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Für Juli, Domi und Janni.

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Ich werde oft gefragt, wer denn die Bilder macht, auf denen ich selber drauf bin. Da ich was meine Kameraausrüstung angeht fast gollumartige Züge an den Tag lege, kümmere ich mich meistens selber darum. Das geht. Einfach eine Frage von etwas Geduld, Gefühl und Übung.
Zur Abwechslung kann es aber auch ganz schön sein, wenn jemand anders die Arbeit erledigt und so kooperiere ich dann doch ab und an mit meinen Brüdern.
Was man in der Regel auch sofort erkennt: Meistens ziehe ich irgendwelche Grimassen (weil der eine wieder erst noch seine Zigarette ausrauchen muss), lache (Brüder!) oder bin auf der Hälfte der Bilder am reden (Anweisungen sind wichtig – auch wenn sie vollkommen ignoriert werden).
Die Bilder von diesem Post sind am Sonntag entstanden und nachdem der eine mittendrin losmusste, weil er Hunger hatte und der andere dann das unvollendete Werk fertigstellen sollte, war das ganze am Ende hasenwild. Zwischendrin kam noch Besuch und plötzlich stehen da, wo ich mich gerade mental auf eine lässige Pose vorbereitet habe, zehn neugierige Leute. Alle wollen mal gucken. Dazu noch meine Mutter, für die Fremdschämen oder Taktgefühl Begriffe sind, die in ihrer Welt keinen Platz mehr gefunden haben. Ja, man hat es wirklich nicht leicht als ambitionierter Blogger. Zumindest nicht in meiner großen chaotischen Familie. Aber ich liebe sie und gerade meine Brüder und ich sind inzwischen eine eingeschworene Gemeinschaft, die aufgrund einer schier unzählbaren Zahl an Insiderwitzen von unserem Umfeld nur noch sehr partiell verstanden wird. Mit jedem Jahr bin ich dankbarer, drei Brüder zu haben. Dies hier ist also meine Art und Weise einer kleinen Hommage an Geschwisterliebe. Meine Liebeserklärung an drei der wichtigsten Menschen in meinem Leben.
Hier ein paar Gründe, warum Geschwister einfach fabelhaft sind. (Und tut mir Leid an alle meine Einzelkindleser. Das ist heute etwas diskriminierend.)

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1. Vollkommen egal, wie viel Geld du mal verdienen wirst, welchen Beruf du ausüben wirst und welche Position du haben wirst: Selbst wenn du König eines fernen Landes, Bundesfinanzminister oder Herrscher der Welt wirst – deine Geschwister werden niemals die Momente vergessen, in denen du dein Fahrrad mit einem Springseil gelenkt hast, weil das Zügel sein sollten, du eine magische Kerze der Wahrheit hattest oder in einem Mickey Mouse Shirt zu Ricky Martin getanzt hast.

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2. Absolut unerheblich, wie alt du mal sein wirst: Mit Geschwistern bleibst du immer ein Stück weit das Latzhosen tragende Kind von damals, das sich im Spielwarenladen in einem Tobsuchtsanfall auf den Boden geworfen hat, weil es unbedingt den elelektrischen Bagger mit Fernsteuerung haben wollte. Un-be-dingt.
Selbst mit 90 Jahren könnte ich meine Brüder ansehen und würde sofort die kleinen süßen Jungs vor mir sehen, mit denen ich unzählbare Kniffelduelle bestritten habe, wo Mensch-ärgere-dich-nicht Runden regelmäßig fast in einer Messerstecherei geendet haben, mit denen ich illegal in leerstehende Häuser geklettert bin, stundenlang Lego Raumstationen gebaut habe und denen ich in Ermangelung einer Schwester Mädchenfrisuren geflochten habe. Ich werde immer die jungen Männer vor mir sehen,  mit denen ich über Sorgen gesprochen habe, zusammen den Soundtrack zu Pokemon geschmettert habe – mit 27 wohlgemerkt – und mit denen ich so einiges Mal gefeiert habe.
Geschwisteraugen sind die wahren Jungbrunnen. Geschwistererinnerungen das beste Konservierungsmittel, das es gibt.

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3. Du kannst du selbst sein.
Selten kann man so ungeschminkt (sprichwörtlich und bildlich), so komplett ohne Fassade, so ganz und gar man selbst sein. Einen Menschen von Kindheit an zu kennen, ihn immernoch zu mögen, wenn er in der Pubertät ist und zu erleben, wie aus dem Kind eine erwachsene Person wird – das ist harter Tobak, aber es schweißt mehr als alles andere zusammen und macht alle Maskeraden unnötig.
Du musst nicht seriös wirken, denn dein Bruder weiß, dass du dir heimlich im Bad Pickel ausdrückst. Du musst nicht so tun, als wärst du besonders souverän, denn deine Schwester weiß, dass du bis heute Angst im Dunkeln hast und deswegen selbst mit 35 nicht alleine in den Keller gehen willst. Es ist zwecklos vorzugeben, man wäre gut bei Kasse. Sie wissen, dass du sie noch letzte Woche um Geld angepumpt hast.
Du bist du. Ohne Spielchen. Ohne alles.

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4. Geschwister machen dir keine Vorhaltungen auf diese Art, wie es Eltern gerne tun.  Aber sie können nichts dafür. Das ist ihr Beruf. Und ich schätze, Eltern können niemals dieses „aber ich bin älter und deswegen auch sehr viel reifer als du“ Gefühl ablegen. Niemals. Meine Mama kann sich selbst dann noch im Recht fühlen, wenn sie zähneknirschend zugegeben hat, sich getäuscht zu haben. Erst am Wochenende kam es beinahe zum Familieneklat wegen ein paar Haaren in der Dusche und der Frage nach dem Besitzer besagter Haare. Nun ja – es wurde auch schon aus geringeren Anlässen gemordet. Zugegeben.
Geschwister sind da toleranter. Sehen dir länger geduldig zu, wie du im Dunkeln tappst. Aber du weißt, wenn deine Geschwister den mahnenden Zeigefinger erheben – dann solltest du dir wirklich Gedanken machen.

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5. Du bekommst von Geschwistern die ungefilterte Wahrheit in dein Glas geschenkt. Dabei ist es unerheblich, ob du die Wahrheit eigentlich hören wolltest oder nicht. Sie fassen dich nicht mit Samthandschuhen an, wie die besten Freunde, die deine zarten Gefühle niemals verletzen wollen. Wenn man den anderen schon mal um die Ecke legen wollte,  kennt man keine Samthandschuhe mehr. Geschwister müssen sich weder darum Gedanken machen, dass die Freundschaf kaputt gehen könnte, wenn sie dir sagen, dass du in dem Outfit kacke aussiehst. Noch müssen sie – wie oft ein Partner – ihre Worte mit Bedacht wählen. Sie sagen dir unverblümt, wenn du zugenommen hast, denn sie müssen nicht fürchten, dass du sie eine Woche lang mit striktem Liebesverbot bestrafen könntest. Es ist nicht immer schön, manchmal macht es einen wütend, sprachlos – doch du kannst dir sicher sein: Selten wirst du die Wahrheit so ohne Geschenkpapier, bunte Schleifen und Glitzerbitzertamtam erhalten wie von deinen Geschwistern.

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6. Selten ist eine Liebe reiner, echter und tiefer.
Sie sind deine Familie, deine besten Freunde, deine Wegbegleiter ein Leben lang.  Ohne Wenn und Aber. Ohne „Was ist, wenn..“. Ohne Angst, verletzt zu werden. Ohne jeden Zweifel.
Ja ihr drei. Ich liebe euch sehr.

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Outfit
// Boyfriend Shorts – H&M // Spitzenoberteil – Divided // Strickcardigan – Tally Weijl // Mütze – Urban Outfitters // Schnürstiefeletten – Flohmarkt // Ledergürtel – vom Bruder geliehen //

Fotos
// Foxes & Fairies //

40 Kommentare

  1. Bastian

    huhu Carolina, was für schöne fotos…die sind wirklich toll geworden. besonders die farben gefallen mir wieder richtig gut. outfit selber ist super…sieht sehr lässig und cool aus…steht dir ausgezeichnet. du bist aber auch so ne‘ süße Ms Fox die in jedem outfit hübsch aussieht 🙂

  2. Jul

    schön gesagt…du hast den pferdeclub vergessen! und, dass du mich immer wieder ermutigt hast, mich auf ein pferd zu setzen, das mich wirklich wirklich nicht gern hatte und mich immer aufs übelste abgeworfen hat 😀
    btw…ich wette, das zugehörige video von deinem ricky martin dance würde sich hier super machen 😉

  3. Es war wieder wundertoll deinen Text zu lesen – sogar mit ein zwei Tränchen in den Augen, da du vollkommen recht hast und ich dir in allem zustimmen muss! 🙂 Ich bin auch dankbar einen kleinen großen Bruder zu haben und verstehe mich mit ihm blind. Wir sehen uns leider selten, aber wenn wir mal zusammen sind, dann können wir selten ernst bleiben und schwelgen in Erinnerungen.
    Die Bilder gefallen mir auch wieder wahnsinnig gut, vor allem die Mütze steht dir 😉
    Liebste Grüße,
    Frau Porzellan.
    PS: Ich singe auch noch regelmäßig den Pokemon-Soundtrack aus meiner Kindheit 😀

  4. wunderbarer post ♥
    kann ich nur so unterschreiben.. du hast das richtig schön beschrieben 🙂
    ich bin auch sehr dankbar, dass ich meine schwester habe, auch wenn’s nicht immer nur eitel sonnenschein war und wir uns teilweise als kinder auch mal richtig angezickt haben, gab es auch so schöne momente und gibt es immer noch. geschwister sind toll!!!
    liebste grüße,
    maze von http://annosarusrex.blogspot.de/

  5. Was für ein cooler Post. Die Einleitung finde ich der Hammer. Und ja allerdings frage ich mich, wer denn immer die Fotos von dir schießt. 🙂 Aber das ist wirklich so. Plötzlich kriechen sie alle aus ihren Löchern und starren dich fasziniertan, wenn du gerade dabei bist deine Mimik vorzubereiten oder deine Hände irgendwo zu platzieren…Oh je 😀 Ich kann es mir also bildlich durchaus gut vorstellen wie dass dann am Sonntag für dich abgelaufen ist! 🙂
    Aber die Hommage an deine Geschwister/Brüder ist toll verfasst. Geschwister zu haben ist wirklich etwas besonderes. Man geht mit ihnen sprichwörtlich durch dick und dünn. Sie kennen eigentlich fast jede Seite von dir und wissen wer du bist. Das ist wirklich schön…ganz toller Text 🙂

  6. Das hast du wirklich mal wieder super geschrieben. Ich konnte mich da absolut wiederfinden. Da könnte man seine Geschwister so oft erwürgen und sie sind trotzdem das Beste, was man haben kann.

    Darf ich mal fragen wie alt deine Brüder sind? Älter oder jünger als du? 🙂

      • Ich wollte früher immer einen großen Bruder. Ich hab mir das unglaublich toll vorgestellt, aber nachträglich ließ sich da nichts mehr machen. Wurde dann ’nur‘ ein jüngerer 😀 (und eine kleine Schwester).
        Hat aber auch was Gutes, die Älteste zu sein, find ich 😀
        Mein Bruder macht seine Beschützerrolle auch mit 6 Jahren unterschied sehr gut, wird bei dir vermutlich bei gleich drei nicht anders sein 😀

        Dann sag ich es dafür doppelt: Du siehst lachend einfach umwerfend aus 😉

        • Carolina

          Hahaha, ne ne, nachträglich wirds bissi schwer mit dem älteren Bruder! 😀 Ich hätte das auch gerne gehabt, aber je älter die „Kleinen“ werden, umso mehr werden sie dann doch ein wenig wie ein großer Bruder. Also ich denke, das lassen se sich dann eben nicht nehmen, die Jungs. 😀

  7. Mai

    Ich muss sagen, erst nachdem ich alle Kommentare hier gesehen habe, habe ich mir deine Fotos erst richtig angeguckt. Ich konnte mich kaum halten, deine Aufzählungen zu lesen und habe mich über jeden neuen Grund gefreut. So schöne Worte! Also alles in allem ein sehr schöner Post 🙂

  8. Ach, was für süße und sympathische Fotos und danke für diese Ode an Geschwister. Auch diese Aussagen würde ich wieder absolut unterschreiben. 🙂
    Ich wollte ja immer Brüder oder zumindest einen älteren Bruder haben, bekam aber „nur“ zwei jüngere Schwestern. 😉 Ich liebe sie und würde sie auch niemals missen wolle. ♥

    Liebe Grüße,

    Aci

  9. Ein so wunderbarer Post.. und ich kann dem ganzen auch nur zustimmen.. Ich hab eine große Schwester und früher wollte ich immer einen großen Bruder haben, aber heute würde ich meine Schwester mit nichts auf der Welt tauschen.. Natürlich haben wir uns früher auch zwischendurch wirklich tierisch angezickt und angegiftet, aber wie du schon geschrieben hast – das gehört einfach dazu.. Heute piesacken wir uns gegenseitig, schleudern uns die (manchmal nicht so schönen) Wahrheiten entgegen und trotzdem haben wir uns lieb..
    Pokemon haben wir früher allerdings nur selten gucken dürfen, deswegen schrillte bei uns immer eher Sailor Moon, Hanni und Nanni und auch Bibi Blocksberg durchs Haus und.. psst heute auch manchmal noch, wenn wir zusammen sind.. 😀 🙂
    PS: Die Bilder sind super geworden, man kann sich die Situation richtig vorstellen und die Mütze erinnert mich an meine eigene – gefällt mir.. 🙂

    • Carolina

      Also Geschwister, die sich nicht schon mal angezickt oder angegiftet oder geprügelt haben – gibt es sowas überhaupt?! 😀
      Und Sailor Moon, Hanni und Nanni und Bibi Blocksberg waren auch Heldinnen meiner Kindheit (und ich war total verknallt in den Typen mit der Rose bei Sailor Moon 😀 )

      • Eine gute Frage.. 😀 Wäre ziemlich unglaublich, aber vllt ist es bei einigen Zwillingen so, dass die sich kaum streiten.. Ich wollte früher auch ein Zwilling sein und bin auch darüber froh, nur eine Schwester zu haben, die älter ist.. 😀
        War auch immer das Beste – oder ist.. Oo Ohhh jaaa.. Tuxedo Mask oder so?! Später fiel uns auf, dass es eig. komplett unlogisch ist, dass niemand sie im reelen erkennt.. also „verwandelt“ hatten die sich schließlich wirklich nie zur Unkenntlichkeit – vor allem Sailor Moon mit den langen Zöpfen war nun wirklich leicht zu erkennen. Da fällt mir die Mottowoche in der Schule ein – Tag 4: Kindheitshelden.. Rate mal wen ich darstellte 😀

        • Carolina

          Genau der! 😀
          Ach, die Logik in Kinderfilmen ist eine ganz Besondere! Die darf man nicht mit Erwachsenenaugen hinterfragen!
          Ich glaube, ich kann mir denken, als was du gegangen bist! 😉

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