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Vom Märchen wie aus Heu Gold wurde

Als ich klein war, habe ich sehr viele Sommer bei meinem Opa und meiner Oma verbracht. Es gibt Dinge im Leben, die prägen einen auf eine ganz besondere Weise – natürlich prägt einen ja gewissermaßen alles, was man im Leben macht und vor allem die Menschen, denen man begegnet, aber es gibt diese ganz besonderen Erinnerungen und ich halte sie in den Händen wie einen Schatz – immer darauf bedacht, ihn nicht herunterfallen lassen.

Meine Großeltern hatten damals ein Wochenendhaus und dieses Wochenendhaus war einfach wunderschön. Ein altes Bauernhaus, mit vielen Holzbalken, knarrendem Böden, alten Truhen mit noch viel älterem und geheimnisvollem Inhalt und einem richtig altem Ofen, wo man noch ein Feuer entzündet hat, wenn man abends zusammen gekocht hat.
Es gab eine alte Heuscheune und darin stand ein eines dieser Autos, wie man sie immer in den schwarz-weiß Filmen sieht, den meine Großeltern vor vielen vielen Jahren gefahren hatten. Jeder Besuch dort war ein Abenteuer, eine Zeitreise, etwas ganz Besonderes und hat sich unvergesslich in meine Erinnerung eingebrannt.

Am wundervollsten jedoch war der Geruch. Es roch dort alt, manche würden vielleicht sagen muffig. Aber es roch auch nach vielen Geschichten. Unweigerlich denke ich daran, wie meine Großeltern als junge Eltern dort die Wochenenden verbracht haben, mit Freunden die Nächte durchgeredet haben, wie viele Abenteuer mein Papa wohl mit seinem Bruder erlebt hat. Es wurde so viel gelacht, geweint, gefeiert, gestritten, gekocht und geredet. Das ist es, was ich jedes Mal dort roch und es hat mich auf eine seltsame Art fasziniert.

Einmal haben wir dort alle gemeinsam Heu gemäht. Wie damals. Mein Opa hatte eine alte Sense in der Hand, alle haben mitgeholfen und am Ende des Tages lagen dann in dem großem Garten mit den vielen Apfelbäumen viele kleine Grashaufen. Dieser Geruch von frisch gemähten Gras ist bis heute einer der wunderschönsten Gerüche der Welt für mich. Noch heute, nach so vielen Jahren lasse ich in diesen lauen Sommernächten die Scheibe des Autofensters herunter, wenn ich aufs Land zu meinen Eltern fahre und atme tief ein. Ich atme ein Stück Erinnerung, ein Stück Kindheit und vor allem: ein großes Stück Glück ein.

 

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