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Photography is the simplest thing in the world, but it is incredibly complicated to make it really work.

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Auf Instagram werden jeden Tag über 60 Millionen Bilder hochgeladen, geherzt, geteilt und kommentiert.
Auf Facebook werden täglich 350 Millionen Bilder an die ganz eigene Fangemeinde verteilt. 350 Millionen vegane Mittagessen, Partyfotos und Sonnenauf- und untergänge. Jeden einzelnen Tag. 365 Tage im Jahr.
Handys sind nicht mehr einfach nur Handys. SMS schreiben und Telefonieren gehören schon lange zu den Funktionen, die fast schon am seltensten genutzt werden. Technisch können sie es oft locker mit einer Digitalkamera aufnehmen. Kleine Minikamerawunder.
Pro Tag werden wir – ohne es wirklich zu bemerken – mit über 3000 Werbeeinflüssen von allen Seiten zubombadiert. Überall mit dabei: Bilder, Bilder, Bilder.
Klar, denn sie wirken.

Aber was ist ein Foto im Jahr 2014 überhaupt noch wert?
Irgendwie sind wir plötzlich alle kleine Fotografen geworden. Wenn ich auf einer Hochzeit fotografiere, filmt  Opa Heinz fleißig den Brautkuss mit seinem allerneustem Smartphone. Eine Spiegelreflexkamera ist nicht mehr das non-plus Ultra – etwas, das sich nicht nur der Berufsfotograf leisten kann – alle möglichen Canons und Nikons baumeln in der Innenstadt an  Touristenhälsen oder schmücken die Profilbilder 14 jähriger Mädchen. Was ist also ein Foto noch wert, wenn es doch mittlerweile jeder machen kann?

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Aber ich würde diesen Text nicht schreiben, würde diese Frage nicht in der Art stellen, wenn ich nicht daran glauben würde, dass Bilder nach wie vor etwas Besonderes sind. Magisch sein können. Unseren Blick fesseln können und uns auf besondere Weise bewegen können. Manche Fotos bleiben uns für immer im Gedächtnis, andere lösen Gefühle in uns aus, von denen wir vorher nicht mal wussten, dass wir sie in uns hatten. Ja, Fotos wirken. Nur ist schon lange nicht mehr jedes Foto besonders, einfach allein durch die Tatsache, dass es eines ist. Dieser Luxus ging schon lange auf unserem übervollen Planeten Erde verloren. Mittleweile macht eine Umbennung durchaus Sinn: Statt Planet Erde. Planet Elektronik.

Technisch gesehen, ist vielleicht jeder irgendwie Fotograf. Doch den ständigen Drang, das Leben fotografieren zu müssen, das ist in dir drin. Wenn du selbst dann fotografierst, obwohl du die Kamera nicht dabei hast. Innerlich siehst du diesen einen Moment, diesen einen Lichtstrahl – und drückst gedanklich auf den Auslöser. Kannst es niemals abstellen.
Autofahren bedeutet ständige Lebensgefahr – es ist schwer, sich auf den Verkehr zu konzentrieren, während die Augen gleichzeitig automatisch nach neuen Fotolocations fahnden. Der Wunsch, aus den alltäglichen Dingen etwas Besonderes zu machen. Dinge zu sehen, welche die meisten übersehen. Das Gefühl sich unvollständig zu fühlen, wenn man ohne die Kamera das Haus verlässt. Das kann keine Ausrüstung der Welt herbeizaubern. Das muss in dir sein.

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Der Auslöser ist schnell gedrückt, ein kurzer Klick und schon hat man ein Foto. Vor gar nicht allzu langer Zeit war das undenkbar. Man wusste nicht, ob man die Person im richtigem Augenblick, im richtigen Moment eingefangen hat. Man wusste nicht, ob man die Sonnenstrahlen nun im richtigen Winkel erwischt hat oder ob man den Sportler im entscheidenden Moment fotografiert hat. Man musste sich überraschen lassen.
Wir haben den Luxus, unser Werk sofort begutachten zu können. Die Spannung fällt weg – aber auch die Enttäuschung ein paar Stunden oder Tage später, wenn die Bilder fertig entwickelt waren, sollte man den richtigen Augenblick verpasst haben.

Jeder kann hinaus in die Welt gehen und fotografieren. Jeder kann schöne Fotos machen. Und genau damit sind auch die Ansprüche gewachsen. Aber das ist auch gut so. Denn die Ergebnisse sind so atemberaubend – was gibt es für außergewöhnliche Fotografen. Egal, ob gelernt oder ungelernt.
Denn man erkennt im Leben sofort die Herzblutangelegenheiten. Die Dinge, die einfach mal so gemacht werden und die Dinge, die mit so viel Liebe, Leidenschaft und Sorgfalt gemacht werden, dass sie sofort auffallen. Diese Dinge im Leben mit dem besonderem Glanz. Die Dinge, die einen aufwecken, die einen neidisch machen, weil man sie sofort auch haben möchte. Das gilt nicht nur für die Fotografie.

Das gilt für alles, was wir im Leben tun. Alles im Leben können wir auf zwei verschiedene Arten erledigen: Gemächlich im gehen oder volle Kanne mit Anlauf und reinspringen.
Gegen keins von beiden ist etwas einzuwenden, wichtig ist nur die Kräfte sinnvoll einzusetzen.

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Outfit
// graue Jacke in Lammfelloptik – Chicwish // grauer Ballerina Rock – Chicwish // schwarzes Basicshirt + olivfarbener Pullover – beides H&M // Wildlederboots – Görtz 17 // rote Strickmütze – Urban Outfitters //

Text
// Foxes & Fairies //

Fotos
// Foxografie //

42 Kommentare

  1. Kim

    Deine Bilder gehören auf jeden Fall zu denen, die im Gedächtnis bleiben und etwas ganz Besonderes sind. Deine Gefühle werden durch die Fotos erst richtig deutlich und wirken fast greifbar 🙂

  2. Mit dem Text hast du total Recht! Das Auge macht das Foto, nicht die Kamera. Manchmal bereue ich es total, meine Kamera nicht dabeizuhaben, um „wirklich“ auf den Auslöser zu drücken. So viele Momente, die man einfange möchte, ziehen unversehrt vorüber und nur die Erinnerung bleibt. Oft schade, teilweise aber auch ganz gut. Manche Dinge sollte man lieber im Gedächtnis behalten als digital auf einem Bildschirm 🙂

    Liebe Grüße, Caro ♥ von Day by Day

  3. Darueber philosophiere ich auch manchmal. Ich bin nebenberuflich Fotografin und mittlerweile ist es immer schwieriger Auftraege zu bekommen, weil die Leute sagen ‘Ach, ich kenn da wen, der hat eine teure Kamera, der macht das schnell fuer uns umsonst’.. Okay.

    Denke auch, dass ‘richtige’ Fotografie Jahre an Uebung bedarf und die Geduld hat dann doch nicht jeder. In der heutigen Zeit muss man das Handwerk der Fotografie ganz neu beweisen und es ist schon lange nicht mehr damit getan, huebsche Bilder zu machen.. Man muss auch andere Faehigkeiten rueberbringen, zb Leute positionieren koennen, Lichtformung und und und. Denn im Endeffekt erkennt man den Unterschied zu einem Laien- und einem Pro schnell. 🙂

    • Carolina

      Natürlich, man erkennt den Unterschied sofort. Das ist das, was ich mit den Herzblutangelegenheiten gemeint habe. Wer nach so etwas sucht, wird sich immer dafür entscheiden. Und klar, es gibt dann auch immer die, die sagen „Ach, das reicht schon so auch..“

  4. Ich kann dir nur zustimmen! Und die wenigsten können „die Ausrüstung in einem Drin“ nachvollziehen.
    Das mit dem Autofahren ist mir jedoch noch nicht passiert. Zum Glück. Als Fahranfängerin konzentriere ich mich vollkommen auf den Verkehr. Musik hören ist da schon das Non-Plus-Ultra! 🙂

  5. der text spricht mir echt aus der Seele….ich verstehe genau was du meinst 😉 Immer wenn ich im Auto sitze, und die Landschaft an mir vorbei zieht, gehen mir nur noch die schönen Orte durch den Kopf, die man als Locations nutzen könnte ;DD
    Naja, schicksal eben ;D Du jedenfalls machst wundervolle Bilder- mit Herzblut und viel Talent 😉

  6. Ohhh ich weiß genau wovon du sprichst.. im Auto durch die Gegend fahren, knapp an iwelchen Unfallquellen vorbeischrammen, weil man gerade so von einer Landschaft gebannt ist, immer mit dem Gedanken „Hier könnte man gute Bilder machen!“ und die „Jagd“ nach dem perfekten Bild, der schönsten Aufnahme… ich muss am Wochenende unbedingt mal wieder losziehen, wird Zeit!
    Das einzige wo ich dir nicht zustimmen kann, ist, dass die Enttäuschung wegfällt.. sie kommt heutzutage nur einfach schneller.. erst letzte Woche beim Linkin Park Konzert hatte ich die allerbeste Gelegenheit ein Bild/Video zu machen – die Chance ist verstrichen (weil ich einerseits zu verwirrt war und andereseits auch dachte, dass die Kamera aufnimmt. Grrr -.-) und ich ärgere mich wahrscheinlich auch in mindestens 10 Jahren noch darüber.. auch wenn der Moment woanders fest eingeschlossen ist (♥).
    Na gut.. deine Bilder sind auch wieder sehr schön geworden! 🙂

    • Carolina

      Ja, das stimmt, sie kommt eher – aber manchmal hat man dann doch noch die Chance, es gleich nochmal zu probieren. Klar, immer natürlich nicht, wie auch in deinem Fall! Da habe ich auch ein paar verpasste Momente, die werden mir noch ewig nachhängen! 😀

      Und vielen Dank! <3

  7. Das hat mich manchmal ein bisschen traurig gemacht, die Spiegelreflex-Mädchen mit ihren Profilbildern. Ich habe versucht, alles aus meiner Kompakt-Kamera rauszukitzeln, und währenddessen waren da diese Facebook-Leute, die hatten so eine tolle Kamera und haben so langweilige Fotos damit geschossen – wirkt Spiegel-Duckface mit Smartphone-Kamera nicht sowieso besser?
    Eigentlich wollte ich mir gar nicht anmaßen, Fotos als langweilig zu bezeichnen, das kann ja jeder machen, aber solche bestimmten Selfie-Typen verleiten mich immer wieder dazu.
    Wir haben wirklich so eine Bildermasse – früher hat man Stunden um Stunden an einem Porträt gesessen, jetzt macht man gleich zehn, fünfzehn pro Minute, digital, kann zur Not auch weg, wenn es nicht gut ist. Und dabei vergisst man manchmal, die Kopf-Fotos zu machen – ich muss gerade an eine Geschichte denken von einem Hund, der hat mit dem Kopf Wolken fotografiert und geordnet und sie sich später wieder angeschaut. Man sollte es ab und an wie der Hund machen. Generell, auch wenn man eine Kamera hat. Man muss ja nicht jedes Morgenlich auf Papier bannen (oder ins Internet, hallo, moderne Welt!),manchmal muss ich warten, bis es mir in den Fingern kribbelt und ich einfach jetzt sofort die Kamera brauche, dieses himmlische Licht! Meine Freunde verstehen das langsam, mein Gejubel bei hübschen Orten, warmen Sonnenstrahlen, Nebel und Wolkenspielen am Himmel. Es sind doch diese Momente, die ein Foto vollkommen machen – abgesehen von ganz vielen anderen Aspekten – das geht doch nicht mit dem Badezimmer im Hintergrund! Also, es gibt auch sehr schöne Wellness-Fotos, aber das meinte ich jetzt nicht.
    Gute Güte, ehe ich meinen Gedankengängen selbst nicht mehr folgen kann, lasse ich es besser bleiben. Die ersten beiden Fotos finde ich magisch, das sind schöne Augenblicke. Und das ichweißnichtwievielte mag ich auch, als hättest du irgendetwas im Gesträuch entdeckt. (:

    Alles Liebe,
    Märchenkind

    • Carolina

      Also Duckface muss auf jeden Fall unbedingt mit dem Smartphone aufgenommen werden. Oberste Spiegelduckfaceregel. 😉
      Was ist das für eine Geschichte mit dem Hund? Sie klingt schön!

      Es ist vielleicht für andere manchmal etwas befremdlich, wenn man sich über solche Kleinigkeiten freut, aber andererseits merken sie dann selber oft, wie schön die Dinge sind. Manchmal muss man wieder daran erinnert werden, aufmerksam zu sein. Da nehme ich gerne in Kauf, dass mich jemand im ersten Moment komisch ansieht, wenn ich bei einem bestimmten Licht losfetze wie vom Blitz getroffen, um meine Kamera zu holen. 😀

    • Carolina

      Ich denke, man muss einfach unterscheiden. Ist es ein rein zweckorientiertes Bild oder eines, hinter dem eine Botschaft steht. Klar, bei der Bildermasse ist nicht mehr jedes einzelne wie ein seltenes Gut, aber den Unterschied zwischen beiden erkennt man eigentlich doch sofort auf den ersten Blick!

  8. Sehr schön geschriebener Text! Das mit dem Fahnden nach Locations oder ständig im Kopf ein Foto machen habe ich auch! 😀 (Obwohl ich eine 16-Jährige mit einer Nikon bin :D) Aber ich bezeichne mich auch nicht als Profi, das finde ich immer sehr schwierig zu behaupten!
    Das zweite Bild ist übrigens der Hammer!
    Grüße, Maybrit

    • Carolina

      Gegen 16 jährige mit Nikonkameras ist ja auch grundsätzlich üüüüüüüüüberhaupt nichts einzuwenden. Das war natürlich einerseits ein wenig provokativ und andererseits ein kleines Klischeebildchen, welches ich da entworfen habe und trifft natürlich nicht auf jeden zu. 🙂 Das war mal grob über den Kamm geschehrt – aber ich denke, du weißt, wie ich es gemeint habe.

      Vielen Dank und ganz liebe Grüße!

  9. „Du kennst dich doch mit Fotografie aus! Was ist wichtiger, ein gutes Objektiv oder eine gute Kamera?“
    Meine Antwort: Der Fotograf!

    Klar ist fotografieren total easy geworden und jeder kann alles in einem Bild festhalten.
    Die Frage und der Unterschied ist aber das wie.
    Deine Bilder verzaubern mich immer wieder und wenn ich dann mal im Wald bin und denke, hey ich teste das mit dem warmen Licht und der Stimmung auch mal, dann versage ich gänzlich.
    Die arme Spiegelreflex kann nichts dafür, dass ich keine Ahnung habe, was ich da tue 🙂

    Erst letztens habe ich einen tollen Post über die Vor und Nachteile eines professionellen Hochzeitsfotografen gelesen, mit Bildbeweisen und es ist einfach so.
    Wenn jemand Fotografieren kann, dann kann er es, wenn nicht, dann wird auch die beste Kamera (die es super billig zu haben bekommt) nie auf die Reihe bekommen.

    Wenn ich sehe, welche Fotos teilweise unglaublich viele likes absahnen und wie viele wirklich tolle Bilder gänzlich unbeachtet bleiben frage ich mich mittlerweile nicht mehr warum.

    Dein Post hat wieder zum nachdenken angeregt!

    Ich bin traurig, dass ich letzte Woche in Nürnberg war aber keine Zeit gehabt habe.
    Gerne wäre ich mal mit dir zum Kaffeeklatsch oder gleich in den Wald gegangen 🙂

  10. Hallo Carolina,

    Mit diesem Post sprichst du mir aus der Seele. Mit der Fotografie scheint eine Leidenschaft bei mir gefunden zu sein. Und ich meine, ja, Fotos sind überall, aber ist das nicht toll? Fotos sind so etwas Wunderbares, Kraftvolles. Sie können uns zeigen, was wir sind, was wir sein wollen. Durch Fotos kann man die Schönheit dieser Welt und ihre Einfachheit so schön hervorheben. Selbst simple Dinge wie deine Kaffeetasse oder eine Blume können so fantastisch und mystisch aussehen, wenn man sie richtig erwischt, und einem ein schönes Gefühl vermitteln.
    Das war ein sehr schöner Post von dir! Das erste Bild finde ich übrigens am allertollsten, kannst du mir verraten, wie bzw. mit was du das bearbeitet hast? 🙂

    LG Leonie

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