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Nothing is more sad than the death of an illusion.

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Nicht alles, was schön aussieht, ist wirklich schön.
Nicht alles, was wir jahrelang für richtig gehalten haben, ist es wirklich.
Wir sind uns so sicher etwas zu wissen. Und irren uns.
Wir glauben jemanden zu kennen. Und haben falsch geglaubt.

– Nothing is more sad than the death of an illusion.-

Viele Menschen sagen von sich – „Hey, ich lebe in meiner eigenen Welt“. Aber ich bin mir sicher, eigentlich tun wir das alle. Wir alle leben in unserem eigenem Microkosmos, in dem wir die mehr oder weniger strahlende Hauptrolle spielen dürfen. Auf dem eigenem Planeten können wir unangehneme Dinge viel besser verdrängen. Nerviges aufschieben. Sich einreden, dass das nun definitiv die letzte Zigarette war. Das letzte Duplo für heute. Man kann sich sagen, dass dies nun das wirklich allerletzte Paar Schuhe für den Monat war. Dass der Typ, den man kürzlich seine Nummer gegeben hat, sich nur nicht meldet, weil sein Handy ganz bestimmt von Außerirdischen geklaut wurde und per Scotty-Beam-me-up in das UFO transferiert wurde. Unwiederruflich. Schade, diesmal wäre es sicher die große Liebe gewesen.  Wir können niemanden so gut verarschen (ich entschuldige die Ausdrucksweise) wie uns selbst.

Und genau deswegen fallen wir in absolut regelmäßigen Abständen auf den überaus unbequemen Boden der Realität. Allerdings nicht, ohne vorher kräftig Anlauf genommen zu haben. Ist klar. Zum Beispiel dieser Rock hier. Er ist so ein schönes Beispiel für die Verwirrungen zwischen der wundervollen Welt der Illusion und der deiner viel zu kleinen Körpergröße. Als ich den Rock auf der Internetseite entdeckte, gab es kein großes Überlegen – der muss her. So zart, so schön, so federleicht.
Mein Spiegel im Schlafzimmer machte dann dem ganzen ein paar Wochen später ein Ende. Kurz gesagt: Nicht nur, dass der Rock aus gefühlten 10 Tonnen mehr Stoff besteht als auf den Fotos. Ich sehe – im echten Leben – in diesem Rock aus wie eine Mischung aus übergewichtiger Almöhi Enkelin und Pseudo-60iger-Jahre-Hausfrau. Heidi wäre stolz auf mich gewesen.
Ich konnte den Leuten  ihre Blicke nicht verübeln. Wie soll man schon schauen, wenn ein barfuß tanzendes Mohnblumenfeld über das Kopfsteinpflaster hopst. Seitdem nenne ich ihn nur noch den „Fotorock“ – ein weiterer dieser Gegenstände, die einfach nur auf Bildern gut aussehen. Aber niemals auf den kalten harten Straßen der wirklichen Welt. Genau wie schwarzer Lippenstift, Overknee Strümpfe, Mc Donalds Burger und Jeffrey Campbell Schuhe.

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Das „Ich-lebe-in-meiner-eingen-Welt-Prinzip funktioniert auch sonst überall ganz hervorragend.
Ich habe da eine Freundin. Sie beherrscht diese Strategie quasi bis zur Perfektion. Besonders schwierig wird es dann allerdings, wenn die klaren Grenzen zwischen dem, was wir glauben und dem, wie es wirklich ist, nahtos verschwimmen und sich in eine klumpige und undefinierbare Masse verwandelt. So wie früher im Kindergarten, wenn man die rote, grüne und blaue Knete so lange zusammengeknauscht hat, sodass man sie niemals wieder trennen konnte. Wenn man sprichwörtlich die eigene Welt nicht mehr versteht. Vielleicht auch gar nicht verstehen kann.
Wir nehmen nochmal meine liebe Freundin. (Du bleibst natürlich anonym, Schatz! )
Du hast da diesen Typen kennengelernt. Ihr habt die Nacht zusammen verbracht. Hattet eine richtig schöne Zeit. Man hätte sogar sagen können, ihr saht verliebt aus. Und dann, hat er sich nie wieder gemeldet. (Der Klassiker, sagen jetzt vielleicht schon ein paar Zyniker)
Ihre erste These: Bestimmt habe ich ihm eine falsche Nummer gegeben, dann folgte der nächste Gedanke: Sicherlich hat er sein Handy verloren. Oder folgender gut bedachte Einwand : Vielleicht wurde er auch entführt und lebt nun irgendwo als Nacktgeisel bis zum Rest seiner Tage in einem Dorf am Nordpol.  Die Option, dass er sich einfach nicht interessiert, traut man sich erst als letztes laut auszusprechen als Freundin. Wer zertrampelt schon gerne dieses hoffnungsvolle Glitzern in den Augen?
Was schlussfolgern wir Weltenwandler im Anfängerstadium also? Fehlende Menschenkenntnis? War sie zu lange in ihrer eigenen Welt und hatte die Tür zu seiner bloß verpasst? Oder wurde sie einfach nur getäuscht?

Es tut weh, wenn eine Hoffnung kaputt geht. Egal, ob man nun selber die Hauptrolle übernommen hatte oder nur Nebendarsteller ist. Und so mancher Nebenschauspieler hätte wohl schon einen Oskar verdient, angesichts all seiner erbrachten Leistungen.
Es ist bitter, wenn ein Traum zerbricht. Eine Illusion ihr wahres Gesicht zeigt. Kein Wunder, dass wir dem so gerne entfliehen. Zumindest so lange, wie es geht. Oder bis uns ein Rock, eine Frisur, ein Burger oder eine Bekanntschaft wieder von hinten auf die Schulter tippt und sagt „Aufwachen, Prinzessin!“

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            Outfit
// Midi Rock mit Mohnblumenprint – Chicwish // Top – H&M Basic // Gürtel – vintage //Schmuck – Flohmarkt und Omi //


Fotos

// Foxes & Fairies //

34 Kommentare

  1. Bastian

    ganz ehrlich, der rock steht dir super…bzw. ich finde, du hast dein outfit toll kombiniert. der rock ist farblich richtig schön und wirkt superfrisch…dazu dieses schlichte top…passt genau. du schreibst ja von den problemen mit diesem “fotorock“, aber das figurbetonende top (bitte öfter so etwas tragen ;-))+dem rock…wirkt dann überhaupt nicht übergewichtig sondern macht eine super figur 🙂 cool die fotos barfuß zu machen+gleicher lack für fuß- und fingernägel 🙂 denke es ist nicht beabsichtigt, auf ein paar fotos ist dein arm bzw. die hand nicht mehr im bild…wäre noch schöner dich ganz zu sehen 😉 alles andere ist feen-fuchs und topmodel reif !!

    • Carolina

      Hahahahah – deine Kommentare sind schon etwas ganz besonderes! 😀
      Dankesehr, in meinem nächsten Leben in einer Feen-Fuchs Welt werde ich auch ganz gewiss Topmodell werden! 😉

  2. Auf den Fotos sieht der Rock zumindest ganz bezaubernd aus! 🙂 Wer weiß, vielleicht braucht man für sowas insgeheim noch einen Reifrock… Und dann geht es erst richtig los mit den Prinzessinnen-Bildern.
    Das ist unglaublich schrecklich. Ich frage mich hinterher immer, was ich mir nur dabei gedacht habe, das hätte man doch wissen können, warum schon wieder? Und wenn es anderen so geht, ist es fast noch schlimmer; ich saß vor den Ferien zwei Volleyball-Spiele lang bei einer Freundin und hab sie getröstet, weil der erste Satz nicht so lief, wie sie dachte – was soll man sagen? Erwachen ist immer schrecklich, wenn es schillernde Träume ablöst, selbst wenn man viel später einmal froh ist, dass man sich etwas nicht noch länger vorgegaukelt hat.
    Und ich erinnere mich gerade daran, dass ich mal vor Eeeewigkeiten, das war bestimmt noch bei Schneewittchensvielekleider, einen Screenshot von einem deiner Bilder an eine Freundin geschickt und geschrieben habe: Guck mal, so sehen Overknee-Strümpfe doch hübsch aus! 😀
    Ich hab es gerade wiedergefunden, 25. Oktober 2013. Manchmal ist ein knappes Jahr also Ewigkeit.

    Allerliebste Grüße und auf einen wunderbaren September (ich will optimistisch sein, auch wenn September ziemlich das Ende des Sommers bedeutet),
    Mara

    • Carolina

      Oh ja – also dann wäre es wirklich opulent geworden! 😀
      Ja, ich glaube jeder von uns hat sich schon mal richtig derbe getäuscht. So, dass man sich fragte, wie man vorher nur so blind sein konnte. Aber es sind diese Gefühle – die machen mit uns was sie wollen!

      Nee, ich liebe Overknees ja auch – aber meistens eher auf Bildern. Einfach, weil die irgendwie selten perfekt sitzen und ständig rutschen. Oder einschneiden, dass man einen Wulst bekommt. Wenn du verstehst, was ich meine. 😀

  3. Da haben wir es wohl mal wieder: Männer können das trennen (viele Frauen übrigens auch). Aber ich finde es auch immer komisch, wenn so etwas passiert und der Mann wirklich total auf verliebt macht und sich dann nie wieder meldet. Aus Erfahrung weiss ich mittlerweile, dass wenn ein Mann wirklich interessiert ist, sich auch definitiv meldet und es wirklich keine andere Ausrede gibt ausser Desinteresse, wenn er es nicht tut :/
    Den Rock finde ich übrigens total schön…schaut auch alltagstauglich aus aber vielleicht wirkt das auf den Fotos nur so 🙂
    xx, Sarah

    • Carolina

      Ja das stimmt. Hoffnungen zerstören und sich seltsam benehmen ist auf keinen Fall geschlechterspezifisch. 😉
      Aber wenn man sich fremd ist und sich nichts schuldig ist, da verstehe ich nicht, warum man sich dann erst so benimmt, als wäre man mega interessiert und dann plötzlich kommt nichts mehr. Absolut nichts. Ich meine, wir sind doch erwachsen. Man kann doch schreiben „Danke für die nette Nacht. Mehr wird zwar nicht draus, aber es hat Spaß gemacht.“

  4. Miu

    Ich weiß, du hast gesagt der Rock sei ein ‚Fotorock‘ und ich kenne ja nur Fotos – aber auf den Fotos sieht er wirklich gut aus 😉
    Bist du dir sicher, dass du nicht ein bisschen zu kritisch mit dir bist?

  5. Mir gefällt der Rock richtig gut! Was du beschreibst, kennt vermutlich jeder. Erst kommt die Euphorie, dann die Ernüchterung. Zurück bleiben Erinnerungen, über die man eines Tages vielleicht lachen kann oder die rigoros aus dem eigenen Universum gestrichen werden. Schließlich besteht die Hoffnung, dass man irgendwann tatsächlich glaubt, das alles sei nie passiert. Ist mir zwar noch nicht gelungen, aber man wird ja noch träumen dürfen. 😉

    Viele Grüße!

    • Carolina

      Bah – aber das kann man doch nicht mit ansehen, gräuslich ist das immer wieder! 🙁 Ja, ich schätze, das macht einen zu dem Menschen, der man ist. Stück für Stück. Jede Erfahrung bleibt wie ein kleiner Post it an uns hängen – deswegen klappt das auch mit dem Vergessen nicht!

  6. Du siehst auf den Fotos so traurig und müde aus, meine Liebe. Ich drücke dich einfach mal 🙂

    Ach, das was du über deine Freundin schreibst, kennen wohl die meisten Frauen – nicht umsonst gibt es unzählige Bücher darüber und der Klassiker „Er steht einfach nicht auf dich“ wurde nun ja auch verfilmt 😀
    Ich glaube, dass das auch eine Sache ist, die man lernen muss. Sich selbst gegenüber ehrlicher zu werden – ich glaube das ist einer von vielen Lernprozessen auf dem Weg sich selbst kennenzulernen. Denn eigentlich tut man sich mit solchen ‚Lügen‘ selbst nichts Gutes, auch wenn es am Anfang weniger weh zu tun scheint.

  7. Evy

    Du kannst schreiben. Duz kannst richtig gut und locker schreiben. Man liest dich gern. Und der Rock ist toll!

    Problem: Durch die großen Fotos wirkt der Beitrag sehr massig und man sieht vor lauter Fotos die Schrift nicht. Das is so schade 🙁

    • Carolina

      Vielen Dank, Evy.
      Ich verstehe, was du meinst, aber das ist immer so eine schwere Gratwanderung. Das, was du gerade kritisierst, gefällt dem anderen wieder genau so. Ich versuche also möglichst die Balance zu halten und vor allem es so zu machen, dass es irgendwie „ich“ bleibt. Und da ich ein wenig chaotisch bin, passt das dann doch wieder irgendwie. Ich hoffe, du siehst es mir nach. 🙂

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