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So zwischen dem Leben.

It was one of those March days when the sun shines hot
and the wind blows cold: when it is summer in the light,
and winter in the shade.

Charles Dickens

Ist es nicht verrückt, dass man sich da und weg gleichzeitig fühlen kann?
Ich sitze vor meinem PC und fühle mich gleichzeitig meilenweit entfernt. Als wäre das Jetzt irgendetwas Fremdes, das gar nicht richtig zu mir gehört. Die Füße berühren den Boden. Ich spüre den Pullover auf der Haut. Die Tasten unter meinen Fingerspitzen, die bei jedem Berühren ein dumpfes Klacken von sich geben. Ich fühle die warme Kaffeetasse in der Hand. Die kleine goldene Ringkette, mit der ich gedankenverloren spiele, während ich nach den richtigen Worten suche. All das spüre ich, aber eben nur verschwommen. Alles nur nebenbei. Minutenlang aus dem Fenster schauen. Oder nur an die graue Wand. Da sein, aber irgendwie nicht. Zwischen dem Leben eben.

Vorbei ziehen die Minuten und selbst das spürt man. Doch man kann sie nicht fassen. Nicht richtig genießen. Wie ein Kinogast im eigenem Leben. Weil hinter den Kulissen der Sturm tobt. Weil hinter dem Vorhang gerade mehr passiert als davor. Weil es diese Tage gibt, die einfach zu kurz für das sind, was man tun sollte. Weil das Popcorn fehlt. Und weil es diese Tage gibt, an denen man an  Aufgeben denkt. Nur mal kurz. Nur mal jetzt.

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Du schaffst das schon. Du machst aber auch zu viel. Du bist doch stark.
Ja, ja und ja. Ich schaffe das, ich weiß, es ist gerade viel und ja, ich bin stark. Ich weiß das. Nur fühle ich es gerade nicht – weil ich doch gerade gar nicht da bin. So ist das.  Zwischen dem Leben eben. Und bin ich nicht immer zurückgekommen? So war es bisher immer. Weil ich die Sekunden sonst vermisse, das Leben. Hinter dem Vorhang ist es dunkel – ein gutes Versteck zugegeben. Manchmal zu gut. Zu verlockend, wenn alles zu viel wird, zu laut, zu groß und zu furchteinflößend. Wenn der Bühnenboden plötzlich erschreckend zerbrechlich und unsicher erscheint.

Jeder sieht nur die Bühne. Das bunte Spektakel davor. Das ganze Chaos dahinter bleibt für die meisten verborgen hinter dem schweren Vorhang. So ist das. Das ist dieser Ort, der sich Zwischen dem Leben nennt. Hier und weg. Zwei Orte gleichzeitig in einem Moment. Vielleicht kannst du kurz vorbeikommen. Aber bring‘ Popcorn mit.

IMG_7981IMG_7923IMG_7952IMG_7947IMG_7970IMG_7949IMG_7941Outfit
// Wildlederrock – Mango // Pullover – Zara // Ankle Boots – Deichmann // Geldbeutel – Mango // Schal – Mango //

 

 

 

24 Kommentare

  1. Also ich kenne das schon auch. Teils sitzt man da Minuten lang da und weiß das auch, aber irgendwie macht man gar nichts und ist mit den Gedanken ganz wo anders.. Ist schon komisch 🙂
    Schöne Fotos übrigens. Und das Outfit gefällt mir auch!

  2. Maria

    Wie wundervoll du dieses so schwere Gefühl in Worte fassen kannst und man dabei fast vergessen kann wie sehr einem gerade selbst das Popcorn fehlt.

    Würde sehr gerne mal wieder ein Video von dir sehen!

  3. Zwischen den Leben klingt eigentlich treffender als Tagträume. Und doch sind da Ähnlichkeiten. Die eine Realität des Wachlebens und die andere Wirklichkeit der Traumwelt. Wenn beide verschmelzen ist man in jenem Zustand.

  4. Dieses „zwischen dem Leben“-Gefühl schlägt bei mir ganz schnell in etwas leicht trauriges über, was ich dann aber nicht als negativ empfinde, sondern fast schon genieße, weil es so ein besonderes Gefühl ist.

    Weg geht das Gefühl bei mir dann meist erst, wenn ich schlafen gehe. Aber es kommt auch so gut wie immer erst, wenn es draußen bereits dunkel ist, tagsüber habe ich das noch nie gefühlt…

    Naja, danke für diese wundervollen Worte!

    • Carolina

      Ich kann nur danke zurück sagen für so fabelhafte Nachrichten, die so durchdacht und klug sind. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich dadurch wieder einen neuen Denkansatz bekomme!

  5. Das ist so ein wunderschöner Text! Irgendwie hat mich das gerade sogar ein bisschen in diese Stimmung versetzt, so außerhalb und ein bisschen weit weg, als würde in einem drin die Zeit stehen bleiben, obwohl es draußen weiter geht. Auf der Bühne oder wo auch immer.
    Schon komisch.

    Alles Liebe und ich wünsch dir nach den Donnerstagsmomenten hinterm Vorhang zumindest ein fabelhaftes Osterfest,
    Mara

  6. Hey 🙂
    Riesen Kompliment!
    Der Text ist so wunderschön und realistsich geschrieben, dass er einen abholt aus dem Leben. Wie in einen Kinosaal in dem man noch nie war und doch kommt einem das so bekannt vor, was du da schreibst. Ach ich weiß auch nicht wie ich es ausdrücken soll. Er ist einfach bezaubernd, im wahrsten Sinne des Wortes (ohje, hört ich das kitschig an).
    Mach weiter so und ganz viel Kraft in den Momenten, in denen man sich selbst so fern ist.
    Alles Gute.
    Liebe Grüße,
    Ninchen

  7. Kim

    Nach gefühlt mehreren Jahren schreibe ich auch mal wieder einen Kommentar.
    Erstmal: deine Posts werden immer besser, machen weiterhin nachdenklich und drücken so oft das aus, was mir im Kopf herum schwirrt 🙂

    Zu diesem Beitrag: Oh ja, dieses Gefühl kenne ich gut, leider zu gut. Mir passiert das so oft, dass ich mich manchmal frage, was mich immer wieder in diese „Zwischen-dem-Leben-Welt“ zieht. Man flieht dabei vor der Realität, vor dem tatsächlichen Leben. Und das ist manchmal einfach so viel leichter, als sich dem zu stellen, was gerade vor der Nase abläuft.
    Für mich fühlt es sich dann immer so an, als würde ich in einer Seifenblase sitzen, die nicht zerplatzt. Die nur so durch die Gegend fliegt. Bis doch irgendjemand oder irgendetwas kommt und rein sticht, so dass ich den Boden unter den Füßen tatsächlich wieder spüren kann.
    Aber genau sagen, über was ich in diesen Momenten nachdenke, kann ich nicht formulieren. Man schwebt halt einfach so vor sich hin!

    • Carolina

      Allerdings gefühlte Jahre. Aber dafür freue ich mich umso mehr mal wieder von dir zu lesen, liebe Kim!
      Und vielen vielen Dank für das liebe Kompliment und die kluge Nachricht hier auf dem Blog. ♥

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