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Immer jünger werden, je älter man wird, das ist die rechte Lebenskunst. Part II

Mit jedem Tag, an dem der Herbstanfang im Kalender näherrückt, werde ich ein klein wenig aufgeregt. Mein Geburtstag.  Wieder 365 Tage überlebt. Nicht schlecht denke ich mir. Und das, obwohl ich ziemlich sicher war, dieses Jahr abzutreten. So wie Curt Cobain. Oder Amy Winehouse. Nicht, dass ich unbedingt so musikalisch wäre wie die beiden. Aber hey, 28! Da ich aber dabei bin, diese Zeilen zu tippen, gehe ich davon aus, nun doch kein Mitglied im Club 27 geworden zu sein.

„Immer jünger werden, je älter man wird.“ Da muss ich lächeln. Das habe ich doch schon mal geschrieben. Nämlich zu meinen Geburststagspost vor genau zwei Jahren. (*Hier*)Gefällt mir immer noch der Satz, denke ich mir. Und dann, wurde ich neugierig, wollte meine 730 Tage alten Gedanken nochmal lesen. Bin ich eine ganz andere? Oder hat sich in zwei Jahren eigentlich nichts weiter geändert. Bin ich immernoch das gleiche Mädchen, das Einhörner und Füchse liebt ? Darf man sich mit 28 überhaupt noch Mädchen nennen? Je älter man wird, desto mehr Regeln scheint es zu geben. Es wird erwartet, dass man sich „erwachsen“ benimmt. Generell wird immer mehr erwartet, je älter man wird.

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Wenn man 28 ist, dann kommt man in das Alter, in dem deine Oma subtile Bemerkungen zum Thema Enkelkinder macht. Aus der Sicht einer Frau ihrer Generation bin ich aber ohnehin ein fast hoffnungsloser Fall. Ich werde als alte Frau mit meinen 35 Katzen zusammen alte Folgen „Wetten, dass..“ schauen und Schals für Muschi, Fluffi und Minzi stricken. So oder schlimmer muss das Bild in ihrem Kopf aussehen.  Meine Mama hat das Thema Hochzeit wahrscheinlich schon ab dem Zeitpunkt abgehakt, nachdem sich drei von 4 Kindern tättowieren ließen. Schwarze Zeiten für meine Familie. Und damit meine ich nicht die Tättowierfarbe.

Ich blicke auf mein Geburtstags-Ich vor zwei Jahren. Suche nach Veränderungen. Die Haare waren länger. Und ansonsten? Das Kleid hängt immernoch an meiner goldenen Kleiderstange. Die Mütze ist immernoch meine Lieblingsmütze. Stylingtechnisch habe ich also ganz große Schritte gemacht. Meine Augen wandern weiter, von Zeile zu Zeile und ich werde daran erinnert, dass ich an meiner vorletzten Geburtstagsfeier 4 Mal hingefallen bin. Hohe Schuhe und so. Kennt man ja, eigentlich kann man’s nicht, aber lassen geht auch nicht. Vor zwei Wochen waren wir mit ein paar Freunden feiern. Bilanz des Abends: 3 kleinere Stürze, ein paar blaue Flecken, aber nichts gebrochen. Also auch da keine nennenswerten Fortschritte. Auch nicht mit 730 mehr Tagen an Übung.

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Was genau hat sich dann eigentlich geändert? Die gleiche Überschrift, die gleiche Kleidung und immernoch der gleiche Bewegungslegastheniker wie damals. Gut, zwischen drin ein paar Farbexperimente (was haltet ihr eigentlich von meiner neuen Farbe?). Augenscheinlich hat sich nicht so viel getan. Und sonst so?

Was das Thema erwachsen sein angeht habe ich keine Ahnung. Was soll das auch schon bedeuten. Ich habe es geschafft, mir ein Auto zu kaufen. Habe richtig echte Versicherungen und schreibe Rechnungen mit meinem eigenem Namen darauf. Ist das erwachsen sein? Andererseits fährt besagtes Auto seit langem ohne Klimaanlage sowie Scheibenwischerwasser, über meinem Bett hängt ein Plüscheinhorn und würde sich mein Freund nicht dafür schämen, dann würde ich auch auf offener Straße mit lila Tüllröckchen rumlaufen. Ist das dann kindisch?

Wer bestimmt, was erwachsen ist und was nicht. Welches Verhalten darf man nur als Kind an den Tag legen und welches ausschließlich als Erwachsener.

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Letztendlich sind wir es selber, die uns unsere eigenen Grenzen und Regeln auferlegen. Wir selbst bestimmen, ob wir uns gerade erwachsen, genervt, peinlich oder glücklich fühlen. Die Realität ist immer subjektiv.  Eigentlich ist alles subjektiv. Wie soll man etwas auch nicht subjektiv empfinden.

Und dann, wenn ich so darüber nachdenke, hat sich doch so einiges in den letzten Jahren geändert. Völlig subjektiv natürlich. Nichts, was man sehen könnte. Oder messen. Nur spüren. Geschmack, meine Wünsche. Ich konnte mehr reisen, mehr Neues kennenlernen. Neue Menschen. Ein paar verloren. Das, was wichtig ist, hat sich geändert. Und das, was nicht nicht mehr wichtig ist. Auch neue Ziele sind hinzugekommen.  Und das Beste, es ändert sich immer weiter. Schon morgen.

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// Graue Karottenhose // weißer Strickpullover // Schal // all Mango
// Stiefeletten – Görtz // Umhängetasche – Görtz //

 

12 Kommentare

  1. Marie

    Ein Spruch der mir gerade ganz spontan in den Sinn kam, ist folgender: „Ist es nicht seltsam, wie sich Tag für Tag gar nichts ändert, aber wenn man in ein paar Jahren zurückschaut, ist alles komplett anders?“

    Scheiß mal (pardon) aufs erwachsen sein. Man kann viel besser leben, wenn man noch ein bisschen Kind bleibt. Nicht unbedingt kindisch. Aber ein Kind im Herzen. Und wer da keinen Unterschied sieht, der ist absolut auf dem falschen Weg. (Wobei noch gesagt sein muss, ab und zu kindisch sein ist auch wichtig!)

    Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! <3 Und auf viele weitere tolle Jahre 🙂

  2. Ich finde auch, ein bisschen Kind bleiben hat noch niemandem geschadet! Man sieht nicht alles so ernst, hat viel mehr zu lachen, das Leben ist ein kleines bisschen leichter, wenn man nicht immer zu 100 Prozent erwachsen ist 🙂
    Liebe Grüße, Jana
    MeinBlog

  3. Hallo Carolina,

    die neue Haarfarbe bzw. Strähnchen gefallen mir gut, hoffe sie sehen in natura so aus wie auf den Bildern. Wünsche es dir, mag diesen Kupferton, den ich bei meinen dunklen Haaren nur schwach hinbekomme, sogar mit Hilfe des Friseurs.

    Deine Zeilen passen so wunderbar zu den Gedanken, die mir die letzte Zeit immer öfter durch den Kopf schießen. Nun bin ich ja schon über 30 (oh Gott, wie schrecklich denkst du sicher), dennoch haben mir besonders die letzten 1-2 Jahre gezeigt, wie wichtig es ist, sich etwas kindliches zu bewahren. Stimme der Unterscheidung zwischen kindisch und kindlich durchaus zu, denn albern/kindisch ist meist nur nervig, aber eine gewisse Unbeschwertheit und ein „sich selbst nicht immer so ernst nehmen“ würde uns allen gut tun. Hin und wieder ausbrechen aus dem alltäglichen „Funktionieren müssen“ halte ich für sehr wichtig, um die Energien nicht völlig zu verbrauchen. So blödel ich ganz gerne mal mit dem Liebsten herum, tanze auch in der Öffentlichkeit, wenn mir danach ist oder freue mich wie Bolle zu schaukeln ohne schlechtes Gewissen (kann man hier machen: http://www.erfahrungsfeld.de/). Denke es gehört gerade zum Erwachsenwerden dazu, diese Unterscheidung zu treffen und sich solche Momente zu bewahren. Wünsche dir, dass es dir weiterhin so wunderbar gelingt, einfach zauberhaft.

    Viele liebe Grüße, Silke
    http://www.kindderachtziger.ruhr

    • Carolina

      Vielen Dank, ja, ich glaube, sie sehen genau so aus. Ich mag die Farbe im Moment auch supergern. 🙂

      Ach nein, über 30 ist gar nicht schrecklich – also hoffe ich zumindest (bitte zerstör das jetzt nicht)! Ich danke dir auf jeden Fall, Silke, für die wunderschönen Gedanken und Worte hier.

      Bis bald! ♥

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