Kommentare 15

Wenn dir das Leben eine Zitrone gibt – bind‘ eine Schleife drum herum

…oder mal ein Herz darauf.

„Das Leben ist eben kein Ponyhof, Carolein“, sagt meine Freundin lächelnd zu mir und nimmt einen großen Schluck von ihrem Sojamilchkaffee. Während ich meinen Keks zerbrösele und ihn in kleinen Stückchen über meinen Milchschaum streue, ziehe ich einen Schmollmund. „Doch ist es wohl. Und wo sind die rosa Ponys schon wieder?“ Ich hatte mich zuvor 30 Minuten über mein Elend ausgelassen, eine Abschlussarbeit, eine Präsentation und eine Abschlussprüfung meistern zu müssen, obwohl mir das diesen Monat so gar nicht in den Zeitplan passen will. Ok. Offen gestanden auch den nächsten nicht.

Ja, sowas ist  mir schon immer schwer gefallen. Wenn es ums fotografieren geht, könnte man mir eine 500 seitigen Wälzer hinlegen und sagen, „du hast Zeit bis nächsten Samstag“ und es wäre kein Problem. Ich müsste nicht mal nach meiner Motivation suchen. Sie stünde schon von einem auf das nächste Bein hüpfend hinter mir. Wenn es aber um Kurvendiskussion, die Marketing Stufenmodelle oder den einfachen Wirtschaftskreislauf ging (wenn es schon den „einfachen“ geben muss, dann sagt das ja viel aus), sah die Lage ganz anders aus. Die Motivation war nicht nur ziemlich erschreckt, sie rannte schreiend davon. Und zwar soweit sie ihre zerbrechlichen und wankelmütigen Beine trugen.

Ich habe mich dabei schon immer gefragt, woher nehmen Menschen ihre Motivation? Dabei meine ich nicht die Motivation für Dinge, die man liebt, das ist einfach. Sondern vielmehr für die Dinge, die man am Liebsten solange aufschiebt, bis man letztendlich einen Gabelstabler benötigt, um das ganze Paket noch manövrieren zu können.
Gibt es Menschen, die so eine Art An- und Ausschaltmotivationsknopf besitzen?

Meine Sojamilchkaffeefreundin zum Beispiel. Sie kann das. Das war schon auf dem Gymnasium so – egal welchen hirnrissigen, verstaubten und vollkommen sinn- und nutzlosen Stoff wir zu lernen hatten, sie hat sich hingesetzt, auswendig gelernt und eine Woche später abgeliefert.  Während ich hingegen noch einen Tag zuvor damit beschäftigt war über den Zweck im Allgemeinen und die Nötigkeit im Speziellen nachzugrübeln. Unnötig zu sagen, wer von uns beiden den besseren Abiturschnitt erlangt hat. Wieso bloß konnte ich das nicht? Ja natürlich, man muss immer wieder Dinge tun, die man nicht besonders leiden kann. Doch manchmal komme ich trotzdem nicht umhin mich zu fragen, warum man sich nicht einfach auf die Dinge konzentrieren kann, die man gut kann. Denn ist es nicht so, dass man eigentlich nur in den Dingen gut werden kann, die man mag? Und warum muss man eigentlich etwas machen, was man nicht mag.

IMG_9791

Was bringt mir das – außer schlechter Laune vielleicht. Und einen zerbröselten Keks in meinem Milchkaffee. Wenn jemand so gar kein mathematisches Verständnis hat und Probleme bekommt eine binomische Formel zu erkennen, geschweige denn sie auszurechnen – warum dann die Quälerei. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Person Mathelehrer werden möchte geht wohl gegen Minus unendlich. Und warum muss sich der andere mit drei Fremdsprachen quälen, wenn er noch alle Hände voll zu tun hat, die deutsche Orthographie nicht komplett in Verlegenheit zu bringen. Ich weiß, jetzt greife ich natürlich gedanklich schon ziemlich weit ins deutsche Schulsystem ein. Und ich weiß auch, dass ein Basiswissen aus verschiedenen Bereichen auf jeden Fall wichtig ist. Aber gerade so viele essenzielle Dinge wie richtiger Umgang mit dem Internet, den neuen Medien und soziale Kompetenz sind doch nicht weniger wichtig, oder?

Also nochmal zur Frage: Wie macht man das mit diesem Motivationsknopf. Wo findet man den in den düstersten Keksbröselmomenten? Was ist mit euch – wie denkt ihr darüber. Oder ist es schlichtweg einfach so, dass dieser Knopf bei manchen Menschen weggelassen wurde. Und sie können einfach nichts dafür. Stattdessen sind sie wehleidige Nörgler (wie ich), die sich in Selbstmitleid baden (auch wie ich) und die rosa Ponys ganz furchtbar vermissen. (Oh ja!)

Nach unserer Kaffeerunde sind übrigens diese hochwertigen und kunstvollen Aufnahmen entstanden. Und danach habe ich doch tatsächlich weiter an meiner Arbeit geschrieben. Hilft ja nichts, aber ich habe jetzt ein Ziel: Ende März wird gefeiert in Berlin. Wein und Bier als Motivation können natürlich auch äußerst fragwürdig erscheinen, aber soll man machen – der Zweck heiligt ja bekanntlich die Mittel.

IMG_9907

Fotos

// Foxografie //

15 Kommentare

  1. Du hast schon recht mit deiner Kritik am Schulsystem. Guck dir mal die Doku „ABC“ an – das deutsche Schulsystem ist einfach furchtbar schlecht weil nur auf Noten ausgelegt, unabhängig davon, wo die Begabung liegt.

    Liebe Grüße,
    Annika von themuffintop-less.blogspot.de

  2. Motivation könnte ich auch brauchen, die zeit bis ich meine hausarbeiten abgeben muss wird immer geringer
    und was das schulsystem angeht kann ich dir absolut zustimmen, ist überhaupt nicht praxisorientiert
    bei manchen dingen ist es dann zwar aufgabe der eltern das beizubringen, aber wenn ich überlege wie oft ich meinen was über umgang mit internet und computern erkläre funktioniert das ja auch hinten und vorne nicht
    da kann man eigentlich nur froh sein, wenn man die schule hinter sich gebracht hat
    lg

    • Carolina

      ja, hinten und vorne nichts passend triffts gut. änderungen werden gemacht, aber am welchen ende. und viel wichtigeres bleibt auf der strecke. aber gut, das ist eigentlich wieder eine andere geschichte. 🙂

  3. Ein sehr schöner Post 🙂 Ja die Motivation, dass ist echt immer nicht so einfach und noch viel ärgerlicher ist es, wenn man unendlich viele Ideen und eine übergroße Motivation für schöne Dingen (z.B. den Blog) hat, aber dennoch für unwichtige Dinge Lernen muss oder andere, unschöne Dinge machen muss. Im Moment stehe ich vor den Abiturprüfungen und sollte eigentlich Lernen (z.B. für Klausuren) Ich quäl mich dann immer und belohne mich seeeeeeehr oft 😉 Das mit dem Belohnen funktioniert eigentlich immer ganz gut =)

    Liebe Grüße
    Lisel von http://www.miss-flauschig.de

    • Carolina

      oh ja, mich treibt es allein in den wahnsinn, wenn ich daran denke, dass da in meinem kopf 10 000 dinge herumspuken und ich schlichtweg keine zeit dafür habe, weil ich JETZT diese arbeit schreiben muss. buhu.

  4. Ich vermisse die rosa Ponys auch sehnlichst.. 😀 Naja momentan gehts, weil ich momentan arbeite.. aber Ende Februar hatte ich Zwischenprüfung und hab mich die ganze Zeit vorm lernen gedrückt etc.. tja und manch andere müssen gar nicht lernen.. die gucken sich da einmal was an und können das.. hier: http://the-place-for-my-head.blogspot.de/2014/12/andere-mussen-eben-weniger-kampfen.html hab ich auch schon mal darüber geschrieben.. Meine Großcousine ist 16 und die ist erstens sprachbegabt und hat dazu dann auch noch diesen Knopf, der mir fehlt.. allerdings ist sie auch so ein, dass die sich 3min beispielsweise Mathe anschaut und dann in der Arbeit mindestens ne 2 schreibt.. Puha.. sowas ist schon etwas unfair.. :/ 😀
    Einen schönen Abend wünsch ich dir!

    • Carolina

      wo sind sie nur manchmal hin, wenn man sie braucht? 😀
      mesch nadjalein, da hast du aber auch schon ganz schön was erkämpft, finde ich klasse. es trifft mich immer sehr, wenn ich lese, dass man von anderen leuten schlecht behandelt wird. wahrscheinlich weil es nicht weiter von meinem naturell entfernt sein könnte. wenn ich jemanden mag, gehe ich ihm aus dem weg. fertig. aber gut, auch das ist wieder eine andere geschichte.

      vielen dank auf jeden fall, dass du einer meiner leser bist. ich finde, du bist hier immer eine echte bereicherung. ♥ muss man ja auch mal sagen sowas.

      • Oh ja wirklich.. 😀
        Dankeschön Carolina 🙂 <3 Ich hab dadurch gelernt, dass es einfach Menschen gibt, die es wohl brauchen jmd anderen schlecht zu behandeln.. oder die sich dadurch in ein besseres Licht stellen möchten.. Die letzte Situation hab ich letztes Jahr ganz extrem in der Berufsschulklasse miterlebt.. hab im letzten Schulblock aber gelernt besser damit umzugehen.. Ich glaube jeder Mensch braucht solche Momente um daran zu wachsen.. hm.. aber weniger zu mir.. Dafür hab ich ja meinen eigenen Blog.. 😀
        Und danke für den letzten Satz.. *-* Da werd ich ja ganz rot.. Ich bin gerne eine deiner Leserinnen 🙂 ♥

        • Carolina

          Ja, sie brauchen es, um eigene Fehler und Schwächen zu kaschieren. Es kehrt sich immer leichter vor fremden Haustüren, als vor der eigenen. Das ist nicht nur schade, sondern kompletter Mist! Ich hoffe wirklich, du lässt dich dadurch nicht runterziehen – aber wenn ich mir so durchlese, was du schreibst, dann habe ich ein gutes Gefühl, dass du dir dadurch nicht den Spaß und die Freude nehmen lässt!

  5. Den Schalter würde ich auch gern kennen! Ich komme gut klar mit der Schule, aber irgendwie ist das doch auch immer Glückssache – wenn du gute Lehrer hast und dich anpassen kannst, dann sind die Chancen gleich viel größer. Ich habe irgendwann mal in der Studentenzeitung der Southampton-Uni (wie auch immer ich auf diese Seite kam) einen Artikel darüber gelesen, den ich wirklich wunderbar fand. Dass manche Leute einfach nicht in diese strengen Systeme passen, während andere das irgendwie händeln, ihre zwei Seiten Definitionen lernen und gut ist. Irgendwie auch gemein.
    Ich frage mich manchmal wirklich, worauf wir hin arbeiten. Darauf, dass wir nach Jahren, in denen wir uns durch den Stoff quälen, den wir nie brauchen, irgendwann das tun, was wir wirklich tun möchten? Ob man diesen Punkt jemals erreicht?
    Ich hoffe es zumindest. Das würde ein bisschen motivieren und das habe ich für meine Matheklausur dringend nötig. Irgendwie habe ich dafür wohl bis jetzt auch versäumt, zu lernen…

    Alles Liebe,
    Mara

    • Carolina

      Das ist allerdings ein wenig gemein. Aber grundsätzlich hat den Schalter meiner Meinung nach schon jeder. Nur die Motivation ihn zu bedienen ist verdammt unterschiedlich ausgeprägt. Die einen können vielleicht rationaler zielorientiert handeln, die anderen sind eher emotional unterwegs und lassen sich dadurch sehr viel steuern. Dafür wiederrum kann man wahrscheinlich nichts und das lässt sich wohl auch nur schwer ändern.
      Ich wünsche dir auf jeden Fall einen kleinen Motivationsschub für die anstehende Matheklausur. :-*

Schreibe eine Antwort