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Tag 365

Immer dieser Dreihundertfünfundsechzigste Tag des Jahres. Plötzlich ist alles anders als an denen davor. Denn heute Nacht scheint es eine Art magischen Zeit-Reset-Knopf zu geben, der es uns ermöglicht, wieder komplett neu anzufangen. All unsere schlimmsten Laster können wir abstreifen, wie einen lästig gewordenen Mantel, der schwer auf unseren Schultern lag. Als stünde man vor einer dieser Tafeln, die man als Kind oft  zu Weihnachten geschenkt bekommt. Inklusive Magnetbuchstaben. Vor allem aber: Wenn man etwas falsch mit der quietschenden Kreide aufgemalt hat (oder es einem nicht gefallen hat), dann holt man den kleinen Schwamm hervor und erhält mit einer einzigen Armbewegung wieder eine leere Tafel. Tabula rasa für Kinder. Und pädagisch wertvoll.
Während wir also mit dem einem Bein noch auf dem alten abgenutzten Fußboden des Jahres 2014 stehen, sehen wir einen glänzenden neuen und frisch gebonerten schon direkt vor unseren Augen. Und alles, was wir nun noch tun müssen ist ein kleiner Spaziergang durch das Niemandsland dazwischen. Das ist auch der Ort, wo ihr besagte Tafel finden werdet. Die Silvesterparty überstehen müsst. Und einen Kleiderständer für den alten Mantel findet ihr dort selbstverständlich auch.

Wie kommt es, dass wir Menschen einer Zahl, einem bloßen Datum nur so viel Bedeutung beimessen? Geburtstage, Feiertage, Jahrestage, Todestage, Namenstage, Glückstage, Weihnachten, Silvester. Wir hangeln uns von wichtigem Tag zu wichtigem Tag. Als wären die dazwischen weniger wert. Weniger bedeutend. Wir lieben und hassen sie gleichzeitig. Weil wir so viel von ihnen erwarten. Und so oft enttäuscht werden.
Ein unpassendes Geschenk zum Geburtstag vom Freund? Das kann einen schon mal den Tag ruinieren. Den Jahrestag vor lauter Hektik vergessen. Ein unsäglicher Fauxpas. Kein Geschenk zu Weihnachten gefunden? Schon hat man ein schlechtes Gewissen. Die Silvesterparty war desaströs? Na toll, wenn das neue Jahr schon so anfängt..!

Der Höhepunkt ist also in jederlei Hinsicht der 31. Dezember. Ich weiß ja nicht, wie es bei euch läuft, aber zum Großteil läuft es so ab: Bis zum Nachmittag weiß immernoch keiner so richtig, an welchem Ort er nun den Reset-Knopf drücken möchte. Die Telefonate steigern sich an diesem Tag nicht nur wegen der Neujahrsgrüße. Ich bin sicher, es liegt vor allem an den zahlreichen Last-Minute-Wo-Feiern-Wir-Nun-Anrufen, aufgrund denen schon Freundschaften in die Brüche gingen.
Ich hatte schon alles an diesem Tag: Zahllose Beziehungskrisen, weinende Freundinnen, Partys auf denen um 22:00 Uhr der Alkohol leer war, Feiern, auf denen man seinen Exfreund wild knutschend mit der Neuen begutachten durfte, verkorkste Partys, total verkorkste Partys – und Partys, die genau genommen nicht mal das Wort Party überhaupt verdient hatten.
Und immer, wenn man aboslut sicher war, nun könnte diese Nacht nicht schlimmer zu Ende gehen und  man nur noch das eigens für diesen Anlass gekaufte Kleid abstreifen und in sein Bett fallen möchte – genau da fällt einem ein, dass man noch ein Taxi bekommen muss. Hat man erstmal 3 Stunden in eisiger Kälte und offenen Schuhen verbracht und blickt man mit inzwischen wieder nüchternen Verstand auf das neue Jahr, ist man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dazu bereit, all seine guten Vorsätze direkt wieder über Bord zu kippen, auf den Reset-Knopf gehörig zu pfeifen und das nächste Taxi, das an einem achtlos vorbeifährt mit einer Bombe auszuradieren und für immer und ewig von diesem Planeten verschwinden zu lassen.

Ich mache mir keine Illusionen. Ich brauche keinen Reset-Knopf. Ich verweigere gute Vorsätze für das neue Jahr. Wenn, dann fasse ich neue Pläne jetzt ins Auge. Ändere etwas heute. In dieser Minute. Wenn mir ein Mantel nicht mehr taugt, dann lasse ich ihn von meinen Schultern gleiten und warte nicht auf eine Zahl. Kein gutes Datums-Omen ist nötig, um abzunehmen, mit dem Rauchen aufzuhören, sich gesünder zu ernähren, öfter mal Nein zu sagen oder was sich auch sonst noch alles in der Top Rige der guten Vorsätze so tummelt.

Stattdessen bleibe ich einfach stehen, werfe einen Blick zurück auf die letzten 12 Monate. Waren es gute Monate? Nein, sicherlich gab es wie immer einige Täler zwischen den Bergen. Aber das ist ok so.
Jetzt stehe ich erstmal auf, mache mir einen zweiten Kaffee und überlege mir, was ich heute eigentlich machen möche. Das steht natürlich noch nicht fest. Alles was ich weiß ist, dass ich den Tag gerne mit Lieblingsmenschen verbringen möchte. So wie an allen anderen Tagen des Jahres auch. Vielleicht gehen wir feiern. Vielleicht gehen wir auch einfach ins Bett, reden und lachen. Es ist nur Tag Dreihundertfünundsechzig. Nichts weiter.

01/14

1
Im Januar habe ich Joana von „Odernichtoderdoch“ kennengelernt, einen wunderbaren neuen Menschen kennengelernt und somit mein gefürchtetes Januarloch ein wenig die Schwärze genommen. Und ich habe mal ausgetestet, was man alles aus einer Digitalkamera alles herausholen kann. Und wir haben Bloggeburtstag gefeiert.

02/14

2
Den Frühling schon im Kopf im Februar.

03/14

3
Bloggertreffen mit zauberhaften Menschen in Nürnberg. Wusste bis zu dem Zeitpunkt gar nicht, dass wir doch so einige sind in Mittelfranken. Mit Shanice hatte ich ein wunderbares Feenshooting. Bis heute eines meiner liebsten Shootings.

04/14

4
Kirschblütenmonat. Jedes romantische Mädchen und jeder mit einer Kamera zuhause muss raus in die Welt. Man kann auch Zehntausend Kirschblütenfotos gemacht haben. Das Zehntausendundeinste ist wieder genau so schön wie das Erste. Wunderbares Shooting mit Vanessa von „Pieces of Mariposa“, die ich mittlerweile fest ins Herz geschlossen habe.

05/14

5
Im Mai fühlt sich alles irgendwie so leicht an. Und ich habe euch einige meiner Fettnäppchen erzählt, in die ich schon so getreten bin. („Frau Fuchs und die Fettnäppchen“)

06/14

6
Im Juni habe ich die Hosen runtergelassen und reinen Wein eingeschenkt, was ich eigentlich so mache („Das bin ich“). Einer der schwierigsten Beiträge bisher für mich. Eine Beziehung ging zu Ende.

07/14

7
Sommerzeit ist Shootingzeit. Zum Beispiel mit der wunderschönen Hannah, meiner Wasserprinzessin. Und Sommerzeit heißt Zeit des ewigen Lichts. Bis abends um neun fotografieren können. Wundervoll. ♥
Und ich traue mich noch mehr: Foxografie wird geboren. Mein Herzensprojekt.

08/14

8.18
August. Hochzeit der besten Freunde. Ein Großereignis in jeder Hinsicht.

09/14

9
Fuchsgeburtstag im September.
Ein neuer Mensch kommt in mein Leben hineingestürmt und wirft alles über den Haufen.

10/14

10
Herbstliebe. Wer mich kennt weiß, wie sehr ich diese goldene Jahreszeit liebe.

11/14

11
November. Irgendwie ein seltsamer Monat. Wie ein Vakuummonat. Nicht golden wie der Oktober, nicht glitzernd wie der Dezember. Ein Monat zum Durchschnaufen. Meine persönliche fünfte Jahreszeit. Zeit zum Nachdenken.

12/14

12

Weihnachtsmonat. Geschenkemarathon. Glühwein. Einkaufsstress. Familienzeit. Hektische Besinnlichkeit. Überall Lichter. Überall Glitzer.

Wie ich den Dezember liebe.

2015, bin bereit.

30 Kommentare

  1. Toller Rückblick! 🙂
    Allerdings kommt es mir so vor, als ob du diese Daten wie Weihnachten, Silvester & Co ein wenig zu negativ siehst. 🙂 Bei mir zumindest waren diese Daten noch nie schlimm, wegen eines vergessenen Geschenkes oder einer blöden Party. Ich feiere Silvester dieses Jahr (und das hat fast schon tradition) mit meiner Familie und meinem Freund bei Freunden unserer Familie. Das wird garantiert gut, ist zwar keine Party aber es gibt Raclette, viel zu erzählen und immer spontane, schöne Ideen und Aktionen. 🙂
    Ich finde nicht, dass diese Tage mehr wert sind, als andere, aber schön sind sie trotzdem. 🙂

    Liebe Grüße und einen guten Rutsch ♥
    Ich wünsche dir ein tolles neues Jahr! ♥

    • Carolina

      Ach nein, nicht zu negativ – vielleicht ein klein wenig kritisch! 😀
      Aber ich liebe ja Geburtstage und vor allem Weihnachten – ich mag nur keine gezwungenen Veranstaltungen schätze ich.

      Dir auch einen fabelhaften Start ins Jahr 2015 – klingt zumindest nach einem perfekten Abend!

  2. Eigentlich ist es wirklich komisch, dass gerade der 31. Dezember so wichtig genommen wird. Ich könnte auch am 28. Juni denken: jetzt habe ich mein Abi. Jetzt passiert was Neues. Oder am 29. Oder wenn es zum ersten Mal wieder schneit. Eigentlich ist morgen immer neu und wunderbar.
    Aber irgendwie ist es schon anders, wenn man sich abgewöhnen muss, in die Ecke vom Blatt 2014 zu schreiben und sich all die Sachen ausmalt, die geschehen könnten, bis das nächste Mal Raketen in den Himmel geschossen werden. Trotzdem, ich habe keine Vorsätze für 2015. Mehr für’s Leben. Vielleicht schaffe ich heute noch was und andere Dinge erst in 370 Tagen, aber das macht ja nichts. Da ist sowieso genug im Jahr 2015, ohne dass ich es mir vornehme und feiere.
    Ich freu mich einfach drauf.

    Alles Liebe und viel Spaß, wenn du dann einen Ort zum durch die dreihundertfünfundsechzigste Nacht feiern gefunden hast,
    Mara

    • Carolina

      Du hast es wunderschön zusammengefasst, liebe Mara. Genau so ist es ja eigentlich. Aber irgendwie brauchen wir das wohl auch. Diese festen Daten, an denen wir uns wie ein Matrose an der Reling festhalten können – um nicht ungebremst ins Meer zu stürzen oder schlichtweg den Boden unter den Füßen zu verlieren.

      Ja, ich habe die 365ste Nacht außerordentlich gut verbracht. Mit Lieblingsmenschen. Das ist ja letztendlich alles, was zählt.

  3. Wow.. Ich liebe deine Bilder und vor allem die Texte so sehr! Und su sprichst mir absolut aus der Seele. Ich bin dieses Jahr einfach mal daheim, schaue kitschige Filme, trinke Feuerzangenbowle mit meinen Eltern und verbringe dann die letzten Stunden des Jahres mit einer Freundin. Auf Party hatte ich dieses Jahr einfach keine Lust 😀

    Ich wünsche dir einen wunderschönen Abend und dass du nicht frierend auf eine Taxi warten musst, sondern ganz entspannt ins neue Jahr rutschen kannst! 😉

    Liebe Grüße, Maike

  4. Deine Überschrift für den Jahresrückblick ist eindeutig die kreativste und gleichzeitig nüchternste, die mir bislang begegnet ist!
    Und ich hoffe, du hattest ein recht schönes Silvester, trotz all der Vorgeschichten 😉
    Frohes neues Jahr!

    Liebe Grüße,
    Malika

  5. Mal wieder ein genialer Post, liebe Carolina! Ich stimme dir in absolut allen Punkten zu. Wie oft musste ich vor Silvester wieder Gejammer hören, dass es ja wieder keine anständige Party gebe, und wenn das neue Jahr schon so anfinge, könne es ja nur so komplett beschissen werden wie das alte… vermutlich liegt es eher an so einer verbohrten, dämlichen Einstellung, dass das alte Jahr auch nichts war und man im Nachhinein immer nur das Schlechte sieht?! Und WEHE, man hat am 1.1.um Mitternacht niemanden zum Knutschen, dann ist sowieso alles nichts wert. Die dummen Freunde, wer braucht die schon, denn alle haben sie einen Partner und man selbst ist das Opfer, oh weh… Ist dieses Denken nicht erschreckend? Ich habe gerade zu Neujahr einen Post über dieses „Opferrolle“-Denken geschrieben, vielleicht möchtest du ja mal vorbeischauen 🙂
    Ansonsten wünsche ich dir ein tolles neues Jahr mit vielen glücklichen Momenten ohne Datumsspektakel.
    Liebe Grüße!

  6. Was für ein wunderbarer Jahresrückblick. Ich denke genauso wie du. Ich brauche keine Vorsätze. Wenn ich mich ändern möchte, ist jeder andere Tag im Jahr genauso gut dafür.
    Und Nürnberg ist nichtmal so weit weg von mir. Aber mit meinen 16 Jährchen wäre ich da wohl aus der Reihe getanzt.
    Alles Liebe, Salo

  7. Richtig schöner Rückblick – ich glaube das ist mein Favorit von allen, die ich schon gelesen habe (und das waren viele).

    Ich freue mich auf ein Jahr voll von deinen inspirierenden Worten und Bildern (:

    Liebe Grüße,
    Casey

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