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We wish we wish and all we do is wait

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If you spend your whole life waiting for the storm, you’ll never enjoy the sunshine.

Morris West

 

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Wenn man lange genug wartet, wird das schönste Wetter. Abwarten und Tee trinken. Geduld ist eine Tugend.  Nichts überstürzen.  Hab´ Geduld, alle Dinge sind schwierig, bevor sie leicht werden. Erstmal abwarten.

Eine schier endlos lange Zahl an Sprüchen und Weisheiten die uns immer wieder sagen – Halt, immer schön langsam. Immer wieder: Warte! Und genau das tun wir. Wir Menschen warten und warten. Und wenn wir nicht gerade warten, dann warten wir, dass etwas passiert. Auf dieses ominöse Etwas, das in unseren Köpfen so wundervoll und exorbitant sein muss, dass es sich darauf zu warten lohnt. Wenn’s sein muss auch bis in alle Ewigkeit.
Wie viele Stunden unseres Lebens verbringen wir einfach nur mit dem Gedanken auf irgendetwas zu warten?
Und sei es oft noch so simpel. Nein, lieber erstmal abwarten, was geschieht – und wenn es dann doch wie ganz von alleine auf uns zukommt, dann können wir mit bestem Gewissen sagen: Es sollte so sein. Das war einfach Schicksal. Und so einfach und gefährlich ist der Umkehrschluss – wenn nicht, dann sollte es eben nicht so sein. Gewissen beruhigt. Puh, da haste ja nochmal Glück gehabt.
Abwarten und Tee trinken. Wie viele Hektoliter Tee haben wir schon in uns gekippt, wo vielleicht eher ein Doppelter von Nöten gewesen wäre.

Anstatt der älteren Dame, die quasi mit dem Eintritt ihrer Menopause auch ihre Freundlichkeit gegenüber der Menschheit – insbesondere der Jugend (die ja ohnehin absolut verdorben ist) – abgelegt hat, zu sagen, dass sie sich soeben an der Kasse mit ihrem Heidelbeerjoghurt und den Fruchtgummis vorgedrängelt hat, schweigen wir lieber. Und warten eben 5 Minuten länger (Schließlich muss sie ja noch ihr Kleingeld loswerden). Was sind schon 5 Minuten in einem ganzen Leben.
Anstatt unsere Haare nass werden zu lassen, warten wir lieber 20 geschlagene Minuten  unserer Lebenszeit unter einem Dachvorsprung – es könnte ja bald aufhören. Nur um nach abgelaufener Zeit festzustellen, dass es immer noch wie aus Eimern gießt und wir zusätzlich unseren Bus verpasst haben. Und nass ist man letztendlich natürlich doch noch geworden. Aber was sind schon 20 Minuten, wenn man doch ein ganzes Leben zur Verfügung hat.
Anstatt einem Freund zu sagen, dass sein Partner unehrlich und eine absolute Niete ist, wartet man lieber, bis er es selber merkt. Bloß nicht einmischen. Auch wenn es ein Jahr dauert, bis er das realisiert, was schon alle vor ihm wussten. Ein Jahr Verschwendung – das ist doch zu verkraften!
Wir sind wütend auf jemanden, aber schlucken es runter, wenn wir uns ungerecht behandelt fühlen. Lassen alles anstauen zu einem einzigem verknoteten Wutknoten. Wutknoten können lange überleben. Viele Jahre.
Und man könnte den Typen, der einen schon länger von der Bar aus ansieht, ansprechen. Man könnte. Aber nein. Lieber mal abwarten, was er macht. Weil: Zu viel Angst.
Und eine weitere Grundregel: Freu dich ja nicht zu sehr im Vorfeld – sonst ist es ja enttäuschend, wenn es dann am Ende doch nicht klappt. Freuen erlaubt – aber bitte langsam.

Wie oft tragen wir Worte mit uns herum – unfähig sie laut auszusprechen?

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Also stehen wir da, mit all unseren vielen Wünschen, Ideen, Träumen und Hoffnungen. Und warten. Aber auf was warten wir eigentlich?

Warten wir darauf, dass sich unsere Erwartungen auf magische Weise von selbst in etwas Reales erfüllen während wir im Schneidersitz und gefalteten Händen dasitzen und auf etwas hoffen, dass die einen Glück und die anderen Schicksal nennen?
Wir warten, dass wir in einer sternenübersäten Nacht eine Sternschnuppe am Himmel erblicken, denn das wäre ja ein gutes Zeichen. Wenn das Horoskop aus der Glamour uns sagt „Ihr Glücksmann diese Woche ist der Löwe“, dann sehen wir das als ein Omen, den hübschen Typ aus dem Café letzte Woche (der zufällig Löwe ist) doch mal näher kennenzulernen.
Ständig brauchen wir einen schicksalshaften Tritt in den Hintern. Sonst stehen wir da, wie eine kleine flauschige Schafherde – in ständiger Erwartung vor dem was passieren könnte. Aber gemacht wird nichts.
Ich nehme mich da nicht aus. Ein geschlagenes Jahr habe ich die Idee mit mir herumgetragen, einen Blog zu schreiben. Ein ganzes Jahr habe ich nichts getan, als diese Idee wie ein mentales Schmuckstück mit mir durch 12 Monate zu tragen.  Aber was für einen Wert hat ein Schmuckstück schon, wenn es niemand sehen kann? Ganz genau. Überhaupt keinen.

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Versteht mich nicht falsch. Ich glaube schon an etwas. Ich kann nicht genau sagen, was es ist – ich schätze, ich habe keinen Namen für dieses Etwas. Vielleicht gefällt mir auch einfach die Vorstellung nicht, dass es nichts Magisches, nichts Besonderes, nichts Schicksalshaftes geben könnte. Und ja, vielleicht sollen manche Dinge auch wirklich einfach passieren. Weil sie genau richtig sind.
Aber ich weigere mich dennoch, ständig abzuwarten, dass dieses unbekannte Etwas so nett sein könnte und sich zu mir gesellen könnte. Ich mag Tee, aber noch mehr mag ich Kaffee. Statt „Abwarten und Tee trinken“ – Kaffee trinken und loslegen. Wie wäre es mal damit?
Statt Ewigkeiten zu überlegen, ob man sich nun die Haare abschneiden soll oder nicht, einfach mal machen. Es sind doch bloß Haare. Anstelle sich den Kopf darüber zu zerbrechen, ob man nun mit den Freunden in die Achterbahn steigt, bei der einem der Puls schon beim Zuschauen nahe der Kollapsgrenze schlägt – einfach mal einsteigen. Anstelle sich nur zu denken, wie toll man jemanden findet, es einfach mal laut sagen.

Also lasst uns doch mal kurz Bilanz ziehen: Zählten wir all die Minuten zusammen, in denen wir uns über etwas oder jemanden geärgert haben – es aber niemals laut ausgesprochen haben. Auf Momente gewartet haben, die so sinnleer waren, wie ein Selbstportrait vor dem Badezimmerspiegel mit dem Titel „Me“. Wenn wir all diese anstrengenden und auszehrenden Minuten des Wartens addierten, in denen wir auf etwas gewartet haben und dabei fast verrückt geworden sind – dann würden wir wahrscheinlich auf der Stelle sofort die Schafherde verlassen. Denn aus vielen fünf Minuten wird plötzlich ein halbes Leben. Statt immer nur zu warten und zu hoffen: Es tun. Ja, das erfordert eine riesen Portion Mut, die ältere Dame an der Kasse zu fragen, ob der Anstand wohl heute nicht im Sonderangebot war. Aber hey – hat man es erstmal laut ausgesprochen, fühlt man sich irgendwie besser.
Weg mit dem Tee, her mit – naja, was auch immer euch schmeckt. Tod den Wutknoten. Raus aus der Schafherde.

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Fotos
//Foxes & Fairies //

 

28 Kommentare

  1. Ich habe heute auch mal wieder gewartet, und jetzt, wo ich das lese, ist es noch ein bisschen trauriger. Es häuft sich wirklich, bald ist meine Schulzeit vorbei und dann ist es dafür auch zu spät. Aber man glaubt wirklich fast immer daran, dass noch etwas passiert, warum nicht, es könnte ja so werden wie in meiner Traumwelt und überhaupt. Nur dass es meist nicht so ist. Dann stehen sich nur zwei schweigende Menschen gegenüber um zu schauen, ob der andere vielleicht das Wort ergreift. Und eigentlich müsste ich das wissen; ich gehöre doch zu den Menschen, die genug Zeit haben und in der letzten halben Stunde aufgescheucht durch die Wohnung rennen, weil sie dachten, die letzten Minuten würde reichen, man kann ja davor noch andere Dinge tun, noch warten – und dann wird es, ehe man es überhaupt bemerkt, später, als man denkt. Du meine Güte, ich muss wirklich meine Uhren aufziehen, bis es Mitternacht schlägt!
    Oh, und fast hätte ich es vergessen, aber ich wollte dir noch das hier zeigen. Habe ich letztens gesehen und musste an die Fuchsfee denken. 🙂

    Alles Liebe,
    Märchenkind

    • Carolina

      Selbst für die Traumwelt muss man ab und an mal aus der Traumwelt herausgekrochen kommen mit erhobender Fahne und ein wenig in die Schlacht ziehen. Mal so bildlich gesprochen – aber ich denke du verstehst mich. Ich lebe ja selber nur zu gerne in einer eher sehr utopisch angehauchten Welt – daher ging dieser Post schon auch ein Stück weit an mich selber. Ich denke auch so oft viel zu viel und viel zu lange nach – bis ich gar nicht mehr weiß, was ich eigentlich will. Und zack – ist der Moment vorbei und man steht wieder da mit einer verpassten Chance und ärgert sich maßlos über sich selber.
      Und wow – was für ein zuckersüßes Bild – ach, ich freu mich immer so, wenn jemand bei einem Fuchs an mich denkt und mir das schickt! 🙂 ♥

  2. Ein richtig toll geschriebener Text der so viel Wahrheit beinhaltet. Ich glaube wir alle haben das Problem, dass wir erst mal alles auf uns zukommen lassen, abwarten, abschätzen und dann entscheiden, dabei sollte man einfach sofort entscheiden. Klar tappt man dann auch mal ins Fettnäpfchen aber das gehört halt dazu zum Leben.
    Tolle Bilder und ich lieebe deinen Kleidungsstil 🙂
    Liebste Grüße,
    Jone

    • Carolina

      Ja, das Problem ist, dass man manchmal so lange abwartet, bis der Moment schon wieder vorbei ist. Bis es irgendwie schon nicht mehr passt. Das sind diese typischen Momente, die man an sich vorbeiziehen sieht und man bereut es fast im selben Moment, nichts getan zu haben. Und so oft passieren die besten Dinge, wenn man einfach mal auf die innere Stimme vertraut und etwas ausprobiert – ohne vielleicht erst 10 Jahre lang das Für und Wider beleuchtet zu haben.

  3. Franzi

    Wunderschöner Text! Sehr viel wahres steckt darin und du beschreibst es genauso, wie sich eigentlich jeder manchmal fühlt. Ich würde mich zwar durchaus als selbstbewusst bezeichnen, meide aber genauso gerne Situationen, wenn ich weiß, dass sie sich durch abwarten selbstregeln. (Oder denke das zumindest ^^).

    In vielen Dingen geht es wirklich immer schneller, wenn man einfach mal Mut beweist und über seinen Schatten springt. Aber in anderen Situationen ist abwarten manchmal ganz gut.

    Wenn ich an meine Schul-Teenager-Zeit zurück denke, als alle Mädchen natürlich umbedingt einen Freund brauchten, bin ich froh, dass ich da einfach nur abgewartet habe und das Leben so genommen hab wie es war. Weil sich bei manchen Dingen total drauf zu fixieren in der Hoffnung, dann wird es auch passieren, ist leider auch nicht immer von Vorteil.
    Klar hab ich mir damals auch einen festen Freund gewünscht. Aber das ich gleich zu Beginn des Studiums mit meinen jungen 18 Jahren einen Freund gefunden habe, mit dem ich immernoch zusammen bin, zeigt mir, dass das Abwarten manchmal echt gut ist. & es sowas wie Schicksal wohl doch gibt. 😀

    Tolle Bilder! Das Sonnenlicht hast du super eingefangen!
    Liebe Grüße
    Franzi

    • Carolina

      Franzi, mit deinen Beispielen hast du vollkommen Recht. Es gibt auch wirklich einige Momente des Lebens, da tut man gut daran nichts zu überstürzen und auch mal abzuwarten. Ich glaube, die wahre Kunst und das wirklich Schwierige ist es genau das zu unterscheiden. Wann hat man einfach nur Angst und wartet zu lange ab und wann ist es einfach nur klug, nicht sofort zu handeln. Hach, ich liebe dieses komplizierte Leben ohne jede Regel! 😀

  4. Du beschreibst dieses ewige Warten so gut. Gefangen von zu viel Tee und plüschigen Schafen. Aber es ist doch wirklich unsinnig, dass wir immer auf „den Wink des Schicksals“ warten müssen, anstatt einfach mal selbst anzupacken. Irgendwann kommt dann noch die Zeit des Aufschiebens.. auch ein sehr schönes Thema, kann ich Lieder von singen 😀
    Aber sehr schöner Text – wie immer, liebe Carolina (:

    • Carolina

      Ja, so eine teefrinkende Schafherde ist eben auch ziemlich bequem muss ich ja selber zugeben. Aber davon kommt das Glück auch nicht schneller auf uns zugeflogen. Hin und wieder muss die Herde mal ordentlich aufgeschreckt werden.

  5. Arnika

    Anscheinend sollte es so sein, dass ich genau in diesem Moment deinen Text lese 😉
    Du hast es absolut gut getroffen- ein wunderbarer Text, der mir aus der Seele gesprochen hat <3
    Und deine Fotos sind wie immer bewundernswert.

    Liebe Grüße
    Arnika

  6. Was für ein toller Text. Du sprichst mir einfach aus der Seele.
    Diese Gedanken mache ich mir auch immer, nehme mir einiges vor, aber ich setze es dann doch nicht um:
    Wenn sich an der Kasse jemand vor mich drängelt, soll er/sie halt. Von manchen Dingen lasse ich mir einfach nicht gerne die Stimmung vermiesen. 😉
    Ich habe in meinem Leben vermutlich schon zu viel Zeit wartend verbracht (ich verweise an dieser Stelle mal an manche Ämtergänge 😉 ). Manchmal lohnt es sich aber auch. Die Frage ist nur, ob man das vorher wissen konnte, bzw. abschätzen kann?

    Liebe Grüße

  7. Anmelie

    Hallo liebe Carolina,

    dieser Artikel war mein erster auf diesen Blog und ich kann einfach nicht aufhören weiter zu lesen..
    So treffend formuliert und so wunderschön geschrieben! Du hast meine Gedanken der letzten Tage und Wochen ausgesprochen (oder vielmehr geschrieben)!

    Und ich kann nur sagen – es war eine Gute Idee, dass du deinen Blog gestartet hast!

    Liebe Grüße
    Anmelie

    • Carolina

      Ach due liebe Anmelie (was für ein interessanter Name nebenbei bemerkt): Ich danke dir von Herzen, dass du vorbeigeschaut hast und natürlich für die liebe Nachricht. Mehr kann ich eigentlich gar nicht wollen, andere Menschen mit meinen Worten ansprechen, berühren und inspirieren, das ist mein höchstes Ziel!

  8. WOW deine Texte berühen mich jedes mal so sehr. Ich kann mich so oft darin wiederfinden und auch bei diesem Text sprichst du mir soo aus der Seele. Es stimmt wirklich, man wartet und wartet und wartet, anstatt das man endlich den Mut hat zu starten.

    Danke dass du mich immer wieder mit deinen wundervollen Texten ermutigst und zum lächeln oder auch nachdenken bringst.

    Du schreibst einfach mit so viel Ehrlichkeit und Charme, mach bitte weiter so. Dein Blog ist einfach super.

    Ganz liebe Grüße

    Nadine

  9. Kimi

    Wahre Worte.
    Wir warten, glaube ich, alle unser ganzes Leben lang immer wieder auf verschiedene Dinge und merken erst später, wie viel Zeit wir damit verschwendet haben. Bald ist schon wieder Weihnachten und vor allem dieses Jahr ist so schnell vorbei gegangen, ohne dass ich es bemerkt habe.
    Ich habe das Gefühl, dass dieses ständige Warten, oft die Zeit noch schneller vorbei gehen lässt. Und meistens ist es dann zu spät, um noch so manches nachzuholen.
    Man sagt so oft „Ach ich habe ja noch Zeit, um mir Gedanken darüber zu machen.“ Wie oft ich diesen Satz während meiner Schulzeit gesagt habe, oder auch in meiner Ausbildung. Und auch jetzt erwische ich mich immer wieder dabei…nur irgendwie hat sich was geändert. Ich denke es zwar oft, aber mir wird dann immer wieder schmerzhaft klar, dass die Zeit so schnell vorüber geht.

    • Carolina

      Das ist auch definitiv so. Je mehr man sich damit beschäftigt, wie schnell die Zeit doch vergeht, umso schneller tut sie das auch. Natürlich nicht wirklich – der Zeit sind wir herzlich egal und sie läuft beständig immer gleich schnell – oder eben langsam.
      Deswegen kamen uns die Tage als Kinder auch so viel länger vor. Weil wir einfach gelebt haben. Und das jeden Tag, ganz ohne sich zu überlegen „Oh, schon wieder Nachmittag, oh, schon wieder eine Woche rum, oh oh oh..“
      So bewusst zu leben sollte man sich immer wieder vor Augen führen!

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