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Von alten Lieben.

Am Freitag übergebe ich mein letztes Hochzeitspaket für dieses Jahr. Dann geht die turbulente Hochzeitssaison erstmal für ein paar Monate in den Winterschlaf. Zumindest sollte es nicht wieder ein paar Kurzentschlossene geben. Alles schon gehabt.

Allen unüberblickbaren Unwägbarkeiten zum Trotz beginnt für mich gerade eine ganz besondere Zeit: Draußen findet seit einer Woche eine Farbexplosion statt – Holi Festival der Natur. Und bald kommt das Christkind. Oh ja. Ihr habt richtig gelesen, ich stehe dazu. Ok gut, bis zum Christkind dauert es noch ein wenig – vorher kommt ja noch der Nikolaus, aber gut. Meinen Weihnachtsbaum für dieses Jahr habe ich auf jeden Fall schon zugesichert bekommen (Danke, Y. ♥).

Und, was mindestens genau so toll ist: Zeit für Herzensprojekte. Wenn die Wochenenden nicht mehr ganz so vollgepackt sind wie im Sommer, können endlich mal wieder ein paar Punkte auf der Lebens-to-Do-Liste abgehakt werden. Wie Klamotten ausmisten. Nein, Spaß. Das ist auf der Ich-bescheiß-mich-selber-Liste und endet nur damit, dass ich geplante Gegenstände für die Altkleidersammlung (wie diesen Poncho) triumphierend aus irgendeiner Kiste ziehe und überglücklich rufe „Den habe ich schon ewig gesucht!“ (Vielleicht sogar länger) Und ja, ich fühle  mich gut dabei, ein armes Kleidungsstück vor dem sicheren Altkontainertod zu bewahren. Deswegen trage ich es dann auch gleich beim Herbstspaziergang und tue so, als hätte es nicht zuvor jahrelang ein vereinsamtes und völlig vernachlässigtes Leben in einer Kiste geführt. Aber mal ehrlich, er ist super, oder?

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Während ich mir also meinen alten Poncho wie eine Trophäe überziehe, fällt mein Blick auf meine alte Seagull. Eine wunderschöne Analogkamera, die mir mein Bruder geschenkt hat. Stolz meiner Sammlung. Ich streiche über das abgegriffene Leder des Kameraetuis und murmle leise, jetzt endlich. Jetzt endlich hab‘ ich Zeit für dich. 

Schon lange möchte ich mich wieder in die alte Analogfotografie einarbeiten. Früher habe ich mit Film fotografiert – das ist lange her. Viel habe ich inzwischen vergessen. Aber vieles auch nicht: Jedes Foto war etwas wert. Es war viel wert. Wenn dein Film nur eine begrenzte Anzahl an Fotos hat, überlegt man sich gut, ob man den Baum mit den hünschen roten Blättern jetzt 2 Mal fotografiert – oder eben 20 Mal. (Von denen man 19 nie wieder ansieht) Jedes Foto hat Geld gekostet – klar, vielleicht nur ein paar Cent, doch ein Foto auf einer Digitalkamera kostet im Prinzip erstmal gar nichts. Solange man damit nicht zum Fotolabor oder DM seines Vertrauens läuft, um es auszudrucken.
Nicht so beim Film: Du machst ein scheiß unnötiges Foto? Ok, pech gehabt. Leb‘ damit. Ich habe beobachtet, dass viele Fotografen bei einem Shooting quasi kein Mal den Finger vom Abzug nehmen. So entstehen in einer halben Stunde locker 300 bis 400 Bilder. Klar, theoretisch ist die Chance so auch um das 300 fache größer, einen guten Moment zu erwischen. Aber der so hochgelobte kostbare Moment des Festhaltens, der geht dabei irgendwie flöten.

Versteht mich nicht falsch. Ich liebe meine große Digitale. Abgöttisch. Manchmal werde ich belächelt, weil ich dabei leicht paranoide Züge annehme. Aber da sie mein wertvollstes Gut ist, gebe sie nur ungern in fremde Hände.
Es ist nur so: Ich will wieder ein klein wenig Nervenkitzel haben. Den Film abgeben, keine Ahnung haben, ob das Ergebnis oberfancy ist oder gleich mit dem Poncho zusammen in den Mülleimer geworfen werden kann. Warten. Todesangst haben, dass man das Abholzettelchen verlieren könnte. Und dann der Moment, wenn man den Umschlag öffnet: So ein bisschen „Das-Christkind-kommt-gleich-Gefühle“.  Tja, vielleicht komme ich doch noch schneller an mein Weihnachtsgefühl als gehofft!

Gekauft habe ich mir jetzt eine gebrauchte alte Canon AV-1. Mal so zum Wiedereinstieg. Die ist unkompliziert und ziemlich charmant mit dem typisch schwerem Metallgehäuse. Ich bin gespannt. Fotografiert von euch auch noch jemand analog oder entwickelt sogar noch in der Dunkelkammer?

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// Poncho – urururalt // Pullover – H&M (auch alt) // graue Slimjeans – Mango // Stiefeletten – Deichmann // Analogkamera – Seagull //

 

 

26 Kommentare

  1. vor 1-2 Jahren habe ich mich auch mal an der Analog fotografie versucht, allerdings ist der Film davon kaputtgegangen und die Bilder waren nicht zu gebrauchen 🙁 irgendwie habe ich dann das interesse daran verloren, auch weil die analoge Kamera so schwer war und der Belichtungsmesser nicht immer funktioniert hat, jetzt habe ich aber eine andere kleinere Kamera (zwar Automatik aber egal) mit der versuche ich es bald nochmal
    auf jeden Fall hat analoge Fotografie was
    lg

    • Carolina

      Ja, es ist nicht ganz so „bequem“ wie die Digitalen, aber wenn man den Dreh mal ein wenig raus hat, dann ist es auch gar nicht mehr so kompliziert.

      Dann starten wir doch beide nochmal von Vorne! 🙂

  2. der Poncho hat es verdient, daß er wiedergefunden wurde. Er macht sich doch prima.
    Ich kann mich Nathalie nur anschließen, die Photos sind wunderbar. Es sind ein paar dabei, die es wirklich zum Entwickeln in Labor verdient hätten. Herbst pur. Es kann ja nicht alles schlecht sein am Herbst 😉

    Liebe Grüße
    Kati

  3. Einmal habe ich in der Dunkelkammer Bilder selbst entwickelt, das war echt so cool! Ich möchte auch schon lange mal wieder Analog fotografien, aber mir fehlt einfach eine funktionierende Kamera. Ich habe mindestens drei kaputte Modelle zu Hause, die einfach nicht zu retten sind. Wo hast du denn deine Kamera gekauft? (: Ich liebe übrigens auch den Charme, den analoge Kameras immer so mit sich bringen – einfach toll!

    • Carolina

      Toll – schau, damit fange ich erst an. War noch nie in einer Dunkelkammer bisher – geschweige denn selbst entwickelt. Das kommt jetzt alles.
      Ich habe meine teilweise von Omi, vom Flohmarkt oder auch von ebay erstanden! 🙂

  4. Ich habe noch keine wirklichen Erfahrungen mit Analogfotografie (die Wegwerfkamera, die ich mit 10 hatte, zähl ich jetzt einfach mal nicht dazu). Aber irgendwie hat mich dein Post zum Überlegen gebracht. Dieses Gefühl des Momenteinfangens geht halt wirklich schnell mal verloren bei einer Digitalkamera. Aus eben diesem Grund würde ich mir unglaublich gerne eine Sofortbildkamera kaufen, weil da sind die Bilder dann wirklich wertvoll und zwar nicht nur wegen der Erinnerungen, sondern auch wirklich wegem dem Preis. Vielleicht liest das Christkind ja dieses Kommentar und merkt es sich bis Weihnachten 😀

    Alles Liebe, Jacky
    vapausblog.wordpress.com

    • Carolina

      Es ist einfach eine vollkommen andere Art zu fotografieren, das muss man sich bewusst machen. Beides hat seine Vorteile – und natürlich auch Nachteile.
      Aber es freut mich sehr, wenn ich dir vielleicht ein wenig Lust auf die alte Analogfotografie machen konnte! ♥

  5. Liebe Carolina,

    ich fotografiere auch seit Längerem mit einer alten, analogen Minoltakamera.
    Teilweise brauche ich ewig, bis ein Film voll ist, weil mir die einzelnen Bilder soviel Wert sind.
    Nicht wegen dem Geld, wobei das auch ein Grund sein kann, sondern wegen dem Moment, den man mit der digitalen Kamera nur einmal festhalten kann, weil man nicht gucken kann, ob er etwas wurde und falls nicht, einfach nochmal fotografieren..
    Herrlich!

    Liebst,
    Mona //
    Fleur&Fatale Fashion and Interior

    • Carolina

      Jaaa – genau so ist es bei mir auch. Ich glaube, ich habe jetzt 2 Monate gebraucht, um den Film in der Seagull voll zu bekommen. Diese Woche bringe ich ihn zum Entwickeln und ich bin wirklich soooo gespannt!!! 😀

  6. Also ich kann dich da nur zu gut verstehen. Klar, heutzutage arbeitet man nun mal digital. Das ist auch praktischer und günstiger. Aber ich liebe die analoge Fotografie und habe so einige Schätzchen bei mir daheim stehen. Zumindest nebenbei fotografiere ich auch immer noch total gerne und hab mir für dieses Jahr sogar vorgenommen gehabt mich mal richtig mit Polaroids auseinander zu setzten. Da die Filme ja wahrlich nicht günstig sind, war da meine Hemmschwelle immer recht groß. Gerade, da man anfangs ja doch immer einige versaut… aber mittlerweile bin ich froh, dass ich damit experimentiert und den Dreh (meistens zumindest, die Dinger sind ja zickig) raus hab. 😉

    • Carolina

      Das Geld ist naütürlich ein Argument, gerade wenn man sehr knapp bei Kasse ist, überlegt man sich natürlich, ob man nun den Film kauft und dann später alles entwickelt. Aber wie oft kauft man sich mal schnell einen Schal nebenbei oder einen Pullover hier und ein paar Schuhe da. Ich ertappe mich da selber oft genug, wie ich meine, für etwas Bestimmtes kein Geld zu haben, aber einen Tag später wieder „ein Schnäppchen“ in den Kleiderschrank wandern lasse. Alles wie immer eine Sache der Priorität.

  7. Hallo,

    Ich finde deine Eintrag so toll, endlich jemand die Analog liebt und schätz. Ich bin Fotografin und arbeite im Fotostudio und da hast du recht viele meine Kollegen fotografieren in Daumen.Kino modus abdrücken aber nicht hinschauen da bin ich etwas anders weil ich privat auch bisschen mit Analog beschäftige.

    Ich habe eine eine Exa 1a Spiegelreflex, den habe ich von meine Opa bekommen, er war auch Fotograf und mit dem Kamera wurde eigentlich der Kindheit von meine Mutter aufgenommen naja es lieg in der Familie sagen wir es mal so. Analog ist etwas ganz anders so wie du geschrieben hast man überlegt es 2-3 mal was man und wie man fotografiert und diese Zeit wenn man gespannt ist was dabei rausgekommen ist, ist toll und aufregend. Außerdem habe ich noch eine Diana f+(Gold) damals von mein Freund Geschenk bekommen, und ich bekomme den Film nicht voll ich bin damit so vorsichtig was ich damit aufnehme und riesig gespannt noch nie ein Film davon entwickeln lassen.

    Hast du schon mal selber entwickelt? Ich habe es mal in meine Ausbildung gemacht ist sehr interessant und macht spaß aber auch schwierig bzw. entwickeln ist einfach aber das Bild vergrößern also das Bild von Film auf Fotopapier zubringen dauert schon paar stunden.

    Lg Nici

    • Carolina

      Es ist eben auch so eine Glaubenssache. Und generell soll jeder so fotografieren, wie er mag. Das ist das Schöne an der Kunst. Das ist eben Individualität. Nur der Wert an einer Sache sollte nicht verloren gehen – und da müssen wir Fotografen besonders aufpassen in der Zeit der digitalen Bilderflut. Ich sehe das zumindest als meine Aufgabe zu zeigen, wie Besonders ein Bild ist.

      Bisher habe ich noch nicht entwickelt, aber ich bin schon auf Workshopsuche. Nur leider gar nicht so einfach, denn die Angebote dazu sind – sagen wir – übersichtlich. 😀

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