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Erst in der Stille kann ich mich hören.

At home, I love reaching out into that absolute silence, when you can hear the owl or the wind.
Amanda Harlech

Ich komme aus einer großen Familie. Wir sind vier Geschwister. Meine ersten essenziellen Lebenslektionen waren also, dass der Lieblingsjoghurt im Kühlschrank auch nicht mittels  Zettel und der Aufschrift „Meins. ICH MEINE ES ERNST“ gerettet werden kann. Dass man den Schlüssel beim aufs Klo gehen ausnahmslos vorher umdrehen sollte und als wichtigste Regel: Der Letzte muss das Bad putzen. Anders gesagt: Sei niemals langsam. Egal bei was.

Was ich hingegen nicht gelernt habe, ist allein  sein. Als kleines Mädchen bin ich jede – und ich meine jede verdammte Nacht ins Nebenzimmer geschlichen, in dem meine Brüder in ihrem Doppelbett geschlafen haben, um mich dazu zu legen. Ich hatte Angst davor allein zu schlafen. Und außerdem Angst vor Einbrechern. Wahlweise habe ich auch einen von beiden mehr oder weniger wachgerüttelt, um ihn dann halb ziehend, halb tragend in mein Bett zu verfrachten. Ich hoffe ernsthaft, dass sie deswegen keine unterbewussten Traumata erlitten haben, die dann irgendwann bei einer zukünftigen Freundin zum Vorschein treten. (Falls ja, dann an dieser Stelle schon mal ein großes Sorry vorab!) Und ich hatte nicht nur Angst vor Einbrechern und dem alleine schlafen – ich hatte zudem noch eine Riesenangst in dunklen Zimmern. Wenn ich nachts auf die Toilette musste, konnte ich lichtermäßig quasi ein ganzes Festival ausleuchten. Am Wichtigsten war aber das letzte Licht: Die Nachttischlampe. Wenn die nämlich mal kaputt war, dann musste man kreativ werden. Ich habe mir immer vorgestellt, dass unter dem Bett eine klauenartige Hand hervorkommen könnte und mich am Fuß hinunter in die Tiefe reißen könnte. Deswegen bin ich olympiaverdächtig  durch das halbe Zimmer in mein Bett gesprungen, um diesem Horrorszenario ja zu entgehen! Mit Licht an versteht sich.

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Ich erspare euch netterweise die Geschichten von meiner imaginären Schwester und mir. Auch so glaube ich, dass man erkennt, dass die Rede von einem hoch phantasievollen Kind ist. Mit latentem Hang zur Neurose. Eigentlich sollte dieser Text in eine ganz andere Richtung gehen und ich merke, dass ich an dieser Stelle ein wenig von meinem Ursprungsgedanken abgekommen bin. Aber vielleicht auch nicht. Vielleicht haben meine Finger genau das Richtige getippt.  Denn eigentlich wollte ich damit beginnen, wie sehr ich das allein sein liebe. Doch jetzt merke ich, das dies  einfach nicht die Wahrheit gewesen wäre.

Die Wahrheit ist: Ich habe gelernt, allein sein zu lieben.

Für das erste Studium bin ich von Zuhause ausgezogen. Raus aus dem Trubel. Rein – natürlich in eine WG. Nur zu zweit. Das erschien mir ein guter Kompromiss. Die nächste Stufe quasi. Und ich fand mich furchtbar erwachsen. Bis ich am Abend nach dem ersten Unitag allein in meinem neuem Zuhause saß. Die Mitbewohnerin verreist. Damals saß ich in jenem heruntergekommenen Altbauzimmer auf dem Boden (die Couch war natürlich noch nicht geliefert), aß ein Brot (noch von Mama) mit Käse (auch von Mama) und habe bitterlich geweint und mir furchtbar Leid getan. Ganz schnell war’s vorbei mit dem erwachsen fühlen.

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Unter der Woche hatte ich also immer jemanden in der Wohnung, zu dem ich mich – rein hypothetisch und im Falle eines Angriffs – ins Nachbarbett verkriechen hätte können. Und am Wochenende bin ich dann zum Freund gefahren. Es war perfekt. Zumindest fast.  Denn mit der Zeit, wurde ich immer unruhiger. Konnte das Gefühl aber zunächst nicht einordnen. Ich fing an sehr viel feiern zu gehen. Habe noch mehr Sport gemacht als zuvor. War nur noch unterwegs. Habe mich im Zimmer verkrochen. Ich fing an, den Menschen in meiner direkten Umgebung immer mehr aus dem Weg zu gehen. Das Gefühl, ständig präsent sein zu müssen, hat mir die Luft zum Atmen genommen. Ich wollte allein sein. Nicht immer. Aber immer wieder.

Bestimmt gibt es einige, die das von Anfang an gut können. Doch ich bin sicher, sehr viele sind ungern allein. Menschen sind Rudeltiere. Wir leben in Städten. Liegen wie die Sardienen am Strand. Gehen zusammen aufs Klo. Suchen das ganze Leben nach einem Partner. Wir sind nicht gerne allein. Gerade wenn man in einer größeren Familie aufwächst, in der es so gut wie keine Privatsphäre gibt und jeder Raum irgendwie jedem gehört, muss man erst lernen, sich selbst zu genügen. Allein zu sein, nur mit sich selbst.

Und doch, müssen wir es auch mal sein. Weil man erst beim Allein sein spürt, wen man vermisst. Erst in der Stille sich selbst hört.  Vielleicht muss man aber auch erst das Chaos kennengelernt haben, um Ruhe wirklich genießen zu können. So wie wenn man erst beim Aufsetzen einer Brille merkt, wie schlecht man vorher eigentlich gesehen hat. Der Unterschied ist es, der das Unterscheiden lehrt. Und jetzt? Angst im Dunkeln habe ich zwar immer noch ein wenig. Und wenn ich allein bin, dann springe ich sicherheitshalber doch noch mit einem Satz ins Bett. Aber allein sein macht mir keine Angst mehr. Im Gegenteil. Ich liebe die Stille. Ich liebe allein sein. Nicht immer, aber immer wieder.

Fotos: Foxografie ♥

33 Kommentare

  1. Jessy

    Ein liebes Hallo,
    zu aller erst möchte ich dir sagen, wie sehr ich deinen Blog liebe, denn er inspiriert mich wirklich sehr und deinen Schreibstil finde ich auch ganz zauberhaft ^.^

    wirklich ein sehr schöner Text und könnte ich (fast) eins zu eins so übernehmen (außer das ich mit „nur“ einem großen Bruder aufgewachsen bin :-D)
    Nachdem ich von zu Hause ausgezogen war fühlte ich mich auch ganz Groß, bis zu dem Punkt an dem ich mal ein Wochenende völlig alleine zu Hause verbringen musste….naja das war´s dann mit dem „ganz Groß“ Gefühl 😀

    mach weiter so 😉
    ganz liebe Grüße
    Jessy

  2. Wieder ein wunderbarer Post, Carolina! 🙂
    Ich selbst war eine, die früher nicht woanders schlafen konnte.. Ich hab einmal bei einer damaligen Freundin geschlafen und sie hat mich gepiesakt und ein bisschen gemobbt – heute weiß ich, dass sie es nicht böse meinte, aber damals fing ich an zu weinen, hab die Nacht nur mit ganz viel zureden ihrer Eltern etc. überstanden und brauchte dann erstmal wieder Jahre um woanders schlafen zu können.. :/ Selbst bei meiner Oma konnte ich einige Zeit lang nicht schlafen.. Ich hab das letztendlich überstanden, hab wieder „gelernt“ woanders zu schlafen und fand es dann iwann wieder richtig toll bei Freunden zu schlafen, das Gefühl von Angst etc. kannte ich im Grunde nicht mehr..
    Bis ich dann von der Ausbildung her direkt am 3. Tag ca. zu einer Schulung aufbrechen sollte und ganz alleine durch halb Deutschland fahren und abends allein in einem Hotel schlafen musste.. Das war furchtbar.. Ebenso der erste Tag, als ich auf Inforeise fahren musste – ich kannte niemanden, sollte mich alleine auf einem großen Flughafen zurechtfinden (Düsseldorf) und dann 4 Tage in einem Land verbringen, wo ich mich nicht einfach schnell zuhause melden konnte, wenn es blöd war, aber letztendlich waren es 4 wunerbare Tage und nun freue ich mich immer, wenn ich wohin soll und durch Deutschland reise – bisher hat auch alles mehr oder weniger geklappt (das einmal in Berlin ein Hotelzimmer einfach storniert wurde, lass ich unerwähnt.. :D)
    Wie genau das jetzt mit deinem Post zusammenpasst, kann ich dir leider auch nicht ganz erklären, aber ich denke, dass du evtl verstehst was ich damit sagen möchte -.- 😀
    Liebe Grüße,
    Nadja

  3. Luuu

    Ich liebe deine Texte ! Nie langweilig, immer mit einem gewissen Hauch Sarkasmus und Witz und so schonungslos ehrlich 🙂
    Ich persönlich habe irgendwie immer so Phasen, ich kann manchmal Tage lang allein sein, manchmal ertrage ich es keine halbe Stunde …

    Alles Liebe
    Luuu <3

  4. Cora

    Ein toller Text! Ich bin, was das Alleinsein angeht, ein wenig komisch, glaube ich. Dadurch, dass mein Bruder erst sechs Jahre nach mir auf die Welt kam und ich im Umgang mit den Kindern in der Nachbarschaft immer sehr still und zurückhaltend war, habe ich mich als Kind oft alleine beschäftigt und mich so daran gewöhnt. Alleine sein, während ich etwas tue, sei es kochen, lesen, Spazierengehen oder einfach nur tagträumend aus dem Fenster schauen – überhaupt kein Problem. Wenn ich ehrlich bin, bin ich im Alltag oft sogar lieber alleine als unter Menschen. ABER: abends in einer bis auf mich leeren Wohnung ins Bett gehen, das geht gar nicht. Angst in der Dunkelheit, vor Geräuschen, dem Spiegel im Schlafzimmer, den eigenen Gedanken….es ist furchtbar. Andererseits kann ich auch nicht einschlafen, wenn jemand bei mir im selben Zimmer ist: Weder wenn ich bei Freundinnen übernachte, noch sie bei mir, bekomme ich ein Auge zu. Der eigentliche Idealzustand von „Jemand muss in meiner Wohnung sein, aber nicht im selben Zimmer“ ist jedoch, wenn man nicht mehr bei den Eltern wohnt, irgendwie sehr schwer zu erreichen… 😀

  5. Da gebe ich dir absolut recht: Man kann wohl beides ganz gut lernen. Früher konnte ich auch nie gut alleine sein, heute brauche ich das ganz oft, um mal klare Gedanken fassen zu können. Wer immer unter Menschen ist, fühlt sich wohl umso einsamer, wenn er plötzlich alleine ist. Für mich ist Alleinsein allerdings oft notwendig, wenn es mir schlecht geht. Irgendwie bin ich da wahrscheinlich etwas verquer. 😀

    Schöner Eintrag auf jeden Fall!
    Liebe Grüße
    Ines

    • Carolina

      Ach nein, ich glaube inzwischen, da gibt es überhaupt kein verquer oder unverquer. Ich glaube, jeder macht es einfach so, wie er es braucht und man sollte das Werten darüber einfach komplett weglassen. Wer kann schon festlegen, welches Verhalten nun ok ist und welches nicht. Solange man niemanden Schaden zufügt ist alles erlaubt.

  6. Ein wunderbarer Post, danke dafür <3
    Bei mir ist es so, dass ich mich selbst unter Leuten alleine fühlen kann, wenn es nicht die Menschen sind, die ich in diesem Moment um mich haben will. Egal ob des die engsten Freunde sind, ich aber viel lieber bei meinen Brüdern wäre. Aber wenn ich alleine sein will, dann fühle ich mich nicht allein, wenn du verstehst was ich meine. Komplizierte Geschichte…

    Woher hast du denn dieses wunderschöne Oberteil? 🙂

    Liebe Grüße

    • Carolina

      Gerne und nichts zu danken! 😉
      Ich verstehe ganz genau was du meinst. Man kann sich ohnehin auch inmitten vieler Menschen alleine fühlen. Negativ allein. Und man kann alleine sein. Positiv allein. Es hängt immer davon ab, wer einem umgibt und wie zufrieden man mit sich selber ist.

      Das Oberteil ist von Mango – auch aus der aktuellen Kollektion! ♥

  7. Wie man den Kommentaren entnimmt, geht es wohl vielen ähnlich wie dir.
    Ich bin auch eher ein Gemeinschaftsmensch, aber ich liebe es alleine zu sein.
    Mir reicht die Gewissheit, dass noch jemand im Haus ist. Dass ich aus meinem
    Zimmer kommen kann und noch jemand da ist, der mit mir einen Tee trinkt.

    Wie immer ein toller Post ♥

    • Carolina

      Da siehst du – eine ganz so einsame Muschel mag ich dann doch nicht sein. Ich halte mich lieber in einer Muschelkolonie auf und frage hin und wieder in die Runde, wie denn die anderen so fühlen in ihrer Muschel. 😀

      DANKE! ♥

  8. Bei mir ist das paradoxerweise eher umgekehrt: Früher konnte ich wunderbar alleine sein. Seit ich bei meinem Freund wohne geht das kaum noch. Ich liebe das Gefühl, nach Hause zu kommen und zu wissen, dass er da ist. Ich genieße die Zeit, wenn er noch arbeitet während ich schon daheim bin und meine Ruhe habe – aber genauso genieße ich es, wenn er da ist.
    Dass ich zwecks Studium vielleicht bald ALLEINE wegziehen muss, macht mir inzwischen richtig Angst.

    • Carolina

      Ja, man gewöhnt sich eben ganz schnell an das eine – oder an das andere. Deswegen musste ich auch erst lernen, wie das überhaupt geht, mal alleine zu sein, ohne sich aber einsam dabei zu fühlen. Es geht ja eigentlich auch nicht darum, sich vor der Welt und anderen Menschen zurückzuziehen, sondern eben darum, auch ohne all das mal sein zu können. Ohne sich gleich einsam zu fühlen.

  9. Ilja

    Hallo Carolina, es ist immer wieder so schön, wenn ich einen neuen Blog von Dir lesen darf.
    Leider habe ich keinen eigenen Blog, aber da ich mich in so vielen Passagen Deines Blogs wiederfinde,
    ist es gar nicht mehr nötig einen eigenen Blog zu haben.
    Da kann selbst ich, als Mann, der sozusagen fast schon eine Generation älter ist als Du, noch viel lernen.
    Wie machst Du das nur? Bist Du das wirklich? Ich denke Ja… und bin wirklich froh darüber, dass es noch
    Menschen, wie Dich gibt – zwischen meiner ganzen Business-Hektik, zwischen all den gnadenlos oberflächlichen Leuten,
    in meinem völlig unkreativen Job – hoffe ich, dass Du nie aufhören wirst zu schreiben!
    Bis bald, Ilja ♥

    • Ilja

      …und natürlich meine ich nicht nur in Bezug auf diesen Eintrag „in der Stille kann ich mich hören“ – nein es gibt ganz viele Posts von Dir, die mich berühren. Alleinsein hingegen macht mir meistens nichts mehr aus – es gibt Ausnahme-Tage ja. 😉

    • Carolina

      Ich freu mich ganz besonders, auch mal einen männliches Leser hier schreiben zu sehen. Letztendlich weiß ich nicht genau, wie viele männliche Wesen hier so lesen, aber ich schätze mal, es ist doch eher der kleinere Part.
      Vor allem danke ich dir aber für diese ehrlichen Worte, sie haben mich sehr berührt!

      Bis zum 11.3., Caro

  10. Anonymous

    Also ich gehe nicht zusammen aufs Klo! Mit wem denn auch? Dafür würd ich mir nicht mal einen imaginären Zwillingsbruder ausdenken. Nenene, auf Klo will ich allein sein! Habt ihr nu davon!

    Aber mal Spaß beiseite und zu deinem Artikel:
    Das ist doch eine ganz normale Entwicklung, die du da beschreibst. Als Kind ist man halt unsicher und es gibt nichts Schöneres, als sich irgendwo in Geborgenheit fallen lassen zu können. Als Erwachsener muß man sich auch mal selbst genügen können und auf die eigene Stimme hören, damit man begreift was man eigentlich und wirklich will. Und diese Ziele sollte man dann auch verfolgen, oder nicht? Schließlich ist das doch der Weg zum Glücklichwerden oder zumindest ein Weg. Entdecke das Individuum in dir, denn das ist ja auch schließlich das, was dich ausmacht oder sollte es sein: Deine Persönlichkeit! 😉

    • Carolina

      Hahaha, na so ganz erschließt es sich mir auch nicht, woher diese häufige Angewohnheit kommt. Vielleicht damit die Wartezeit vor der Toilette verkürzt wird zu zweit?! 😀 Oder auch irgendwas anderes versautes. Kann ja auch immer sein.

      Na klar, du hast Recht, es ist keine „unnatürliche Sache“ nichts außergwöhnlich krasses, bei dem man lieber mal an frühzeitige Ergotherapie hätte denken sollen. Doch was du da schreibst: die eigene Persönlichkeit entdecken, das klingt zwar sehr poethisch und an sich einfach. Ist es aber nicht. Auf jeden Fall für viele nicht. Was ist das auch schon ist die Frage. Ist es, wie ich mich benehme? Denn man verhält sich ja immer anders, verändert sich, lernt dazu, wird bei anderen Themen empfindlicher und geht leichter an die Decke. Die Persönlichkeit passt sich ja auch immer an das Umfeld an. Wie ist meine Persönlichkeit dem Chef gegenüber, wie meinem Freund gegenüber. Ich bin immmer der Meinung, aus dieser Persönlichkeit wird immer ein viel zu fester Begriff, eine viel zu feste Sache gemacht. Finde deine Persönlichkeit und dann bist du glücklich – so in der Art.

      Ach ich liebe solche Themen und Diskussionen. Es ist so ein spannendes Thema. Diese Menschen und wie sie denken. Ich könnte ewig darüber schreiben.

  11. Hallo Carolina,

    in so manchen Punkten bin ich dir sehr ähnlich. Bis ich von zuhause ausgezogen bin (Nesthäkchen, eine 12 Jahre ältere Schwester und meine Eltern) war ich eigentlich in der Nacht nie wirklich allein in der Wohnung, in den Urlaub fuhr ich meist mit einer sehr guten Freundin, mit der ich mir ein Doppelzimmer und auch -bett teilte. Somit hatte ich nie wirklich die Situation zu lernen, wie es ist komplett allein zu sein, besonders in der Nacht. Ich glaube die erste Nacht in meiner eigenen Wohnung (Erdgeschoss mit Rolläden, insgesamt 4 Familienhaus, aber keiner direkt auf der gleichen Etage) war ich zu aufgewühlt, um mir wirklich Gedanken zu machen. Doch die Zeit danach musste ich erstmal damit zurecht kommen, das Alleinsein und auch die Stille auszuhalten. Oftmals erwischte ich mich dabei, dass im Hintergrund der Fernseher lief oder das Radio. Mit der Zeit gewöhnte ich mich an diese neue Umgebung und fühlte mich recht sicher. Bis ich schließlich meinen heutigen Verlobten kennen und lieben lernte, wir sehr oft die Tage und auch Nächte zusammen verbrachten, schnell zusammen zogen und seitdem selten eine ganze Nacht getrennt waren. Als es dann hieß, dass er für 2 Wochen beruflich in die USA gehen wird, traf mich aus mehreren Gründen der Schlag. Ich konnte mir einerseits nicht vorstellen so lange von ihm getrennt zu sein und schon gar nicht wieder allein zu schlafen/ den Abend zu verbringen. Doch im Nachhinein war diese Situation sehr gut für mich, ich habe wieder gemerkt, dass ich es hin und wieder ganz schön finde, für mich zu sein, zu lesen, Schnulzen zu schauen, die Tür vom Bad offen zu lassen und auf dem Sofa zu frühstücken. Denke jeder braucht diesen Lerneffekt und die Zeit für sich herauszufinden, was einem wichtig ist. Freut mich, dass es dir inzwischen genauso gelungen ist wie mir.

    Viele liebe Grüße, Silke

    • Carolina

      Ja Silke, das klingt wirklich ein wenig ähnlich! Ich kann auf jeden Fall sofort nachempfinden, wie du dich gefühlt hast. Da sieht man auch mal wieder hervorragend, wie sehr wie doch eben mit den Gewohnheiten leben und diese als feste Größe in unserem Leben betrachten. Sobald diese feste Größe plötzlich verschwindet oder sich ändert, fällt es einem erstmal sehr schwer, sich auf das Neue einzustellen – solange, bis wir uns eben wieder daran gewöhnt haben..

  12. Faszinierend das mal so zu lesen. Ich kenne das, was du beschreibst von vielen meiner Freundinnen. Die, die in größeren Familien aufgewachsen sind und nicht allein sein können. Immer unterwegs sind und denen oft die Decke auf den Kopf fällt, wenn sie es mal müssen. Du beschreibst das so schön, dass ich fast neidisch darauf werde.
    Ich selbst kenne das gar nicht.
    Ich bin so gerne allein, dass es schon Zeiten gab in denen es mir selbst unheimlich war. Ich hätte wochenlang allein Daheim sitzen können, wenn ich mich selbst nicht irgendwann für total bekloppt gehalten hätte – oder eben besagte Freundinnen mich da rausgeholt hätten.
    Mittlerweile -kann- ich in dem Sinne gar nicht mehr richtig alleine sein, ich wohn ja nicht mehr allein. Wenn er dann aber mal weg ist, ist es zwar merkwürdig, aber auch nicht so, dass ich mich dann groß umstellen muss. Mich stört dann nur die unheimliche Stille, die plötzlich überall herrscht… Ansonsten genieße ich das aber sehr, sehr. Keine Ahnung warum.

    • Carolina

      Wir sind eben doch alle so unterschiedlich – zum Glück! 🙂
      Vieles kann man lernen (wenn man möchte) und manches ist eben so, wie es ist. Stille genießen war eines der schönen Dinge, die ich lernen konnte.

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