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Venedig. Stadt der 1000 Brücken.

Venice never quite seems real, but rather an ornate film set suspended on the water.
Frida Giannini

Nach der wundervollen Bergluft vom ersten Teil unserer Reise, ging es mit einem gewaltigen Muskelkater weiter nach Venedig. Venedig ist so eine Sache. Man hat ja irgendwie schon ein ganz genaues Bild im Kopf, wie es dort aussehen wird. Fast ein wenig wie New York. Da war ich zwar auch noch nicht, aber irgendwie geben mir die Abertausenden von Times Square Bilder das Gefühl, selber schon dort gewesen zu sein. Ich fühlte mich also ein klein wenig so, als hätte ich schon die Herr der Ringe Trilogie im Kino gesehen und sollte nun die Bücher dazu lesen. Und so war mein Interesse in den letzten Jahren an dieser Stadt der 1000 Brücken, 1000 Namen und vor allem 54754928573892 Touristen eigentlich so ziemlich gleich Null.

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Aber eben doch nur eigentlich. Und im Laufe unserer Überlegungen habe ich mich dann doch immer weiter mit dem Plan angefreundet, die Stadt selber kennenzulernen. Und ja, das ist wohl auch so eine Sache mit diesen Dingen und Städten wie New York, dem Eiffelturm, einem schlimmen Kater nach zu viel Wein, dem Wahlprogramm von Trump – und eben auch Venedig: Man muss es mal gesehen haben. Vollkommen zu Unrecht sind eben doch nicht so viele Augen auf sie gerichtet. Und dann gehört man zumindest zum erlesenen Kreis der Wissenden. Nicht nur der, die versuchen, wissend zu wirken. Und das ist ja auch schon mal was.

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Weil wir möglichst wenig Gepäck mit uns herumschleppen wollten und auch nur 3 Tage in Venedig eingeplant hatten, ließen wir die meisten Dinge gleich im Auto beim Flughafen. Und dann weiter mit den „Öffentlichen“ in die Stadt. Das heißt in dem Fall mit dem Taxiboot. Ok, ich muss zugeben: Obwohl mir der Hintern auf dem billigen roten Plastiksitz geklebt hat, fand ich das schon ziemlich fancy. Und der Anblick der sich nähernden Lagunenstadt ist schon durchaus auch mal ein respektzollendes Raunen wert.

Hier auch gleich mein erster Reisetipp für Venedig: Bei der Fahrt vom Flughafen in die Stadt am Besten eine lange Hose anziehen. Ist echt verdammt schwitzig, eng und klebrig. Außer, ihr fahrt nicht mit dem gemeinen Pöbel, sondern den privaten Speedbooten. Dann streicht Reisetipp Nummer 1 und winkt zumindest mal beim Überholen.

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Und dann kamen wir an. Über die Rampe vom Boot auf den festen Boden. Das Meer schwappt leise platschend gegen den festen Untergrund auf dem wir gerade soeben gelandet sind. Möwen kreisen lautlos über unsere Köpfe und ich bin schon viel zu sehr abgelenkt, um meine tiefe Urangst – nämlich der, Möwenkacke auf das Haupt zu bekommen – überhaupt noch wahrzunehmen. Hinfort all die Bilder in meinem Kopf. Weg all die Vorurteile. Und sogar mein Hass gegen Menschenmaschen ist mir gerade verdammt egal. Als würde mein Gehirn einmal die Festplatte löschen, um Platz zu machen für das, was wirklich zählt: Die eigenen Augen, das Gefühl, wirklich und wahrhaftig selber dort zu sein.

Und wie immer, wenn ich etwas besonders Schönes sehe, kann ich meine Euphorie nicht zurückhalten. Es schäumt über und ich fühle mich jedes Mal so, als wäre ich in meinem Leben noch nie glücklicher gewesen, als jetzt gerade in diesem Moment. Vielleicht bin ich auch einfach nur leicht zu begeistern, aber ich konnte mich nicht satt sehen an dieser Stadt. Vielleicht ist es eine der zauberhaftesten Städte, die ich je gesehen habe und sofort konnte ich verstehen, warum all die Menschen immer wieder dorthin reisen. Warum Venedig eben Venedig ist. Es ist einzigartig.

 

foxografie_venedig_IMG_9879Ehrlich gesagt hatten wir kein Programm für die Zeit dort. Meistens erleben mein Freund und ich die Städte vor allem damit, dass wir in ihnen leben. Tauchen ein. Ziehen von Café zu Café und von Kneipe zu Kneipe. Lassen uns treiben durch verlassene Straßen und finden dabei meistens unterwegs unser Programm. Das ist nichts für Planungsmeister, das ist mir bewusst – aber für uns ist es perfekt. Und ich bin dankbar, einen Reisebegleiter an meiner Seite zu haben, der einen ähnlichen Reiserhhytmus pflegt wie ich.

Da wir beide emotional nicht in der Lage sind, mit Menschenmassen besonders gut umzugehen, hier der zweite und vielleicht wichtigste Reisetipp überhaupt für Venedig:

Venedig ist eine Morgensabends Stadt. Ich glaube, das ist kein dudentauglicher Begriff, aber das ist ja egal. Es ist nämlich so: Gegen Mittag rollen die „Busmenschen“ an. (Das ist auch nicht wirklich dudentauglich, sondern eher eine Wortneuschöpfung von meinem uns. ) Und dann wird es voll in der Stadt. Und zwar so richtig. Plötzlich sind die süßen kleinen Gässchen nicht mehr süß, sondern infernalisch. Das kleine wird irgendwie viel zu klein. Ich bekomme Menschenhass und klaustrophoische Tendenzen. Wenn man dann noch Hunger hat, hört der Spaß auf. 3 Stunden vor der Markuskirche bei 440 Grad Celsius anstehen? Niemals.

Daher war unser Ablauf in etwa so: Früh aufstehen – durch die noch nicht infernalischen Gässchen flanieren. Um 12 flüchten ins Apartment. Siesta. Um 5 wieder rausgehen. Ehrlich, ab fünf halbieren sich die Menschenmassen fast. Denn ein Großteil ist nur zu Besuch für ein paar Stunden in der Stadt und zieht dann wieder mit dem Rucksack voller Souvenirs dahin zurück, woher er gekommen ist.

Am Besten also, ihr stellt den Wecker etwas früher, genießt die Stadt und gönnt euch dann erstmal eine ausgiebige Siesta bevor ihr euch wieder ins Getümmel werft.

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Was es sonst noch zu sagen gibt?
Es ist teuer. Sauteuer. Ehrlich, Venedig ist eine Stadt, um schöne Fotos zu machen. Die alten immer weiter zerfallenden Gebäude zu bewundern und den hervorragenden Kaffee zu genießen. Aber ein wirklich gutes Restaurant mit einem Preis, bei dem man danach nicht drei Tage auf Dosenravioli umsteigen muss, ist schwer zu finden. Wir waren an beiden Abenden in einem Restaurant essen. Wir tripadvisorn uns ja immer durch die Welt – das klappt erstaunlich hervorragend. Und an beiden Abenden waren um die 80 Euro fällig. Für ein Essen, das höchstens vielleicht in Ordnung, aber weit entfernt von ultra laser war.So ist das eben bei uns, denken sich die Venezianer. Sollen die Touristen mal schön zahlen, wenn sie schon unsere Meisterwerke mit ihren Birkenstocks belatschen. Und wem’s nicht passt, der kann ja gehen. Der nächste Bus kommt schon bald.
So ist das eben bei uns, denken sich die Venezianer. Sollen die Touristen mal schön zahlen, wenn sie schon unsere Meisterwerke mit ihren Birkenstocks belatschen. Und wem’s nicht passt, der kann ja gehen. Der nächste Bus kommt schon bald.
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Aber was soll man sagen. Venedig kann sich eine leicht erhobene Nase einfach leisten. Es gibt nichts Vergleichliches. Es ist wunderschön. Mein Fotografenherz hat bei jeder herunterbröckelnden Häuserfassade und jedem ornamentalen Blumenbalkon wild vor Freude gepocht. Und selbst der Lieblingsmann hat plötzlich Sätze gesagt wie „Stell‘ dich da mal hin..„, „Geh‘ dort mal rüber!“ oder „Setz‘ dich da mal davor.“ Und ich sage euch, das passiert wirklich selten.
Ich habe es meinen Freunden ungefähr so beschrieben – und so beschriebe ich es auch für euch:
Venedig ist wie eine alte Lady. Sie war einmal eine wunderschöne Frau, man sieht es noch jetzt. Auch, wenn sich jetzt schon so einige tiefe Falten zwischen den Make Up Schichten und dem ganzen Perlenschmuck bemerkbar machen. Die Haut inzwischen schlaff. Die besten Zeiten schon lange vorbei. Aber man muss eben doch immer wieder hinsehen. Kann den Blick nicht abwenden. So stolz trägt sie ihre Perlenohrringe aus einer längst vergangenen Zeit. Hoch erhobenen Hauptes. Und plötzlich verliert das Alter seine Wichtigkeit und Bedeutung. Venedig ist einfach schön. Zeitlos schön. Venedig ist ein Kunstwerk. Und dem Untergang geweiht.
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IMG_9865foxografie_blue door_venedig_veniceIMG_98782 Gesichter.
foxografie_venedig_venice_IMG_9939IMG_9946Jedes Bild eine Postkarte.
foxografie_venedig_venice_IMG_9918The Lady in Red.
Lieblinghobby. Unbekannte fotografieren.
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foxografie_venedig_venice_IMG_9959Immerhin dürfen inzwischen die großen Kreuzfahrtschiffe nicht mehr in die Kanäle. Um die Stadt zu schonen, wurde das letztes Jahr verboten. Es muss ein Spektakel gewesen sein, wenn diese Riesenschiffe anlegten, die allesamt höher waren, als das höchste Gebäude von Venedig.
IMG_9883foxografie_tauben_venedig_venice_IMG_9930foxografie_venedig_venice_IMG_9958Habe dort auch mein älteres Ich gefunden. Das Leben genießen, ein wenig glotzen und vor allem Wein schon am Mittag trinken.
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10 Kommentare

  1. Tolle tips! Morgensabends Stadt werd ich mir merken, das Prinzip gefällt mir aber gut, vor allem ist das Licht bestimmt schöner zum fotografieren. Und schade, dass es so teuer ist, aber gut wer will der muss oder so. Sind auf jeden Fall wunderschöne Bilder geworden, ich liebe ja Fotos von Gassen und engen Straßen.

    Ich wollte dich mal fragen, ob du den Blog von Christine Polz kennst, die ist nämlcih auch hauptberuflich Fotografin und ich finde ihr schreibt beide ganz toll und (auch wenn der Fotografie-Stil anders ist) optisch ansprechend ist es auch immer! http://www.blog.christinepolz.com/ falls du mal lesen magst 🙂

  2. Wow wie wunderschön. Ich war auch einmal in Venedig und mir ging es genauso wie dir. Ich war einfach fasziniert von dieser wunderschönen Stadt. Vielen Dank, dass du mich mit deinen tollen Bildern wieder daran erinnert hast.

    Alles Liebe.

    Nadine

  3. Hallo Carolina 🙂
    Ich war vor 4 Jahren Anfang Mai in Venedig, also 2012. Wir waren innerhalb einer Studienfahrt in Italien und sind mit einem größeren Wassertaxi dann für einen Tag über gesetzt, ich saß mit einigen Freundinnen vorne und draußen – da stört dann auch die kurze Hose nicht und es kleibt nichts.. Kann man vllt auch als Tipp nehmen. 😀
    Mittag gegessen haben wir dann iwo in einer versteckten Seitengasse, wo auch selbst die Italiener saßen und dadurch waren die Preise moderat und die Pizzen unglaublich lecker. Das vielleicht als weiteren Tipp – bloß nicht nahe oder direkt am Markusplatz sitzen und sich was zu essen suchen, da kannst du viel Geld los werden…
    Tja.. wir sind vormittags angekommen und man hat gemerkt, dass es mittags immer voller wurde.. Auf der Rücktour sind wir an der „Queen Mary“ vorbei geschippert, die zu dem Zeitpunkt auch noch in dem großen Kanal festmachen konnte.. Total unglaublich, unschön und absolut unpassend..
    Die Beschreibung mit der alten Dame finde ich super passend.. Im Allgemeinen muss ich zum Schluss aber wohl sagen, dass ich persönlich nicht allzu begeistert von Venedig war.. Die kleinen Gassen fand ich super, Fotomotive an jeder Ecke, aber es war erstens wahrscheinlich einfach zu heiß (es war der heißeste Tag der Woche mit um die 35°C) und dadurch stank es sehr.. Überall flogen die „Ratten der Lüfte“ alias Tauben und es war tierisch voll.. Wahrscheinlich muss ich nochmal hin um der alten Lady eine erneute Chance zu geben.. 🙂

    Ganz liebe Grüße,
    Nadja

    • Carolina

      Wirklich krass. Die Queen Mary. Das kann man sich echt nicht vorstellen..

      Danke für die Tipps – sollte es einen weiteren Besuch geben, werde ich die beherzigen. 🙂

      Ja, ich glaube am Besten besucht man Venedig im späten Herbst oder sogar Winter. Die Hitze war arg, aber so ist das in den südlichen Ländern eben. Wenn man das nicht mag, darf man da gar nicht erst hin. Aber daher hat uns auch die lange Siesta am Mittag echt gut getan – und dann belastet einen die Wärme auch viel weniger.

      Zweite Chancen sollte man ab und an auf jeden Fall erteilen..;-)

  4. Ich war mit geschätzt 8 Jahren mal für einen Tagesausflug in Venedig und kann mich nur noch daran erinnern, dass es unglaublich heiß und vollgestopft war. Aber dein Post macht wirklich Lust mir das ganze nochmal mit Verstand anzuschauen. =)

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