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The fifth season

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Jetzt ist es soweit. Nachdem am Wochenende die Uhren umgestellt wurden und wir mit Siebenmeilenstiefeln dem Winter entgegenlaufen, kann selbst ich mir bei den letzten tief stehenden Sonnenstrahlen nicht mehr einreden, dass wir uns noch mitten im Spätsommer befinden. Kein Wunder eigentlich, dass ich erstmal ordentlich krank geworden bin, wenn ich mir gerade so mein letztes „Spätsommeroutfit“ ansehe.

Nachdem die Natur in den letzten Wochen ihre große bunte Party gefeiert hat, beginnen sich jetzt schon die Alleen, Parks und Straßenränder langsam zu lichten. Beim Spazierengehen wirbeln die Blätter durch die Luft, als gäbe es einen inoffiziellen Wettbewerb, wer wohl zuerst am Boden ankommen mag. Menschen laufen laut raschelnd über den dichten bunten Laubteppich.
Wenn ich abends durch die Stadt spaziere, riecht man es in der Luft: Die ersten Kamine werden angezündet und man sieht die vereinzelten kleinen Wölkchen aus den Schornsteinen in den grauen Himmel emporsteigen.
Wie nach einer großen Feier, wenn die Stühle auf die Tische gestellt werden und mit einem großem Besen die vielen Hinterlassenschaften zu einem großem Haufen zusammengekehrt werden, beginnt die Natur nun auch, die Reste der Herbstfeier zusammenzuräumen. Menschen mit viel zu lauten Laubsaugern machen die Straßen wieder leer und grau, morgens liegt ein dichter Nebel über den letzten bunten Bäumen, die sich noch genau wie ich ein wenig länger an die endende Jahreszeit klammern.

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Ich liebe den Herbst. Und anders als viele Menschen, denen es vor den regnerischen trüben Novembertagen graut, freue ich mich auf diese Zeit. Es ist meine fünfte Jahreszeit. Jene Zeit, in der ich endlich mal ohne ein schlechtes Gewissen daheim bleiben kann. Mich mit einem Buch und einer dampfenden Tasse Kaffee ins Bett legen kann – und sei es bereits um sechs Uhr abends. Das ist normalerweise undenkbar. Vor einem knisternden Kamin liegen und einfach mal – nichts machen. Eigentlich ausgeschlossen.
Sonst versuche ich jede Minute des Tages voll und ganz zu nutzen, nichts darf verloren gehen, ausruhen ist tabu. Wie ein kleiner ferngesteuerter Roboter jongliere ich übervolle Tagespläne. Ein Vollzeitjob wirbelt im hohen Bogen um mich, hopp und nächster Ball: Shootings müssen geplant werden. Blogpost um Blogpost, das Pferd wartet schon auf dich. Hopp nächster Ball, ein Seminar hier, ein Kurs da. Und dann sind da noch Familie  und Freunde. Und du möchtest ihnen allen gerecht werden. Keinen enttäuschen. Bloß nichts davon fallen lassen. Der Kopf immer auf Maximalgeschwindigkeit, sei kreativ! Ideen und Gedanken reihen sich ein in dieses Spiel bei dem es nur eine einzige Regel gibt: Ja nichts fallen lassen. Auffangen, festhalten, hochwerfen. Auffangen, festhalten, hochwerfen.
Bloß nicht patzen, sonst fällt alles in sich zusammen, knallt auf den Boden und kullert um deine Füße herum, sodass du aufpassen musst, nicht auch noch ins Straucheln zu geraten und hinzufallen.

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In diesen Tagen aber bin ich gelassener, nicht mehr ganz so hektisch, weniger gestresst. Kann auch mal runterfahren. Weniger Bälle sind es vielleicht nicht unbedingt geworden, aber die Zwischenräume von einem Auffangen zum nächsten werden etwas größer.
Die fünfte Jahreszeit meint es eigentlich nur gut mit uns: „Schaltet mal runter,“ scheint sie zu sagen. „Ihr verpasst gerade auch nichts, versprochen!“

Seid gut zu euch. Das macht man viel zu selten. Wir kümmern uns um alles – außer  um uns selbst. Aber nicht jetzt. Jetzt ist auch mal Zeit für mich.
Und dann mischt sich in dieses seltene Gefühl der Ruhe noch etwas anderes: Vorfreude. Vorfreude auf knirschende Schuhsohlen, die über gefrorenen Boden laufen. Das Gefühl von Zuhause, wenn man nach einem langen Spaziergang draußen in die Wohnung kommt. Glitzernde Städte und Dörfer – so schön hergerichtet wie zu keiner anderen Zeit des Jahres. Menschen, die sich vertraut um dampfende Glühweintassen drängen und leicht pustend der Kälte trotzen. Eiskalte Luft am Morgen. Sie raubt dir den Atem und gleichzeitig fühlt es sich an als würde man bei jedem tiefem Atemzug alten Ballast in einer kleinen Wolke ausatmen und neue reine Kraft einatmen.
Vorfreude jedes Jahr aufs Neue. Aber halt, nicht gleich wieder hetzen. Erstmal genieße ich die fünfte Jahreszeit.

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Outfit

// Grobststrickpullover rosé // weiße Shorts // Wildledertasche mit Kettenhenkel // all H&M //
// goldenes Amulett – Bijou Brigitte // Hellgraue Boots mit Goldschnalle – Deichmann //

Fotos

// Foxes & Fairies //

25 Kommentare

  1. Abgesehen davon, dass deine Bilder wunderschön sind mit dem rosafarbenem Licht, haben deine Worte irgendwie ganz viel in mir ausgelöst. Ich bin nicht unbedingt ein Freund von den kalten Jahreszeiten, ich hasse es zu frieren und strecke mein Gesicht immer nach den letzten Sonnenstrahlen um so viel Sommer wie möglich abzubekommen. Aber du hast so unheimlich schön über den Herbst und auch den Winter gesprochen, dass ich jetzt mit einem anderen Blick daran gehen kann. Du hast recht! Das ist die 5. Jahreszeit und wir alle brauchen eigentlich diese Wochen um uns zu erholen und Luft zu holen um dem Weihnachtsstress Herr zu werden! Und was ist schöner als sich unter eine dicke Daunendecke zu kuscheln mit einer Tasse Tee, Kerzenschein, Modezeitschriften und dem Laptop auf den Knien? Das mache ich heute Abend 🙂
    Ein wunderschöner Text, danke!
    Liebst, Lotte von http://www.fashion-verlottert.de

    • Carolina

      Ja, ich nutze auch noch den letzten Sonnenstrahl, aber dann schaue ich eben auf die nächsten schönen Dinge, die ich liebe! 🙂 Das ist meine Taktik. Wie fabelhaft, wenn ich dich damit vielleicht ein klein wenig anstecken konnte! ♥

  2. Wiedermal ein wunderschöner Post mit tollen Bildern 🙂
    Ich persönlich kann mich auf jeden Fall damit identifizieren.
    Diesen ständigen Druck zu haben nichts fallen zu lassen 🙂
    LG Juli von Rahmenlos

  3. Nach deinem wundervollen Post kommt mir der Winter und seine Kälte gar nicht mehr so bedrohlich vor. Und ich fühle regelrecht, wie mich der Herbst auch runter bringt. Mich zur Ruhe kommen lässt.

    Danke für die perfekten Worte zur fast perfekten Jahreszeit – das einzige was mich wirklich stört ist dass es schon dunkel ist wenn ich von der Arbeit heim komme.

  4. Bastian

    hoffe, du hast dich gesundheitlich wieder erholt 🙂 was für ein schöner herbsttext…ich mag den herbst, obwohl auch ein wenig abschiedsstimmung in der luft liegt, ist es trotzdem eine schöne zeit, die auch immer etwas behagliches ausstrahlt. durch die straßen gehen, rauchende schornsteine und licht in den fenstern sehen…sich auf zu hause freuen. outfit ist ja wohl wieder der hammer. besonders foto vier…was hast du für tolle haare…und dann die super shorts mit der dunklen strumpfhose…eine richtige zuckerfee !!

    • Carolina

      Danke liebe Frau Bradshaw. Ja, du hast Recht, wir sind meistens immer mehr mit den anderen beschäftigt, als mit uns selber. Was ja eigentlich auch recht ehrenwert ist. Aber ab und an darf man schon auch mal ein wenig egoistisch sein. Also ich versuche es auf jeden Fall. (mit mehr oder weniger gutem Erfolg)

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