja, so ist es. Und ob wir alles richtig – und was falsch gemacht haben, werden wir ohnehin erst ganz zum Schluss wissen. Bis dahin können wir nur üben und versuchen. 🙂

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