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28 shades of February

 

Als ich gestern die letzte Februarseite in meinem Kalender umgeblättert habe, war ich gedanklich dennoch nicht ganz im März angekommen. Der Liebesmonat hat dieses Jahr ganz schön für Trubel gesorgt. Nicht nur, was den Valentinstag und die Konsumliebe für rote Rosen angeht. Vielmehr kam noch eine Liebe zu Fesselspielchen und Kabelbinder hinzu. Mr. Grey und seine Anastacia. Die wohl schönste Liebesgeschichte, seit es Softpornos gibt. Ich muss aufpassen, nicht ironisch zu werden, denn ich bin ehrlich gesagt noch nicht mal ganz sicher, ob ich von diesem Riesenrummel nun fasziniert oder abgestoßen bin. Natürlich habe ich mir den Film angesehen. Ich habe mich sogar durch alle drei Bände gearbeitet. Recherche. Ist klar. Aber nachdem das Feuchtgebietethema komplett an mir vorbeigezogen ist, wollte ich dieses Mal nicht wieder der Außenseiter sein.

Für alle, die sich gerade fragen, wer dieser ominöse Mr. Grey überhaupt ist – zusammengefasst lernen sich ein reicher, erfahrener Mann und eine arme unerfahrene Frau kennen. Dazwischen: Haben sie sehr viel verruchten Sex, weil er ziemlich auf Fesselspiele und Schläge steht. Gleichzeitig versucht sie hinter das Geheimnis seiner verschlossenen Fassade zu kommen – denn der arme Kerl hat so einiges durchgemacht im Leben. Friede, Freude, bischen Hauen.
Er also der kosmopolite Sexgott, sie die hübsche unverdorbene Jungfrau. Klingt nach Klischee – ist es auch. Auch wenn ich das Buch nicht lesen konnte, ohne gelegentlich eine Augenbraue hochzuziehen und im Film doch ein paar Fremdschäm Momente hatte („An dieser Lippe möchte ich gerne knabbern.“ „Dann tu es doch.“), bin ich trotzdem eher fasziniert von den Auswirkungen. Nicht nur der Verkauf von Sexspiezeugen ging schlagartig nach oben – nein, selbst Kabelbinder gingen plötzlich zu 150  % mehr über die Ladentheke. Ist es nicht verrückt, wie sehr ein Thema beeinflussen und polarisieren kann?

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Die einen sind ganz begeistert von dieser Geschichte. Es ist neu. Es ist irgendwie anders. Und es wird offen etwas angesprochen, das sonst eindeutig in die Kategorie Tabuthema gefallen ist. Die anderen schlagen bei einer Aneinanderreihung von Wortwiederholungen und Klischees die Hände über den Kopf zusammen. Anastacias innere Göttin und Christians postkoitale Frisur  entlockten des öfteren ein Stöhnen. Allerdings dann meist eher ein entnervtes.  50 Jahre Emanzipationskampf für die Katz. Aber auch ich frage mich in diesem Moment, ob Shades of Grey das ist, was die Gesellschaft heute sehen möchte. Zumindest wenn es nach den verkauften Tickets geht. Oder ist es lediglich die schlichte Neugier, die uns in die Kinosäle treibt. Wollen wir einfach nur gucken oder wollen wir Inspiration. Die Frage ist ja, was passiert danach? Ändert sich denn wirklich etwas. Gehen Stefan und Katharina nach einer Begegnung mit Mr. Grey nach Hause, binden sich mit der Restwolle an den Bettpfosten und lassen Eiswürfel über ihre Körper gleiten? Und wird Maria plötzlich nach dem Reiten ihre Gerte zweckentfremden?

Ich denke, über den Wertegehalt von Shades of Grey kann man durchaus längere Diskussionen führen. Auch über die Frage, ob denn nun das arme Bild der Frau wieder einen herben Schlag abbekommen hat und wir nun wieder fürchten müssen, statt Studium seine Unterhosen bügeln zu müssen. Allerdings wage ich die These in den Raum zu werfen, dass wenn ein solcher Film wirklich dafür sorgen soll, dass wir Frauen um unsere erkämpfte Stellung bangen müssen, dann kann diese Stellung nie wirklich fest gewesen sein. Wenn eine solche Geschichte aber dafür gut ist, dass man offen über etwas zu reden beginnt anstatt sich immer nur zu Fragen „Ist das normal?“ oder „Machen das andere wohl auch?“, wenn man anfängt, das zu machen, worauf man Lust hat und nicht überlegt, ob man das sollte oder nicht – dann hat Anastacia sich doch nicht umsonst den Hintern versohlen lassen.

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         Wearing
// Dress – H&M Divided // Mint Cardigan – Sheinside // Boots – Görtz17 // Bag – Accessorize //

17 Kommentare

  1. Sehr schönes Outfit! Mir gefällt der Cardigan unglaublich gut.
    Und was dein Fazit zum dem Thema Film/Buch betrifft kann ich dir wirklich nur zustimmen.
    Vor allem wenn es um die Stellung der Frau geht. 🙂

    Liebe Grüße
    jelaegbe.blogspot.de

  2. Wirklich sehr cool – ich meine nicht nur das Outfit 😉
    Ich kann dir eigentlich fast volkommen zustimmen. Was du geschrieben hast, ist warscheinlich das unaufgeregteste und direkteste was es zu diesem Film zu sagen gibt. Ohne sich an allgemeinen Hysterien zu beteiligen.
    Obwohl mir das Frauenbild, dass sowol in diesem Buch als auch in seiner Inspiratin(Twilight) propagiert wird, nicht gefällt.
    Wobei Twilight auf Grund seiner leichter zu beeinflussenden Leserschaft einfach vermutlich einen größeren Einfluss hat.

    Jedenfalls ein sehr guter Post

    Liebe Grüße
    Vivien

    • Carolina

      ..dann danke für beides!
      Ja, ich finde auch es ist diskutabel. Das Problem ist nur meistens, dass diejenigen, die sich ernsthaft damit auseinander setzen leider nicht die sind, die es wirklich nötig hätten! 😀

  3. Ich habe es bisher geschafft, mich dem ganzen Hype einigermaßen zu verweigern – gerade weil der Film so stark aufgebauscht wurde will ich ihn mir nicht ansehen. Dabei geht es mir weniger um das Thema, sondern eher darum, dass so ein Wirbel um etwas gemacht wird, allgegenwärtig ist und mit dieser Neugierde Leute in Massen und mit langen Vorverkaufsfristen in einen Film gezogen werden, der weniger gelobt wird, als ich es bei dem Hype darum erwartet hätte. Ich habe das erste Buch vor Ewigkeiten mal angefangen und schon damals haben mich die ganzen Klischees und Wiederholungen ohne Ende genervt… Also werde ich wohl weder hier noch bei Feuchtgebiete mitreden können 😀

    • Carolina

      Ich schätze mal, er wird weniger gelobt genau WEGEN all dem Hype. Da ist die „Ich-zerreiß-den-Film-in-der-Luft“ natürlich auch nicht weit 😀
      Aber ich weiß was du meinst, mir fällt es nur unglaublich schwer, ein Buch abzubrechen mit dem ich einmal begonnen habe – also habe ich mir alle 4000 inneren Göttinnen und 500 Lippenbeißszenen gegeben 😉

  4. Ich kenne weder Bücher noch Film, aber als mir eine Freundin, die sich den ersten Band so aus Jux und Dallerei zu Gemüte führte, mal im Bus was vorgelesen hat, hatten wir eigentlich alle zwei Sätze was zu lachen – und da war von verruchten Spielchen noch gar nicht die Rede, schon die voraussehbaren und flachen Dialoge waren so köstlich!
    Wir hatten allerdings auch mal eine ähnliche Leseprobe aus der Jolie, wo es zur Sache ging, und wenn man es dann so zusammen laut vorliest, dann ist es tatsächlich eher umwerfend komisch. Ich glaube auch, irgendwo fasziniert es, wirft Fragen auf, aber der Anspruch und die Stereotypen, die mal wieder vermittelt werden, lassen mich dann doch zurück zucken. Vielleicht, irgendwann, wenn man mal 20:15 durch die Kanäle zappt (was ich nie tue, aber angenommen) und da stehen bleibt, dann würde ich mir mal ansehen, was die beiden da so treiben und was die Welt mal wieder in Aufruh versetzt hat… aber das hat keine Eile.

    Alles Liebe,
    Mara

    • Carolina

      Das kann ich mir vorstellen – hätte ich das jemanden laut vorgelesen, dann hätte ich wohl auch eher Tränen gelacht! 😀
      Es war schon schwer genug im Kino ernst zu bleiben, da link und rechts neben mir ein Mann saßen – die beide einen Wettkampf in trockenen Kommentaren geliefert haben!

  5. Du bist so hübsch 🙂 Zu dem Film. Ich habs bewusst weder gelesen, noch geschaut. Ich finde es krass, wie viel ein Hype ausmacht. Verrückt, dass auf einmal alle das gleiche gut finden. Eine Weile lang. Auf jeden Fall ein sehr guter Post! Danke dafür 🙂

    Liebe Grüße, Anna

  6. Schöne Bilder und ich war auch im Film.
    Ich fand ihn eigentlich ganz gut gemacht, habe iwie mit weniger qualität gerechnet.
    Ich habe die Bücher nicht gelesen und bin nur aus Neugier hinein.
    Was ich genial finde: Wo hast du das denn her, dass mehr Kabelbinder verkauft wurden? ;D
    Das ist ja mal lust 🙂 Ich denke nicht, dass der Film groß, was ändern wird.
    LG Juli von Rahmenlos

    • Carolina

      Ja, gut gemacht war der Film auf jeden Fall. Die Bilder, Schnitte, Blickwinkel und auch die Musik waren top.
      Das stand in der Zeitschrift „Emotion“ 😀 Das fand ich auch so dermaßen lustig, dass ich das unbedingt verwenden musste!

  7. Caro Wunder

    Liebe Caro,
    jedes Mal, wenn ich über deinen Blog stolpere, werde ich angesteckt von deiner unglaublich bereichernden Art des Erzählens und Erlebens. Ich liebe deinen Schreibstil, vor allem all die kleinen liebevoll gewählten Adjektive, die kreativen Geschichtchen, all diese kleinen Momente, die du so treffend beschreibst, das ist wahnsinnig inspirierend!
    Danke dafür!

    Liebste Grüße von Caro ;D

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