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Im Schützengraben

Und dann warte ich wieder zu lange. Ich warte und warte. Wie ein Soldat im Schützengraben. Bis der Krieg beginnt. Oder der Frieden. Bis zum ersten Schuss. Dieses Warten auf irgendwas. Ein Zeichen. Ein Kommando. Egal auf was, hauptsache irgendwas. Ich warte auf jedes Gefecht wie ein Soldat. Irgendwie voller Energie, irgendwie voller Angst. Voller Tatendrang. Und doch wie eingefroren. Irgendwie alles. Doch meine Kriege sind nicht gegen andere. Meine Kriege sind gegen mich selbst. Gegen das eigene Zaudern. Die ständigen Zweifel. Und immer wieder diesen Stolz. Immer an der falschen Stelle, immer größer als man selbst. Fast schon überheblich. Du musst über deinen Schatten springen, heißt es. Dabei sollte es heißen „Du musst deinen Schattern erschießen. Oder leg ihn zumindest in Ketten.“

Also lieber warten. Vielleicht ändert sich ja noch etwas. Morgen. Übermorgen. Vielleicht warte ich auf das Unmögliche, auf ein Wunder. Auf ein Zeichen. Ein Kommando. Egal auf was, hauptsache irgendwas. Ein Soldat ohne Heer. Ohne Anführer. Irgendwie verloren. Aber verloren sein ist schlimm, da fühlt sich warten doch noch besser an. Denn beim Warten, kann man immrhin noch hoffen. Auf die Rettung. Eine Idee. Die Lösung. Egal auf was, eben irgendwas.

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Gegen sich selber kämpfen ist ein unfairer Kampf: Man weiß schließlich, was der Gegner denkt. Zu jeder Zeit. Kennt alle Stärken in- und auswendig. Und die Schwächen. Alle Fragen eigentlich nutzlos. Denn die Antwort kennt man ja doch. Nur will man sie nicht hören. Am Wenigsten von sich selbst. Dann lieber Ohren zuhalten und warten.  Schützengräben sind verdammt unbequem. Und gefährlich. Vor allem, je länger man dort sitzt und wartet. Natürlich hätte es nie so weit kommen sollen. Natürlich nicht. Aber nun sitzt man eben dort. Wartet. Sollte handeln. Oder lieber doch nicht.

Eines ist klar in solchen Momenten: Alleine kommt man da nicht raus. Keine Chance. Ein Zeichen oder ein Kommando sind nicht schlecht.  Aber vor allem braucht man jemanden. Und zwar genau jemanden. Nicht irgendjemanden.  Ehrlich, alleine gewinnt man keine Schlacht. Hat noch niemand.
Klar, wir wollen immer alles alleine schaffen. Ich auch. Will mir am Ende die Krone aufsetzen, mich im Spiegel ansehen. Bewundern. Den Glanz genießen. Wissen, dass ich diejenige war, die sie sich erkämpft hat. Ich allein! Ja, das ist Stolz. Ja, das ist Eitelkeit. Ja, dieser Schatten.  Wie ein trotziges Kind. Unbedingt selber die Schnürsenkel binden wollen – obwohl man doch noch Klettverschlüsse benutzt. Egal. Fuß aufstampfen. T R O T Z D E M. Ich schaffe das allein. Irgenwann. Immer wieder dieser Schatten. Doch drüber springen geht nicht, zu groß. Erschießen auch nicht, ich hasse Gewalt. Nur darüber getragen werden. Das könnte die Lösung sein. Sanft, aber beharrlich. Langsam. Schritt für Schritt. So, dass ich es kaum merke getragen zu werden. Aber nicht von irgendjemanden. Nur von jemanden. Denn manchmal, da ist die Schlacht einfach verloren. Es wird keine geben. Zum Glück. Da besteht der Sieg aus dem Rückzug. Und aus einem neuem Plan, einer neuen Richtung. Einfach etwas Neuem. Weil das Alte nicht mehr richtig passt. Vielleicht ein wenig wie Klettverschlussschuhe. Man braucht kein Zeichen, kein Kommando, nur jemanden, der sagt: Ich hole dich da raus.

IMG_7873cats4IMG_7904IMG_7876IMG_7914IMG_7880Ich trage: mintfarbenen Mantel von Tally Weijl (nicht aktuell) //Schal von Mango // graue Ankle Boots von Deichmann // Brille von Bill & Joe Berlin // Geldbeutel mit Goldkette von Mango //

15 Kommentare

  1. Ich mag deinen Blog so gerne, ich finde du hast so einen tollen Schreibstil.
    Wenn ich ein Inspirationstief habe, komme ich immer auf deine Seite, lese deine Texte
    und werde neidisch, dass in meinem Kopf mal wieder alles blank ist.

    Du hast echt Talent zu schreiben, hör niemals damit auf! 🙂

    Liebe Grüße,
    Viola

  2. Ich weiß zwar nicht, was genau ich schreiben soll,
    aber deinen Post möchte ich nicht unkommentiert
    lassen, weil er so wunderschön ist. Die Sache mit
    dem Warten, aber auch das Wissen, getragen zu sein
    und das auch zulassen zu müssen.

    Vielen Dank für deine Worte ♥

    • Carolina

      Manchmal muss man auch gar nichts dazu sagen. Ich weiß genau, was du meinst. Und ich schätze es deswegen umso mehr, dass du mir so eine Wertschätzung hier lässt. Ich habe zu danken für so liebe Leser. ♥

  3. Habe ich ein Wunsch frei?
    Dann wünsche ich mir, daß Du irgendwann ein dickes Buch schreibst. Es wäre eine Schande und traurig, würdest Du es nicht tun.
    Deine Texte sind immer und immer wieder unbeschreiblich schön, tiefgründig und inspirierend.
    Achja, ich hätte meine Ausgabe dann gerne signiert 😉

    Liebe Grüße
    Kati

  4. Hi Carolina,
    Du hast es wieder mal geschafft. Wie kann das sein? Du schreibst, was ich oft denke?
    Wenn gleich sich dieser Blog „Im Schützengraben“ ein wenig wie ein Hilferuf anhört und
    damit so ziemlich alle Sensoren meines Samariterinstinkts aufleuchten lässt, so ist er super schön geschrieben.
    Ich glaube es geht vielen Menschen so, wie Du es hier beschreibst. Zumindest allen,
    die tiefgründig und sensibel genug sind, auch zu verstehen, was Du meinst.
    Manchmal kann man neidisch sein auf all „die nicht intelligenten“, unsensiblen und oberflächlichen Menschen,
    zu denen wir zweifellos nicht gehören – denn diese Art Menschen haben weniger Sorgen und sie begreifen diese
    Gefühlswelt gar nicht – haben keinen Bezug dazu – verstehen den tiefen Sinn nicht.
    Ja, aber dennoch möchte ich niemals mit ihnen tauschen – lieber bin ich wie Du und analysiere mich selbst, kämpfe innerlich mit dem eigenen Ich oder warte im Schützengraben auf Hilfe. . .
    ich befinde mich gerade auch in einem weiteren Selbstversuch in meinem Leben – alles ist bei mir auf Trial & Error ausgelegt.

    Danke Dir, für deine immer wieder so toll geschriebenen Texte. Egal, wie anstrengend es ist – ich hoffe in dem Fall, dass es noch lange so bunt in Deinem Kopf zu geht. In diesem Sinn – Ilja

  5. ILLE

    …Tja, Caro es ist keine leichte Entscheidung im Leben eines Mannes – auf einmal ist man unsicher – jegliche Sicherheit ist dahin.
    Der Gedanke, etwas verlieren zu können, was man vorher gar nicht hatte – dieser Gedanke ist es, der einen zweifeln lässt. Zu viele Neustarts im Leben – eine bereits gescheiterte Ehe, eine Verlustangst, die mich immer wieder beherrscht und einholt.
    Das sichere Versteck wieder verlassen zu müssen… und auf einmal sind sie da – die Zweifel – die Angst, dass es scheitern könnte – zu viel passiert in meinem Leben – ja damit bin ich nicht alleine – es wird wohl vielen so gehen –
    Doch was ist der „worst case“? Dass man scheitert? Dass alles in die Brüche geht? – ja in der Tat – doch eine Garantie bekommt man leider für nichts im Leben, wenn es um Menschen geht. Und es gibt immer zwei Seiten – zwei Perspektiven mindestens. und so beginnt immer etwas Neues, wenn etwas „altes“ endet. Das „Dumme“ an mir ist auch – ich brauche viel Neues und viel Abwechslung – wenn ich mich im Leben langweile wird es gefährlich. Davor habe ich ein wenig Angst – Angst vor Verlust – aber die Angst vor der tödlichen Langeweile im Leben. Bevor ich etwas verliere, gehe ich, bevor etwas endet, beende ich es. Das ist es, was mir Angst macht – nun ja wir werden sehen. „There are always two sides to every story!“
    Ich liebe Deinen Blog und ich denke, wenn ich einen Blog machen würde – wäre er das perfekte Pendant zu Deinem 🙂
    Also mach schön weiter so – mehr Inspiration kann ich mir derzeit von niemandem vorstellen.
    LG ILLE

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