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Matcha Tee mit Valentin

Nachdenklich sitzt sie vor dem Computer und nimmt ab und an einen Schluck aus der großen blauen Tasse. Schwarzer Tee mit Milch. Ihr Lieblingstee. Eigentlich sollte er helfen, die Schreibblockade ein wenig zu lösen. Eine Schreibblockade kommt immer dann, wenn man eigentlich etwas ganz besonders Kluges sagen möchte. Und das passiert oft an jenen Tagen, die mit einem Stempel versehen wurden. Heute zum Beispiel, heute ist Valentinstag. Der Tag der Liebe.

Sofort wirbeln so viele Gedanken durch ihren Kopf. Als gäbe es dort einen Schneesturm, fliegen tausende kleiner weißer Flocken umher – ohne Richtung, ohne Ziel. Mitten in diesem wilden Gekreise steht sie. Und hat doch keine rechte Meinung dazu. Viele Gedanken, viele Schneeflocken.

Der erste Impuls ist Abneigung. Valentinstag. Schon allein die Tatsache, dass dieser Tag nach einem Männernamen benannt wurde ist eigentlich absurd. Dass rote Rosen an dem Tag plötzlich in Massen verkauft werden – irgendwie lächerlich. Ein offizieller Tag der Liebe – ist es nicht traurig, wenn man einen Tag braucht, um daran erinnert zu werden, auf den letzten Drücker einen überteuerten Rosenstrauß zu holen? Und  wie müssen sich dann erst Singles fühlen? Es wäre doch recht interessant zu wissen, ob der Alkoholkonsum ab dem Vorabend zum 14. Februar im selben Maße ansteigt, wie der Verkauf roter Rosen.

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Sie nimmt einen weiteren Schluck Tee, behält ihn einen Moment im Mund und stellt sich vor, wie unterschiedlich man wohl diesen Tag empfinden wird. Je nach Beziehungsstatus. Von freudig erregt über So-interessant-als-fiele-in-China-ein-weiterer-Reissack-um und schließlich bis zu Wo-ist-der-nächste-Baum-den-Strick-habe-ich-bereits. Sie schluckt den inzwischen lauwarm gewordenen Tee hinunter und fragt sich, ob sie vielleicht zu negativ an diesen Tag herangeht. Ein klein wenig vielleicht, ja.

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Es ist dieser Zwang. Diese Vorschrift, dieses „Heute ist..“. Wie auch Silvester, wenn eine Feier ganz besonders toll werden muss, liegt auch auf dem Valentinstag eine zentnerschwere Bürde. Zumindest in ihrem Kopf.  Erdrückt jegliche Romantik. Zumindest in ihrem Kopf.

Ist Liebe nicht dann erst richtig wundervoll, wenn sie einen vollkommen überrascht? In einem Moment, in dem man sie gerade am Wenigsten erwartet hat. Diese Sekunde, in der man aus der Bahn gebracht wird. Plötzlich steht da gestern morgen dieses kleine Döschen mit grünem Pulver. Matcha Tee. Den hat sie vor kurzem zum zweiten Lieblingstee gekürt. Natürlich mit Milch. Er hat ihn extra besorgt. Inklusive Youtube Video mit Zubereitungsanleitung. Einfach so. Weil er an sie gedacht hat. Die Schneeflocken sind plötzlich verschwunden, alles ist klar. Einfach so, hat sie es verstanden. Der Moment, in dem er auf den „Bestellen“ Knopf drückte, der Moment, in dem er ihr eben wortlos eine große gepunktete Tasse Matcha Tee in die Hand drückt, während sie seit Stunden versuchte, Ordnung in dieses Schneeflockengestöber zu bringen, das ist er: Valentinstag. Zuneigung. Liebe. Achtsamtkeit. Wie auch immer man es gerne nennen mag.

Und endlich zufrieden, klappt sie den Laptop zu.

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17 Kommentare

  1. Valentinstag nenne ich immer „Arschlochtag“ 😀 🙂 Vielleicht wird es auch mal anders, wenn ich irgendwann mal wieder nen Typen hab.. 😀 Ich hoffe du hast den Tag schön genossen und ja.. Ich hatte dennoch auch einen netten Tag.. 😀

  2. Oh, das ist ein großartiger Text geworden, meine Liebe. Der beste, den ich zu diesem Tag dieses Jahr lesen durfte!
    Mir persönlich ist der Tag allerdings ziemlich egal. Was mir auf die Nerven geht, sind weniger glückliche Pärchen als unglaublich frustrierte Singles. Als ich single war, war mir der Tag egal und jetzt wo ich in einer glücklichen Beziehung bin, finde ich es viel schöner sich ab und zu „freiwillig“ Geschenke zu machen, als an einem Tag krampfhaft zu versuchen einen auf romantisch zu machen.
    Die Aufmerksamkeit von deinem Freund ist übrigens supersüß.
    Liebe Grüße,
    Magda

  3. Toller Post. Toller Text. Tolle Bilder.
    Ich bin ganz deiner Meinung, denn man braucht wirklich nicht einen Tag, um daran erinnert zu werden, dass man die eine Person, die man aus ganzem Herzen liebt, seine/ihre Liebe zu zeigen oder auch zu beschenken. Aber dennoch finde ich den Valentinstag irgendwie schön. Ich weiß auch nicht. Aber wie auch immer du sollst auf jeden Fall öfters solche Texte schreiben. :))
    s nicht traurig, wenn man einen Tag braucht, um daran erinnert zu werden, auf den letzten Drücker einen überteuerten Rosens
    Liebe Grüße Nathalie ♥
    http://passionineverything.blogspot.co.at

  4. Ganz ganz wunderbar. Sehr treffend. Du hast formuliert, was zu formulieren nicht einfach ist.
    Ein bisschen kann ich mich mit deiner „sie“ identifizieren, ein bisschen, vielleicht ein bisschen mehr.
    Klingt es nicht verbittert, den Valentinstag immer als Kommerz abzustempeln und als Bloße-Erfindung-der-Blumenindustrie? Und ist es trotzdem nicht noch trauriger, den Tag als Tag der Liebe anzusehen, wo doch jeder Tag ein solcher sein sollte? Schneesturm im Kopf. So oder so, irgendwie doof.
    Ich lasse es also ganz sein, serviere den grinsenden Pärchen ihren halbtrockenen Wein und schreibe ihm, dass er mir fehlt. Ihm, der sich so viele Kilometer, so viele Welten woanders befindet. Und am Abend gehe ich schlafen, brenne mir noch eine CD und denke mir, Herzlichen Glückwunsch, Valentin. Zum Namenstag. Nichts weiter.
    Und die rote Rose, die mir die Arbeitskollegin geschenkt hat, weil ein Pärchen sie vergaß, mitzunehmen, stellt einen außergewöhnlichen Kontrast da zur weißen Wand, zur weißen Bettdecke, zum weißen Traumfänger. Ein netter Hingucker. Nichts weiter.
    Gute Nacht. Nichts weiter.
    kleingeistreich

  5. Ein wirklich sehr schöner Post 🙂
    Wir haben Valentinstag nicht besonders zelebriert. Waren zwar gemeinsam frühstücken, aber das hätte wir auch an einem anderen Sonntag gemacht. Es gab auch keine Geschenke und keine Blumen. Dennoch habe ich den Tag genossen. Einfach weil er da war und wir zusammen waren.

  6. Ich liebe, liebe, liebe die Stimmung des dritten Fotos! Du hast aber auch wirklich schöne Beine 😉

    An den Valentinstag habe ich keine großen Erwartungen. Wir machen uns nicht mal wirklich Geschenke. Aber dieses Jahr haben wir uns in einer kleinen spanischen Weinbar ein-zwei Gläschen gegönnt.

    Mach weiter so! :*

  7. Hallo Carolina,

    wie recht du hast, es sind die kleinen Dinge und Überraschungen, die es in der Liebe ausmachen. Dafür braucht man keinen speziellen Tag und überteuerte Rosen. Meiner hat den Tag dieses Jahr komplett verplant, wir haben da so einen kleinen Deal, nichts besonderes, aber es bedeutet uns beiden was. Nun überlegt er sich eine Wiedergutmachung und irgendwie ist es so viel spannender, ich glaube wir müssen unseren Deal nochmal überdenken. Eigentlich wollte ich zum Valentinstag auch was bloggen, hatte extra meine Muffins mit Herzchen verziert. Doch es war dann schöner mit Schwager, Schwägerin und Nichte einen schönen Nachmittag/Abend zu verbringen, statt vor dem Rechner zu sitzen. Flexibilität for the win 😉

    Viele liebe Grüße, Silke

    • Carolina

      Ich denke eine liebevolle Geste ist er dann richtig schön, wenn man selber die Wahl hat, wann und wo man das macht. Der Zwang – auch wenn es natürlich kein wirklicher Zwang ist – nimmt dem ganzen immer ein klein wenig die Leichtigkeit und tauscht es ein gegen Erwartungen, die dann eben auch mal schnell enttäuscht werden.
      Und ja, Flexibilität for the win ist ein super Motto! 🙂

  8. Wie süß!
    Wir haben Valentinstag irgendwie komplett ignoriert, ich hab darüber gar nicht nachgedacht. Weder positiv noch negativ, es ist mir einfach egal gewesen 🙂
    Dafür hab ich zum Weltfrauentag aufeinmal Blümchen hier auf dem Tisch stehen gehabt. Oder bekomm mal ganz ohne Feiertag ne Massage. Einfach so 🙂

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