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Besser ich werde kein Diplomat

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Der Kommentar meines Bruders zu diesem Outfit: „Das sieht ja total zusammengestöpselt aus „. Danke auch, für die ehrlichen Worte. Oder auch nicht.
Es gibt Tage und Momente im Leben, da möchte man die Wahrheit lieber nicht hören.
Wenn man zum Beispiel morgens aufsteht, mit einem riesigem Pickel mitten auf der Stirn. Was man am Wenigsten braucht, sind diese Menschen, die einen dann ständig daran erinnern. Bähm. Sie knallen dir die Ehrlichkeit wie einen nassen Waschlappen ins Gesicht.  „Ey, was hast du denn da im Gesicht? Der ist ja riesig!“ Ach was. Ob du es glaubst oder nicht, ich habe auch einen Spiegel daheim.
Oder wenn man sich mal wieder die Nacht um die Ohren geschlagen hat, weil man unbedingt noch das letzte Kapitel fertig lesen wollte, noch für die Klausur am nächsten Tag lernen musste oder weil schlicht der Kopf Gedankenkarussell gespielt hat. Augenringe, schwärzer als es Kaffee jemals sein könnte. „Du siehst ja fertig aus!“ Danke für die Info.
„Ist das eine Krampfader?“ Nein, man, ich habe einfach nur helle Haut! (Und wenn schon)

Das ist ehrlich. Aber nicht diplomatisch.

Aber wenn ich so darüber nachdenke, bin ich auch kein guter Diplomat. Diese Sache mit der Diplomatie ist nichts für mich. Ich kann unschöne Dinge auch nicht gut verpacken. Bin zu ehrlich. Unbeholfen. Aber die Wahrheit ist wie die Diplomatie ein wenige Millimeter schmaler Grat, der nur zu leicht überschritten ist. Plums, fällt man auf der anderen Seite runter und landet unsanft bei verletzten Gefühlen.
Also behalte ich meine Gedanken meist für mich. So bin ich nunmal. Schweige lieber. Reden ist silber. Manchmal ja. Ich schweige, weil ich weiß, dass Worte oft nichts bringen. Ich hasse es, sich mit Worten im Kreis zu drehen. Ständig die selben Dinge. Immer wieder – wie ein CD Spieler, bei dem die Wiederholungstaste festklemmt. Man zerredet ein Thema, bis einem wirklich auch kein allerletztes Wort mehr dazu einfällt. Um dann endlich zu schweigen.
Ich schweige, weil ich weiß, dass Worte oft nichts bringen. Weil sie nicht gehört werden wollen. Kaum ausgesprochen, verpuffen sie in der Atmosphäre wie schillernde kleine Seifenblasen. Verlieren ihre Bedeutung – oder hatten nie eine. Wir reden so viel und doch so wenig. Was bringen schon Worte, wenn sie kläglich an einer Mauer aus festgefahrenen Meinungen, verhärteten Herzen, verletzten Gefühlen oder falschem Stolz abprallen? Wozu sind Worte gut, wenn man damit nicht begreiflich machen kann, was man fühlt. Weil sie ihr Ziel niemals erreichen, weil sie am Ziel vorbeischießen, weil sie falsch verstanden werden. Nein, ein guter Diplomat bin ich nicht.
Also schweige ich. Weil schweigen auch eine Art zu reden ist.

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Outfit
// Rock – Romwe // T-Shirt – H&M // Sandalen – no name (alt) // Hut – vintage //

Fotos
// Foxes & Fairies //

52 Kommentare

  1. Zusammengestöpstelt? Männer haben aber auch manchmal keine Ahnung! Ich finde das Outfit supersüß!
    Das mit dem Schweigen kenne ich nur zu gut, von meinem Freund muss ich mir dann oft anhören: Du sagst ja nie wenn etwas dich stört! Aber oft ist es ja die Angst missverstanden zu werden oder verletzend zu sein. Reden ist silber: Oft aber auch die beste (und einzige) Möglichkeit zu sagen, was man denn nun will. Woher soll man sonst wissen, was Sache ist. Ich arbeite in dem Punkt noch an mir 🙂
    Schönen Tag dir noch 🙂 xxx

  2. Erst einmal: Der Rock ist total süss und zum Anhimmeln 🙂
    Und dann kenne ich das nur zu gut – wenn es jemandem bei mir im Büro schlecht geht, muss der sich mindestens 10x anhören „Ohje, Du siehst aber furchtbar aus – geht es Dir nicht gut?“. Da wäre etwas mehr Schweigen definitiv besser 🙂
    Liebe Grüsse
    Ariana

    • Carolina

      Habe gerade meinen Spam Ordner ausgeleert – und was finde ich da?! DEINE NACHRICHT! Liebe Ariana, keine Ahnung wie du da reingekommen bist 😀
      Falls du das hier noch liest: Habe deine Nachricht erhalten, dankeschön! 🙂

  3. Bastian

    es gibt doch den spruch: wenn man nichts nettes zu sagen hat, soll man den mund halten 😉 ich finde dein outfit auch nicht schlecht, obwohl ich wohl zu dem rock ein anderes oberteil gewählt hätte…der rock ist jedenfalls superklasse 🙂 tolle kombi mit den rosenfotos !!

      • Bastian

        hallo Carolina,
        bitte nicht böse sein, wenn ich outfit fotos sehe, denke ich meist gleich…wie kann man alles noch kombinieren 😉 deine auswahl gefällt mir im gesamten schon supergut 🙂 viele grüße

        • Carolina

          Ach Quatsch, so schnell bin ich nicht böse! Und ich finde es super, wenn jemand auch Anregungen oder Kritik schreibt – wollte nur kurz erklären, dass mein Kleiderschrank zur Zeit leider nur aus einer Reisetasche besteht! Und da passt wenig rein. 😀

  4. Kim

    Fotos, Text, Licht: alles wunderbar ♥ Mal wieder ein schöner Post, bei dem es Spaß macht länger hängen zu bleiben 🙂

    Outfitkommentare von Brüder kenne ich übrigens auch 😀 „Bist du jetzt son richtiger Hipster, oder was?“ oder „Oha, total deepes Bild“ sind keine Seltenheit 😀

    Liebe Grüße,
    Kiamisu

  5. Also ich hatte heute ein dunkellila Fransenkleid an – sicher auch nicht jedermanns Sache^^

    Ich denke, den ein oder anderen Kommentar sollte man sich lieber sparen, denn man hat – wie du schon sagst – eben schnell jemanden verletzt. Andererseits schätze ich auch total, wenn (richtige!) Freunde zu Dingen, die ein bisschen wichtiger sind, als das Outfit, mal ehrlich die Meinung sagen. Manchmal braucht man eben etwas Hilfe bei der Selbstreflexion.

    Liebe Grüße!

  6. Danke, dass du manchmal in Worte fasst, was meine Gedanken nicht sortiert bekommen und das du so oft das schreibst, was ich fühle und jedes Mal will ich dir eben das schreiben.
    Hey, genau das denke und fühle ich auch!
    Und dann tue ich es doch nicht, wäre doch langweilig jedes Mal den gleichen Kommentar zu bekommen. Aber jetzt schreib ich dir und sage dir, Hey, mach weiter so! Danke für deine Worte ♥

    • Carolina

      Ach nein, langweilig finde ich ganz andere Sachen. Chemieunterricht oder so. Aber das – nee, das wäre nicht langweilig! 😉

      Vielen vielen Dank für diese wundervolle Nachricht. Passt ganz fabelhaft zum Guten-Morgen-Kaffee!

  7. Oh ja, solche Momente – die absolute Krönung war bei mir mal, als ich mit Freundinnen feiern war und eine von ihnen dann Bekannte getroffen hat. Eine dieser Bekannten (ich hatte dieses Mädel noch nie gesehen) kam auf mich zu und meinte „Du siehst echt fertig aus!“ Äääähhhhmmmmm….?! Die anderen legten es ihr als nett gemeinte Besorgnis aus, ich hab es ihr nicht verziehen, weil es mir nämlich echt gut ging. Wäre ich besoffen in der Ecke gelegen, ok… aber da denkt man sich: Die hätte besser auch mal geschwiegen.

    • Carolina

      Also das ist echt mies. Wenn man sich super fühlt und dann gefragt wird, ob man wohl total fertig ist.. waaaaaaaaaaaaaaa! Habe ich auch sehr oft – liegt dann daran, dass ich so unglaublich blass bin und ständig gefragt werde, ob ich krank bin, weil ich ja so blass aussshe…
      NEIN! Ich habe einfach nur eine helle Haut!

  8. Ich kann Dich gut verstehen, Diplomatie war auch noch nie so meine Stärke und dann sag ich manchmal Sachen, die verletztend sind für den anderen, ohne es zu merken oder zu wollen. Am besten ist es dann noch mit der Fremdsprache Spanisch: Ich sag dann manchmal Sachen wie „es wäre nicht schlecht…“ oder „aber du musst zugeben…“, die im Deutschen völlig normal sind und auf Spanisch unhöflich oder hart wirken…seufz
    Anscheinend ist es aber noch zu ertragen, denn ich hab ja doch ein paar Freunde und bessere Hälfte, trotz Hang zu Direktheit und Fettnäpfchen 🙂

    • Carolina

      Hahaha, ich kenne das nur zu gut. Aber auch, wenn wir ab und an mal plötzlich zu direkt werden oder mal ins Fettnäpfchen treten – ich glaube, das ist auch irgendwie sympathisch und echt. (hoffe ich jetzt einfach mal) Und wenn man ansonsten kein totaler Kotzbrocken ist, dann verzeihen es einem die Herzensmenschen gerne!
      Bist du wohl spanische Muttersprachlerin?

  9. Ich wurde auch sehr, sehr belächelt als ich bei meinen Eltern mein Blumenhaarband trug, reichte vom ungläubigen Seufzer meines Vaters, über den Lacher meiner Mutter, bis zum „Jetzt übertreibst du es aber“ von meinem Freund.
    Am diplomatischsten war die kleine Schwester mit einem „MMhh schön“ und einem entschuldigenden Lächeln.

    http://www.kamerakind.blogspot.de

  10. „Zusammengestöpselt“ habe ich noch nie im Zusammenhang mit einem Outfit gehört. Sachen gibts. Ich gehe mal davon aus, dass er es als Kompliment gemeint hat. Das haben deine Fotos nämlich verdient. Ich liebe die Farben, das Outfit, deine Haare, die Schuhe, die Blumen, einfach alles.
    Und das mit der Wahrheit und der Diplomatie ist so ein Ding. Du hast es perfekt gesagt: Schweigen ist auch eine Art zu reden. Weil es oft nur die Oberflächlichkeiten sind, die ankommen. Die meisten Dinge, die diese Oberfläche ankratzen, will man gar nicht hören.
    Besonders mühsam ist es, wenn Menschen sich beklagen, dass man nicht mit ihnen redet, aber wenn man es dann tut, es gar nicht hören wollen.
    Und doch, du bist eine Diplomatin. Diplomatie ist nicht „ich akzeptiere jeden Mist“, sondern ich „vermittle einen Kompromiss zwischen zwei Misten“. Das sollte übrigens der Plural vom Wort „Mist“ sein. Klingt irgendwie komisch.
    Deine Worte finde ich toll. Du hast ein Talent komplizierte Dinge in eine unglaublich ausdrucksstarke Form zu bringen! 🙂

    • Carolina

      Hehe, na man lernt immre mal wieder was Neues hinzu! 😀
      Aber das ist eher kein Kompliment – das heißt sowas wie „hasenwild zusammengebastelt“
      Deine Erklärung zur Pluralform von Mist ist mir hochverständlich und klingt sehr plausibel! 😉
      Vielen Dank für so liebe Worte! <3

  11. Alina

    Wunderbar verträumte Bilder und ein Text, der mir gerade wie aus der Seele spricht!
    Vorallem finde ich es immer schlimm, wenn die Leute so negativ dann daran gehen.
    Ich hab bald vor weiters weg zu ziehen, daraufhin meinen die Leute immer mit so einem
    Unterton „hast du dir das auch gut überlegt“ und „bist du dir sicher“ und „äääh was willst duuuu denn da?“
    puh da kann man auch manchmal ins Zweifeln kommen.
    Habs auch mit Schweigen probiert, aber die Leute sprechen einen einfach immer geradeaus darauf an…

    Alles liebe Alina

  12. Miu

    Ich komme jetzt wahrscheinlich ziemlich oberflächlich rüber, aber darüber kann ich nicht schweigen: Deine Schuhe sind toll! 😉
    Dein Text aber auch 🙂 Du schaffst es oft, Gefühle und Gedanken in so passende Worte zu kleiden, wie ich es nicht hinbekomme. Dann lese ich einen deiner Posts und denke: „Ja, genau so!“

    • Carolina

      Ach gar nicht! Ich liebe sie auch und war fast ein wenig traurig, dass so gaaaaar nichts zu den Glitzer-Bitzer-Schuhen kam! 😀 Danke also – ein kleines bisschen oberflächlich darf man schon sein! 😉

      Vielen Dank, ich gebe mir Mühe, meistens denke ich mir immer schon beim Schreiben – „Oh nein, das ist unverständlich. Oder das drückt es nicht genau so aus wie ich fühle.“ Aber wenn ich dann lese, das es eben doch ankommt, bin ich jedes Mal überglücklich!

  13. Isabelle

    du siehst entzückend aus in dem outfit. deine fotos wirken romantisch, mädchenhaft und leicht. und doch nimmt man dich nicht als naives mädchen sondern wunderbare junge frau wahr. eine individuelle art. bleib bitte so wie du bist. hast eine neue leserin.
    gruß. isabelle

    • Carolina

      Oh wie lieb lieb lieb du das geschrieben hast, Isabelle! Auch wenn ein Danke mir jetzt irgendwie nicht ausreichend erscheint, sage ich es trotzdem: DANKESCHÖN. Das ist für mich nicht selbstverständlich und ich freue mich jedes Mal so sehr, wenn sich jemand die „Mühe“ macht und jemand komplett Fremden ein paar Zeilen widmet!

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