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When in Thailand…Part I

Der Januar war ziemlich lange für mich der schlimmste Monat des Jahres. Ein Nichts-Monat. Nichts Schönes, nichts Besonderes. Nichts eben. Nichts als gähnende Leere. 31 lange halb depressive Tage in denen ich Spekulatiuskeksen und Lametta hinterhergetrauert habe.  Also habe ich folgenden Masterplan beschlossen: Die Leere muss weg. Der Januar wird mein Reisemonat. Mein Abenteuermonat!

Das dritte Mal Masterplan, das erste Mal Thailand. Endlich! Schon so lange ist Thailand auf den oberen Ränge der Reisewunschliste dick angestrichen. Und wenn schon Thailand, dann so richtig. Dann mit Rucksack. So richtig mit nichts vorher buchen, außer den ersten zwei Nächten in Bangkok. Da fühlt man sich schon kuzzeitig ziemlich verwegen.
Das Motto des Urlaubs war also: Spontan. Das Ziel: So viel wie möglich sehen.
Aber ganz planlos sind wir dann doch nicht in die Ferne gezogen. Ein klein wenig Brainstorming im Vorfeld bezüglich der Reiseroute war dann doch nötig. Selbst wenn man so ambioniert wie wir an die Sache herangegangen ist und mit einem Christoph Columbus ähnlichem Entdeckergeist so viel wie möglich sehen wollte,  ist das Land dann doch einfach viel zu groß, um alles in nicht ganz 4 Wochen zu sehen.  Und so erging es uns auch bei der Planung davor: Wo anfangen. Was muss man gesehen haben. Was sollte man gesehen haben. Und am Wichtigesten: Was w i l l man wirklich sehen?

Letztendlich war die Route dann folgende: Bangkok – muss sein. Dann in den Norden mit seiner wunderschönen Hauptstadt Chiang Mai – auch Rose des Nordens genannt. Und dann in den Süden Richtung Inseln. Ko Phangan auf jeden Fall. Ko Tao – Tauchen. Der Rest: Klar, spontan.

IMG_7393Am 9. Januar betrat ich also zum ersten Mal in meinem Leben nach 13 Stunden Flug thailändischen Boden. Und habe erstmal gedacht, ich stehe lufttechnisch in einer überfüllten Disko. Nach dem ersten Atemzug vor dem Bangkoker Flughafen war die Frage meiner Lungen, ob das jetzt also für die nächsten Wochen wirklich alles sei. Ungefähr 3 Sekunden danach beginnt sich ein feiner, aber doch nicht ignorierbarer Schweißfilm über die Haut zu legen, der sich dort sehr wohlfühlt und somit ein ständiger Urlaubsbegleiter für die restlichen Wochen war. 30 Grad um 22:23. HERRLICH. Der wahr gewordene Traum für Reisende mit wenig Gepäck auf dem Rücken. Jacke? Unnötig. Genauso wie dieses Dauerzwiebellookding bei uns in Deutschland.

Für Bangkok haben wir ein paar Tage eingeplant, was natürlich nicht wirklich viel ist. Doch ganz ehrlich? Selbst wenn wir dort 10 Jahre eingeplant hätten, wäre es zu wenig gewesen. Zu groß, zu bunt, zu verrückt. Es ist, als stünde man inmitten eines riesigen bunten Ameisenhaufens. Alles in Bewegung, alles bunt. Nichts bleibt gleich.

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Wir haben uns nicht angemaßt, Bangkok in diesen Tagen wirklich kennen zu lernen. Wir wollten einfach mal „Hallo“ sagen und sachte anklopfen. Kurz mal anprobieren. Mal sehen, ob’s so passt. Und es passte vorzüglich. Ohne Karte, ohne Google Maps. Ohne Reiseführer. Der musste uns nämlich schon recht früh auf unserer Reise verlassen, da ich ihn herzloserweise im Flieger neben der Brechtüte liegen gelassen habe. Im ersten Moment habe ich mich ein wenig verloren gefühlt. So ganz ohne Navigation. Wie jetzt!? Wir sollen OHNE irgendwas durch Bangkok laufen? Klar, sind ja nur ein paar Millionen Menschen – und es heißt sicher nicht umsonst „Bangkok hat dich“! Ich bin ein absoluter Reisführerliebhaber. Ich liebe es, darin Wochen vorher zu blättern. Irgendwie fühle ich damit gut vorbereitet. Auch, wenn ich es eigentlich nicht bin und außerdem dann meistens eh‘ ganz anders mache. Wie auch dieses Mal.

Also haben wir uns treiben lassen. Von der Stadt, den Gerüchen und unzähligen Tuk Tuks. Sind durch die Straßen gelaufen und haben uns Essen von thailandischen Omis kochen lassen, die so alt waren, dass man nicht mehr wusste, was eigentlich älter war – die Stadt oder sie.

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Die Gerüche in Bangkok waren sowieso eines der einprägsamsten Erlebnisse. Da quasi jeder Zentimeter Gehsteig nicht als Gehsteig fungiert, sondern als Ladenfläche, findet man alle 2 Meter irgendeine Möglichkeit zu essen – oder zu trinken. Da Thailänder flexibel sind, meistens beides. Nicht selten konnte man bei ein und derselben Person auch neben frischen Kokosnüssen einen Roller mieten, seine Wäsche waschen lassen und eine Thai Massage ist auch meistens drin.

Durch Zufall sind wir dann in China Town gelandet. Wenn ich eine Liste von Orten erstellen sollte, die man unbedingt mal gesehen haben sollte in Bangkok – dann China Town. Diese hasenwilde Ansammlung von Millionen und Abermillionen von Ständen, Sachen und wuselnder Chinesen. Es war ein Fest. Und obwohl bei mir Frettchen normalerweise schon beim Betreten von Accessorize die Hyperventilation eintritt, war es dort irgendwie anders. Trotz so vieler Menschen war die Stimmung eine geschäftige Ruhe. Jeder hat seinen Platz, nichts wirkt wirklich gehetzt. Verkäufer halten auch gerne ab und an mal ein Mittagsschläfchen, spielen Handyspiele oder verlassen ihren Stand, wenn ihnen danach ist. In Thailand ist man eben flexibel.

bildHier seht ihr übrigens eines meiner Lieblingsaufnahmen, die im Urlaub entstanden sind:  Diese alte Frau kochte vollkommen selbstvergessen ein Thai Curry nach dem nächsten. Mein Freund und ich erblickten sie zur gleichen Zeit, blieben wie angewurzelt stehen und konnten unsere Augen nicht von ihr und diesem Moment abwenden. Street Photography ist meine kleine Leidenschaft. Ich mache es nur so. Nur für mich. Es ist für mich die ehrlichste Art der Fotografie. Man fotografiert diesen Moment aus dem Leben einer fremden Person. Gewissermaßen beklaut man sie. Denn die andere Person merkt nicht, dass sie gerade fotografiert wird. Doch genau das macht es so ungestellt. Und so ehrlich.

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Dieses Essen bekamen wir in China Town serviert. Bis heute habe ich absolut keine Ahnung, was wir da gegessen haben. Aber es war rosa. Das kann eigentlich nicht schlecht sein. Wir standen nur einen Moment da und haben wohl ein wenig verloren gewirkt – also wurden wir kurzerhand von zwei Thailändern zum Essen eingeladen. Und so saßen wir also irgendwo in Bangkok, auf zwei  Plastikstühlen in ausgeblichen Rot, mit Leuten, die kein Wort Englisch sprachen und haben zusammen Mittag gegessen. Einfach so. Worte sind eben doch nicht immer so wichtig.

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Irgendwann habe ich es dann doch nicht mehr ausgehalten und musste mir doch nochmal einen Reiseführer zulegen. Es ist was psychisches schätze ich. Auf jeden Fall ging es mir danach deutlich besser (Unnötig zu sagen, wer ihn den Rest der Reise schleppen musste).
Zu Beginn haben wir uns noch jeden Tempel am Wegesrand angehen, an dem wir vorbeikamen. Aber bald mussten wir kapitulieren – es sind zu viele. Und irgendwann sehen sie einfach auch alle gleich aus. Die Stimmung in den Tempeln ist aber das eigentlich Beeindruckende: Die Menschen sind sehr ehrfürchtig. Und: Es gibt dort auch wirklich Gläubige . Viele. Während unsere Kirchen ja nur bei Hochzeiten und an Weihnachten überhaupt mal Menschen zu Gesicht bekommen, knien dort die Menschen in Scharen und beten zu Buddha. Für mich ein faszinierender Anblick.

IMG_7401Wie ist Bangkok also? Kurz gesagt: Es ist vollkommen verrückt. Aber das wird wohl keinen überraschen. Bangkok ist verrückt. Bangkok ist bunt. Überbunt. Nichts passt zusammen. Glitzer, Mickey Mäuse, goldene Buddhas. Eine geschmacklose Mischung, die am Ende irgendwie dann doch wieder stimmig ist. Es gibt einfach alles. Sachen über Sachen. Bangkok ist schick. Unzählige Hochhäuser, die sich an Höhe übertrumpfen. Oder völlig leer stehen.
Bangkok ist diese verrückte alte Lady. Ein bisschen over the top. Ein wenig schrullig. Hat den Krieg erlebt, genau wie tausende Parties. Im einem Moment ernst, im nächsten laut prustend vor Lachen. Man weiß nie genau, was sie als nächstes macht. Man respektiert sie. Obwohl oder eben genau weil. Wenn sie dich einmal hat, dann hat sie dich. Bangkok hat dich.

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IMG_7348IMG_7355Ein typischer Anblick.  Alte und heruntergekommene Wohnsiedlungen zu Fuße moderner Hochhäuser. Großstadt eben.

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IMG_7352IMG_7389IMG_7395IMG_7417IMG_7349Über Instagram habe ich ein paar Momente vor Ort direkt mit dem Handy fotografiert und hochgeladen. Wer möchte, kann mich also auch dort bei „Foxografie“ besuchen kommen.

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catsBilder: Foxografie

 

20 Kommentare

  1. Wow! Neid! Richtig tolle Bilder, das von der alten Dame gefällt mir aber auch am besten.
    Ich trage auch gerne Reiseführer mit mir rum, da ich aber auch sonst viele Bücher mit mir rumschleppe, muss ich (vor allem wenn es solche wuchtigen sind) mich auf blogs, tripadvisor und lonelyplanet.com verlassen. Ging bisher auch ganz gut.

    Bin schon gespannt auf die nächsten Teile! Die Idee den Januar (und wie ich finde) auch Februar mit Leben zu füllen finde ich fabelhaft! Hab ich dieses Jahr auch gemacht, aber im kalten Europa 🙂

    Liebe Grüße!
    Anissa Marie

    • Carolina

      Tripadvisor – unsere Essensadresse schlechthin. Ehrlich, wir haben schon SO SO viele tolle Restaurant und Lokale nur dank dieser App gefunden, ich würde nie mehr ohne verreisen!

      Viele Grüße an dich zurück <3

  2. woooooooooooooooooooow, was für wunderschöne Bilder.
    Du hast sooo ein unglaublich tolles Auge für den Moment. Du machst mich immer wieder sprachlos.
    Und ich will jetzt nur noch mehr nach Thailand.
    Das ist der Plan für Endes dieses Jahr. ENDLICH. Ich träume schon so lange davon. Drückst du dem Rehlein die Daumen, dass das klappt? :> 😉

    • Carolina

      Ich drücke so fest ich kann, liebes Rehlein! Es ist einfach nur atemberaubend schön dort – MACH ES! Scheiß egal, ob man danach (so wie ich) zwei Monate Nudeln mit Ketchup essen muss. 😀

      Und Danke, danke danke für dein liebes Kompliment! ♥

  3. Ich freue mich gerade schon sehr auf die nächsten Teile, ich liebe deine Reiseberichte! Es ist so schön, dass du das nicht alles so runter ratterst sondern irgendwie die Gefühle festhältst, die kleinen Details, die das alles erst besonders machen und die das Fernweh wachkitzeln. Ich hab zumindest gerade unglaublich Lust, mal durch so eine ganz andere Stadt zu wandern, ein bisschen weg von den westlichen Normen und dieses bunte Gewusel bestaunen. Gerade solche Momente wie die alte Frau beim Kochen – stimmt, das sind immer die interessantesten Fotos. Ein bisschen stibitzt, aber ehrlich.

    Alles Liebe, ich wünsch dir ein fabelhaftes Wochenende,
    Mara

    • Carolina

      Du Liebe du! Ja, die alte Frau beim Kochen schaue ich mir immer wieder an, weil ich das Bild so sehr liebe.
      Reisen ist jeden Euro wert, den es kostet, es ist ein so wunderbares Gefühl – die Vorfreude davor, das Abenteuer selbst und die Erinnerungen danach, die man mit sich trägt.

  4. Wow. Ich lese ja echt nicht gerne Reiseberichte, aber wenn sie so sind wie deiner – dann doch! Du hast mir unendlich viel Lust darauf gemacht, Bangkok selbst mal zu erleben. Allerdings wird das wohl noch eine Weile ein Traum bleiben, bis ich das Geld dafür aufbringen kann…
    Solange speichere ich mir deinen Post ab und warte auf Teil 2!
    Liebe Grüße

    • Carolina

      Ich kann das so gut nachempfinden. Das Thema Geld war bei mir auch wirklich jaaahrelang die größte Hürde und Grund dafür, dass ich so gut wie nirgendwo hin gereist bin. Erst die letzten drei Jahre konnte ich endlich ein wenig beginnen, die Koffer öfter mal zu packen – auch, wenn es mir dann noch ein ziemliches Loch in den Geldbeutel frisst – das ist es wert!

      Also sei nicht traurig, vielleicht klappt es noch nicht JETZT. Aber dafür übermorgen! :-*

  5. Oh Carolina… Schöne Bilder und ein toller Post.. Dadurch, dass ich nun schon so einige Länder in der Berufsschule durchgenommen habe (Reisebüro^^) und Thailand letzten Block ganz groß dazu gehörte, konnte ich gut einiges an Wissen im Kopf automatisch wiedergeben.. 😀 Z.B., dass Bangkok mehr als 400 Tempel hat – wenn man da in jeden hineingeht, reichen 4 Wochen wohl nicht aus.. 😀
    Vllt helfen mir diese Post ja auch für die Prüfung im Mai – es ist immer was anderes, wenn man solche tollen Berichte mit Infos von Leuten liest, die man gerne.. liest?! Also eig. wollte ich nur sagen: Ich freu mich immer auf deine Berichte! 🙂

    • Carolina

      Wirklich krass. Und Chiang Mai hat nicht sehr viel weniger Tempel – obwohl es deutlich kleiner ist. 😀
      Verdammt, wenn du so viel Wissen hast, hätte ich dich gut als Reiseplanerin vorab gebrauchen können. Bei meiner nächsten Reise werde ich gleich mal bei dir anfragen! 🙂

  6. Oh Carolina, das sind so unglaublich tolle Bilder!
    Man bekommt wirklich Lust nach Bangkok zu fliegen, die stickige Luft einzuatmen &alles zu erkunden.
    Wahnsinn, was ihr alles erlebt und gesehen habt. Da bin ich unheimlich gespannt auf die folgenden Thailandberichte.
    Die Katzentaschen hätte ich alle mitgenommen, die sin der Hammer 🙂

    Ich freu mich auf die nächsten Bilder.

    Liebste Grüße,
    Josie

  7. Du hast die Stadt perfekt beschrieben. Es war wie wenn ich vor Ort gewesen wäre, deinen Text zu lesen und deine Eindrücke aufzusaugen. Sooo schön. Die Fotos. Du hast echtes Talent! Jetzt hab ich Heimweh. Khap khun khaa! Freu mich auf weitere Teile <3

    Ganz viele liebe Grüße :*
    Jasmin von nimsajx.blogspot.de

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