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Heute: Fang‘ ich mal an.

Nach einer längeren Schreibpause hier auf dem Blog quält mich nicht nur das schlechte Gewissen, sondern vor allem auch ein übervoller Kopf mit Ideen und vielen neuen Eindrücken, die ich aus Schweden mitgebracht habe.  Viel möchte ich zu meiner ersten Reise ins ferne Skandinavien gar nicht sagen, denn dafür möchte ich gerne einen extra Reisebericht für euch schreiben – daher packe ich das Thema „Urlaub“ direkt mal zurück in den Koffer und lasse es dort noch ein paar Tage liegen.

Egal von was man eine längere Pause gemacht hat – Arbeit, dem Schreiben, der Uni oder Sport – man fühlt sich die ersten Momente wieder wie ein absoluter Anfänger. Wie war nochmal mein Passwort? In welchem Saal war überhaupt die Literaturvorlesung? Was studiere ich überhaupt?? Selbst so einige Namen von Mitstudenten sind manchmal plötzlich verschollen.

Diejenigen, die vollkommen verloren durch das Unigelände laufen, sind entweder die Erstsemestler oder eben alle anderen, die nach den Semesterferien nach zu viel Sonne und noch mehr Mojitos auch erstmal wieder kurz neu da sind. Aber es ist wie beim Schlittschuhlaufen: Wenn man sich nach langer Zeit mal wieder auf die spiegelglatte Eisfläche traut, fragt man sich erstmal, wie es überhaupt möglich sein kann, auf einer millimeterdünnen Kuve zu stehen, geschweige denn fahren zu können. Und während man noch neidisch zu den 4 – Jährigen rüberschielt, die zur Balance ihren Pinguin vor sich herschieben, fängt man einfach mal an, sich zentimeterweise an der Bande entlang zu schieben. Die Hand statt am Pinguin dann eben immer sicher am Holz. Alle Personen über 5 Jahre wirken irgendwie seltsam, wenn sie mit einem Pinguin Schlittschuh fahren. Also dann doch lieber alleine.

Der Anfang ist immer ein Arsch. Egal bei was. Manche Sprüche sind eben einfach wahr, vollkommen egal, wie sehr man sie nicht mehr hören kann. Als ich mit dem bloggen angefangen habe und all die Fachbegriffe gelesen habe, bemerkt habe, wie wenig ich weiß: Nämlich gar nichts. Da verlässt einen plötzlich der Mut. Als würde all die Motivation wie in einem Blasebalg ganz plötzlich verpuffen. Weg. Was bleibt ist das sichere Gefühl, das niemals bewältigen zu können. Und dann gesellt sich netterweise auch noch augenblicklich der Schweinehund dazu „Lass es doch einfach bleiben, das macht nur Stress.“, „Jetzt hast du so lange gewartet, jetzt kannst du es auch schon sein lassen.“ Ihr kennt das. Ich nenne das den Anfangsarschmoment  (Und Verzeihung, dass dieses Wort in diesem Absatz gleich zwei Mal vorkommt).

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Und dann,  verpuffen so unzählbar viele Ideen in der Luft. Nur wegen besagten Moment. Werden aus dem Balg gepustet und zerstreuen sich in der Luft. Unmöglich sie jemals wieder einzufangen.  Oder aber:  Wenn er kommt, der Anfangsarschmoment (nochmal sorry!), dann rennt man nicht weg. Hört nicht auf den Schweinehund. Bemerkt, dass aufgeben einen so sehr ärgen würde, dass man an nichts anderes mehr denken kann, merkt, dass man es wirklich will. Und fängt an. Das Gute ist, nach dem Anfang geht’s immer ein klein wenig bergab. Man merkt gar nicht, wie das Tempo von ganz alleine zunimmt. Eben hat man sich noch mit der Eleganz eines Körperklauses an die Holzbande gekrallt und im nächsten Moment dreht man schon ein paar Runden zwischen irren 6 Jährigen, denen man möglichst auszuweichen versucht ohne dabei sein Leben zu verlieren.

Ich habe es also geschafft, hier den Anfang gemacht. Obwohl ich ein schlechtes Gewissen hatte. Es lieber noch etwas hinausschieben wollte. Auf eine bessere Idee warten wollte.  Aber alles Quatsch. Es kommt kein besserer Moment, als der jetzt. Und jetzt im Moment wird auch keine bessere Idee kommen. Vielleicht später mal, aber vielleicht wartet man dann zum Zeitpunkt der eigenen Beerdigung auch immer noch.

P.S. Pinguine und Schlittschuhfahren waren übrigens ein Versuch gedanklicher Abkühlung im Saharadeutschland.

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IMG_9676-2Outfit

// (ziemlich zerknitterte)Jeansbluse – H&M // Spitzenshorts – Flohmarkt // Tasche – Urban Outfitters // Sandalen alias Gesundheitstreter – Birkenstock natürlich //

14 Kommentare

  1. Oh ja, orientierungslos über’s Unigelände laufen werde ich ganz bestimmt perfektionieren. Mit verzweifeltem Gesichtsausdruck und angstvoll aufgerissenen Augen. Das ist so ein Anfang, auf den ich mich freue – aber ein Anfangsarschmoment wird’s trotzdem. Wäre allerdings sicher auch nicht besser, wenn ich mit einem Pinguin auf dem Arm über den Campus renne, es sei denn, ich muss noch dringend ein paar verrückt-kreative Leute kennen lernen.
    Und es ist ja wirklich immer so. Bei allem. Wir hatten gerade ein paar Austauschschüler; ich hab bezweifelt, dass wir jemals mit denen irgendwie kommunizieren können und tada, am letzten Abend ging es irgendwie doch, trotz gebrochenem Englisch. Oder die Opernproduktion, wir haben geflucht und gezetert, und am Ende war ich unfassbar traurig, dass es schon vorbei war. Meinen Blog mag ich inzwischen auch ganz gerne. Weil’s irgendwann eben doch oft fabelhafter wird als gedacht, wenn man nicht aufgibt.
    Und diese Shorts und die Tasche sind einfach wunderbar!

    Alles Liebe,
    Mara

    • Carolina

      Liebste Mara, du wärst sicher eine der wenigen Ausnahmen, denen so ein Pinguin dennoch ganz vortrefflich stehen würde,da bin ich mir sicher!
      Ich bin froh, dass du so gut verstehst was ich meine, der gemeine Moment, wenn man sich Entscheiden muss, all die Zweifel, Vorbehalte und Ängste bei Seite zu legen, drauf zu sch**** und loszulegen.

  2. Ermutigend. Sehr ermutigend – und ich hasse diesen Anfangsarschmoment. Und das Wort ist ziemlich perfekt dafür. Ich bin zurzeit in einem dicken fetten Kreativitätsloch, und es wird immer tiefer. Wahrscheinlich auch so ein Anfangsarschmoment. Richtig schöner Text, kommt mir vor, als wäre ich shcon ewig nicht mehr hier gewesen. Aber es ist noch gleich wie vorher – verträumt, ermutigend, Einhornwunderflauschelandmäßig.

    Liebe Grüße und einen schönen Abend wünsche ich dir noch,
    Casey

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