Kommentare 36

Reise nach Skandinavien. Part I

“Travel makes one modest. You see what a tiny place you occupy in the world.”
― Gustave Flaubert

Nein, verdammt. Zeit hatte ich natürlich nicht für eine Reise. Aber man hat niemals Zeit für irgendwas, sondern man nimmt sie sich. So ist es doch. Wie von einem riesigem Stück Schokoladenbananentorte, von der man sich eben immer ein Stück abschneidet. Wenn man Lust hat versteht sich. Und dann saßen wir im Morgengrauen im Auto, mit verschlafenen Augen, großen Bechern Kaffee in den Händen, aufgeregt, glücklich, angespannt. Von allem ein bisschen.  Das Ziel ein großes rotes Haus in Schweden. Direkt an einem See und ein paar gefleckten Kühen als Nachbarn.

Aber eigentlich war das Ziel noch so viel mehr. Das Ziel war gemeinsam auf der Fahrt den Proviant essen,  feststellen, dass die Luftmatratze überhaupt nicht ins Zelt passt und der Zeltplan somit wieder ad acta gelegt war, der erste Blick auf das Meer, auf der Fähre nach Dänemark zusammen auf dem obersten Deck stehen und fast von Bord geweht werden. Das Ziel war billiger Tankstellenkaffee, zu viele Zimtschnecken im Bauch und Nächte am Lagerfeuer. Gut, das Ziel war nicht unbedingt die Blasenentzündung, die mich mittendrin erwischt hat, aber ein Tag in der Akutmottagning – der schwedischen Notaufnahme – war auf jeden Fall bisher noch ein fehlendes Puzzlesteinchen in meinem Lebenserfahrungsalbum.

Unterwegs zu sein, weg von der eigenen kleinen Welt, die einen sonst täglich umgibt. Mein Bäcker, bei dem ich mir morgens immer mein belegtes Brötchen hole, der Arbeitsplatz mit der gepunkteten Lieblingskaffeetasse, die eigene Wohnung mit all meinen Sachen. Mein geliebtes mintfarbenes Auto. Alles Dinge, die man braucht. Sagen wir uns. Ich klammere mich an Dinge, als wären sie ein Teil von mir – meine Kamera, mein altes Stofftier, die Lieblingskette. Das merke ich, wenn ich packen soll. Nehme viel zu viel mit. Unterwegs sein, bedeutet haltlos sein. Vielleicht auch freier, denn vieles, was wir uns als Stütze nehmen, engt uns gleichzeitig ein. Ich liebe mein Handy, arbeite sehr viel damit, doch dann habe ich es einfach nur genossen, es dort auf der Kommode die meiste Zeit liegen zu lassen. „Bin gut angekommen“. Das muss erstmal reichen. Sporadische Lebenszeichen für die Freunde. Früher ging das ja auch so. Erst hinterher merke ich, wie wenig ich von all den Dingen, die ich mitgeschleppt habe, eigentlich wirklich brauche.

Es war ein Abenteuer für mich, nicht nur, weil es meine Reise nach Skandinavien war. Sondern auch, weil es erst der zweite Urlaub mit ihm war. Dem Lieblingsmann. Ein Abenteuer mit insgesamt 14 Leuten – auch das ist eine neue Herausforderung. 14 Leute, gemeinsame Spieleabende und ein schwedischer Schnaps, der so eklig war, dass ich auf ewig einen großen Bogen um blaue Flaschen in Schweden machen werde. Nächtliches Saunieren und danach laut schreiend in den See springen. Feiern und lange ausschlafen. Lesen. Zusammenliegen und nichts tun, während der Regen an die Scheiben trommelt. Zusammen sein. Im Urlaub erstmal krank sein – auch typisch. All das waren meine ersten Tage in Schweden..wie es weiterging, erfahrt ihr im zweiten Teil.

Beim Bilder ansehen anmachen.

IMG_9914

Warten auf die Fähre in Puttgarden. Eine Geduldsprobe.

cats

Wenn man sich schon mal die Haare extra um halb fünf Uhr früh macht, dann nur, wenn man sicher sein kann, dass sie später wieder vom Wind ordentlich verwüstet werden.

IMG_9927

Die Öresundbrücke – auf der einen Seite Dänemark, auf der anderen Schweden.

IMG_9937

IMG_9939

Am ersten Abend eine große Willkommensfeier. Mit frischen Garnelen – und bereits erwähnten
Schnaps.

IMG_9948
Das Saunahäuschen. Typisch rot mit weißen Festern. Und alles direkt am See. Das vermisse ich wirklich gerade ein wenig, wenn ich aus meiner nürnberger Stadtwohnung auf den Betonklotz gegenüber schaue.

cats2

IMG_9994IMG_9999IMG_0020cats3IMG_0031IMG_0073

IMG_0204

IMG_0110Gemeinsames Abschiedsessen. Nach 5 Tagen wurde die Gruppe kleiner. Aus 14 wurden 6.

IMG_0112

cats4

IMG_0121

IMG_0136

Neue Lieblingskaffeetasse. Reisen macht flexibel.

cats5

IMG_0129cats6IMG_0169

 

 

36 Kommentare

  1. Oh wunderbar … alle verschlägt es gerade nach Schweden und ich träume noch vor mich hin und male mir ein Jahr in Norwegen aus … ich fürchte, ich muss wirklich vor dem Bachelor schon mal hinreisen, sonst halte ich es nicht aus vor lauter Fernweh. Das ist so schön! Und erinnert mich an die zwei, drei Tage, die wir in Finnland an einem ähnlichen Ort verbracht haben, mit See und Sauna, wenn auch ohne solche absolut fabelhaften Schnörkel-Stühle.
    Ich hab’s in letzter Zeit sein lassen mit dem vielen unnötigen Kram. Immer nur irgendwas in den Koffer geschmissen, wird schon irgendwie reichen – und es hat gereicht, immer. Und es ist ist viel leichter (nicht nur vom Gewicht her) und schöner, wenn man nicht all den unnötigen Ballast mich sich herum trägt. Mal nur das um sich herum hat, was man braucht und es genießt. Geht auch gut.

    Alles Liebe,
    Mara

    • Carolina

      Ach Schweden, Norwegen, der Schwarzwald – schöne Momente und Erfahrungen kann man überall machen, egal wo! Und ja, mach es – so wunderbar reisen wie in dieser Zeit lässt es sich später nicht mehr. Mit jedem Jahr kommen ein paar Schnüre mehr dazu, die dich mit hübschen Schleifen an einen Ort drapieren und festbinden. 😀

  2. Anja

    Wunderbare Bilder! Ein Haus am See und niemand drumherum, das wäre mein Traum… Apropos widerlicher Schnaps: Freunde von mir trinken finnischen „Minttu“. Das riecht wie Mundwasser, ekelhaft 😀

  3. Toller Bericht und ich mag die Fotos sehr <3 vieles kommt mir bekannt vor, zum Beispiel die Sturmfrisur auf der Fähre… Ich schwelge gerade in Erinnerungen an letzten Sommer, da war ich nämlich in Schweden. Genau wie du finde ich Skandinavien unglaublich toll, danke für deine Eindrücke! Ich bekomme gerade wirklich Sehnsucht danach…
    Falls du mal meine Fotos anschauen möchtest:
    http://totaleskopfchaos.blogspot.de/2014/08/schwedenfreizeit-2014-wenn-ich-die.html
    http://totaleskopfchaos.blogspot.de/2014/10/schweden-inselubernachtung-eine-der.html
    http://totaleskopfchaos.blogspot.de/2014/09/kopenhagen-und-kleines-geschwafel-zu.html (nicht Schweden, aber gehört zu meiner Reise und somit Postreihe dazu :))
    Freue mich auf deinen zweiten Teil!
    Liebe Grüße,
    Maybrit

    • Carolina

      Hahaha, habe mir die Bilder angesehen – vielleicht waren wir ja quasi fast Nachbarn – schließlich hattest du auch die Kühe gleich in der Nähe! 😀 Obwohl, da gibt es doch so einige freilebende Kühe, die in der Gegend rumstehen.
      Richtig schöne Bilder, vor allem aus Koppenhagen kommt auch noch was, haben wohl einen ähnlichen Reisegeschmack, würde ich sagen 😉

  4. Ich komme gerade auch aus Schweden =) bis zum Donnerstag waren wir in Stockholm.
    Es war super schön und ich würde mir gerne auch Norwegen und Finnland ansehen. Vor allem würde ich auch gerne raus aus der Stadt, rein in die Natur. Deine Bilder sind super schön, da bekommt man direkt wieder Fernweh.
    Liebste Grüße, Mandy

  5. Ich liebe es wie du Stimmungen vermitteln kannst ^_^
    Am besten gefällt mir das dunkle Foto von dem Esstisch mit Kerze und großer Lampe.
    Skandinavien steht bei mir auch schon seit vielen Jahren auf der Top-5-Urlaubsziel-Liste,
    aber es wird wohl noch ein bisschen dauern, bis ich diesen Punkt abarbeiten kann.

    Es klingt jedenfalls, als konntest du die Auszeit bis auf’s Kranksein in vollen Zügen genießen =)

    • Carolina

      Dankeschön!
      Gemeinsam essen ist auch wirklich etwas ganz tolles, das habe ich dort wieder gemerkt, wie sehr ich es genossen habe, mit vielen Menschen am Tisch zu sitzen, zu reden und zu lachen!

  6. Wieder einmal wunderschön geschrieben, auch die Fotos lassen Fernweh aufkommen. Alles wirkt so verträumt und verwegen. Wenn ich packe, merke ich auch, dass die Tasche/Koffer schnell voll wird, aber ich weiß auch, worauf ich mich verlassen kann und was ich nicht missen möchte.
    14 Mitreisende, Respekt. Wir waren jetzt zu neunt unterwegs, das hielt ich bereits für eine Herausforderung!

    • Carolina

      Ja, das war wirklich eine Lektion und Herausforderung. Man lernt viel – vor allem auch über sich selbst! 😀

      Und dankeschön für das liebe Kompliment – verträumt und verwegen trifft es ziemlich gut als Beschreibung für Schweden!

  7. Beim letzten Post hab ich, obwohl ich mich via Instagram so gefreut hab, endlich wieder was von dir zu lesen, einfach nicht kommentiert.. ich freute mich, hab diesen Post gern gelesen, aber iwie konnte ich nichts schreiben.. soll ja leider vorkommen.. deshalb jetzt, unter diesem schönen Post, ein nochmaliges „Juhuuuu!“ 🙂 😀
    Der Post ist toll und die Bilder erst.. *-* Wirklich schön.. 🙂
    Ich bemerke auch immer wie gut es mir tut, wenn ich beispielsweise zum Hurricane mein Handy einfach zuhause lasse.. Ich hab dann nur mein altes, zum Telefonieren und um kurze Lebenszeichen zu senden, mit, aber auch nur mit der alten Nummer, die nur meine Eltern und meine Mitfestivalanten haben.. Es ist wunderbar! 😀
    Liebe Grüße und eine schöne neue Woche!

  8. Nachdem ich ein Jahr an unterschiedlichen Orten in Schweden gelebt habe, werde ich bei deinen Bildern ganz melancholisch. Wirklich wunderschöne Bilder – darf ich fragen, mit welcher Kamera du sie geschossen und mit was du sie bearbeitet hast?
    Sieht nach einer unglaublich tollen Reise aus!
    Kanelbullar, Fika: jättebra!
    Happy travels,
    Yvonne

    http://lovelyforliving-mag.com

    • Carolina

      Ja toll – hast du dort studiert?
      Dankeschön, ich fotografiere mit der Canon 6D und bearbeite mit Lightroom und Photoshop im Gemisch! 😀

      Und JA – die sind einfach der Oberhammer, diese Zimtteile! 🙂

      • Ja, ein halbes Jahr in Nordschweden in Umeå und letztes Jahr ein halbes Jahr in Lund :). Es war wirklich eine wunderbare Zeit und kommt mir gerade vor wie ein Traum. Die Zeit rennt viel zu schnell.
        Super, danke für die Antwort – ich muss gestehen: ich war bisher oft zu faul, mich in Photoshop einzuarbeiten, aber das wird wohl wirklich mal Zeit!
        Liebste Grüße,
        Yvonne

  9. Anonymous

    Ein schöner Text und wundervolle Bilder! Wie immer 🙂 Da bekommt man richtig Lust auf Urlaub (auch wenn meiner erst 2 Wochen her ist:D) Sag mal verrätst du mir woher du diese unfassbar coole Jeans auf den Bildern hast?

  10. Marie

    Wunderschön diese Bilder 🙂
    Deine Bilder haben irgendwie so etwas verwunschenes. Wenn ich Bilder mache, dann finde ich oft, dass sie einfach nicht genung sind, nicht ausdrücken, wie wundervoll dieser Moment war, denn ich versucht hab fest zu halten. Aber deine Bilder sind voll Emotionen und Gefühle, sie fangen so viel mehr ein als das was man sieht, irgendetwas, was man einfach nciht beschreiben kann♥

    Ach ja und abgesehen davon hast du auch eine wunderschöne Jacke an, so eine suche ich schon lange! Darf ich fragen woher sie ist :)?

    Liebe Grüße,
    Marie

    • Carolina

      Ich weiß genau was du meinst. Ich glaube, das hat jeder Mensch, der auf irgendeine Art etwas „erschafft“. Aber ich denke, es ist Fluch und Segen zugleich – denn ohne, würde man sich ausruhen, die Beine übereinander schlagen und sagen. „Passt so.“ Anstatt „Ich habe Lust auf MEHR.“

      Meinst du die gestreifte? Die hat mir meine liebste Mitbewohnerin überlassen – und sie hatte die von Primark, ist auch noch nicht sooo lange her. Also ca. 2, 2,5 Monate!

Schreibe eine Antwort