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Wir sind alle tolerant. Bis wir es sein müssen.

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Toleranz.

Ein Beweis des Mißtrauens gegen ein eigenes Ideal.
Friedrich Nietzsche

Ich bin ein toleranter Mensch. Eigentlich würde ich sogar so weit gehen, dass mir in 90 Prozent aller Fälle ziemlich egal ist, wie andere Wesen ihr Leben leben, wie und was sie lieben, was sie anziehen, welche Hautfarbe sie haben, ob sie dick oder dünn sind. Ja, ich würde reinen Gewissens auf die Frage „Bist du tolerant?“ – mit „Ja.“ antworten. Eigentlich. Dieses Wort ist unser persönlicher Lebensjoker, zieht unseren Kopf aus der das-meine-ich-wirklich-so-Schlinge.
Ich will dich doch sehen – eigentlich. Ich wollte dich – eigentlich – anrufen. (Eigentlich) Habe ich ja keine Zeit. Aber klar, ich mache das wieder für dich…

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Aber doch ertappe ich mich immer wieder dabei wie ich bewerte. Lästere. Ein gehässiger Kommentar rutscht einem oft leichter über die Lippen als ein Kompliment. Eine Entschuldigung. Jene drei Worte.
Und immer wieder dieser Gottfried. Ihr werdet ihn gleich kennenlernen.

Gestern bin ich durch die Fußgängerzone gelaufen – seit endlos langer Zeit mal wieder. Keine Zeit für Stadtbummeln. Ich bin tolerant. Wirklich. Doch schon innerhalb der ersten fünf Minuten werde ich auf die Probe gestellt: Ein junges Mädchen läuft an mir vorbei, vielleicht ist sie 17. Oder 18. Mit einem Becher Eis in der Hand. Sie trägt Shorts. Beziehungsweise glaube ich, dass es Shorts sind. Sie sind so kurz, dass man sie nur noch erahnen kann – ich bin erstaunt, drehe mich um – und sehe ihre Pofalte. Schritt, Pofalte, Schritt, Pofalte. Sofort sucht meine Toleranzbeauftragte (die Toleranz, daher eine „sie“) Frau von Wertung das Weite – und mein eher intoleranter Begleiter Gottfried ruft mir so laut ins Ohr, dass ich kurz zusammenzucke „hast du die da ‚grade gesehen? Meine Unterhose besteht aus mehr Material als ihre Shorts. Und die Beine für solche Teile hat sie auch nich‘ wirklich.“ „Hm“, murmle ich kopfnickend und frage mich, woher dieser unglaubliche Mut kommt. Ich frage mich, ob es manche Menschen vielleicht nicht kümmert oder ob sie es gar nicht bemerken. Das frage ich mich wirklich.  Wisst ihr das? Aber gut, ich bin ja tolerant.

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Ein paar Sekunden später hüpfe ich zur Seite, um nicht überfahren zu werden. Zwei junge Mütter rauschen mit ihren beiden Kinderwagen an mir vorbei. Gottfried raunt mir zu „Klar, die Kippe muss ja sein, macht ja auch nichts, wenn das Kind schon mit 4 eine Raucherlunge hat. Und klar, das Kind heißt hört auf den Namen Kevin.“ Sei still“, flüstern Frau von Wertung und  ich zurück, „hab‘ nicht solche Vorurteile! Vielleicht raucht sie nur die eine am Tag und dann ist gut!“

Endlich habe ich das Geburtstagsgeschenk für meine Freundin gefunden. Glücklich verlasse ich das Geschäft und stoße mit einem kleinem Mädchen zusammen. Zumindest ist sie das in meiner Welt. Vielleicht 12 Jahre alt. Kinderkörper. Körbchengröße A wäre noch vollbusig im Vergleich. Ich blicke in geschminkte Augen – ein dicker, noch etwas wackliger Lidstrich ziert ihre blauen Augen. Kinderaugen.  Sie trägt ein kurzes Röckchen. Ein sehr kurzes Röckchen. Frau von Wertung schlägt augenblicklich die Hände über dem Kopf zusammen und schreit „Was machen ihre Eltern beruflich? Maskenbildner? Warum lassen sie ihr Kind so aus dem Haus?“
Obwohl sie mich anklagend ansieht und ich ihr wohl eine Antwort schulde, kann ich nichts sagen. Ich weiß die Antwort nicht. Ich schwanke zwischen „das geht dich nichts an, das ist nicht deine Tochter“ und dem Wunsch sie zu fragen, ob wir nicht lieber zusammen Barbie spielen wollen, gleich nachdem ihr das Make-Up aus dem Gesicht gewaschen habe. Wann ist man tolerant und wann ignorant? „Bloßes Ignorieren ist noch keine Toleranz“, sagt der kluge Nietzsche außerdem.

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Ich überlege, während ich zurück zum Parkplatz schlendere.
Langsam merkt man, wie sich das Licht ändert. Die heiße Sonne wird etwas milder. Und man spürt, die goldene Uhrzeit nähert sich. Nachdenkenzeit.
Frage mich, was ist denn nun Toleranz? Heißt Toleranz, höflich zu übergehen, wenn jemand furchtbar grausig durch das Leben läuft – und niemand sagt etwas? Oder ist es nur freundlich, der Dame auf der Straße zu sagen, dass das weiße durchsichtige T-Shirt über den 5 Rollen kein schönes Licht auf sie wirft? Menschen, die an nichts glauben? Nicht mal an Liebe? Schweigen? Überzeugen? Oder haben sie gar Recht?
Was ist mit denen, die etwas gegen Ausländer haben, böse Kommentare gegen Menschen mit anderer Hautfarbe?  Muss man die auch tolerieren? (an dieser Stelle schüttelt Frau von Wertung heftig den Kopf) Das sind doch dann die Dinge, in denen man ganz und gar intolerant wird.
Ihr merkt schon, der Zwiespalt, in dem ich mich befinde ist groß. Ich glaube, man kann nicht nicht werten. Und ich weiß auch warum. Ich hege nämlich die leise Vermutung, dass Frau von Wertung und Gottfried heimlich ein Paar sind. Die können nicht ohne und nicht miteinander. Haben sich ständig in den Haaren, diskutieren. Vertragen und einigen sich. Finden Kompromisse. Beziehungskram halt. Vielleicht sollten sie es einfach mal publik machen, dass sie zusammen sind. Geheimniskrämerei ist auch immer so eine heikle Sache. Aber das ist eine andere Geschichte..

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Outfit
// Jeans – Oasap (alt) // Basic Shirt – H&M // Gürtel – Pimkie // Jutebeutel – selfmade // Sandalen – Champa //

Fotos
// Foxes and Fairies //

Danke, mein Herz, für ein neues Lied, das ich schon jetzt so sehr liebe. ♥

53 Kommentare

  1. Eine schöne Geschichte um diesen kleinen alltäglichen Zwiespalt.
    Ich würde eigentlich alles genau so absegnen. Allerdings denke ich, dass Toleranz eine Einstellungssache bezüglich Meinungen etc. ist und – zum Glück- unsere Handlungen ja auch positiv beeinflusst.
    Bei einer solchen Situation – wie mit dem kleinen Mädchen oder Ausländerfeindlichkeit, würde sich, glaube ich, Toleranz nicht mit einer Handlung beißen.
    Letzendlich heißt es vielleicht, sich auf andere Menschen- wenn manchmal auch nur gedanklich- einzulassen. Und der Versuch, einen positiven Einluss auf ein Mädchen zu haben- oder (das hängt natürlich von dem Gegenüber ab) der Versuch, bei bescheuerten, fremdenfeindlichen Parolen für Aufklärung zu sorgen,
    das geht doch mit Toleranz Hand in Hand.
    PS: Deine Fotos sind auch (mal wieder) wirklich schön gelungen!

    • Carolina

      Josephine, ich glaube, du hast es sogar noch besser ausgedrückt als ich. Ich würde deine Worte auch sofort absegnen! Hach, ich bin froh, dass ich dieses Thema, das mir schon so lange auf der Seele brennt einigermaßen geordnet zusammenschreiben konnte. Bei solchen Komplexen Themen fällt mir das immer so unglaublich schwer, weil mir ständig immer wieder etwas neues einfällt und meine Gdanken so dermaßen das Springen anfangen, dass ich befürchte, keiner wird es am Ende verstehen!

  2. Henryk M. Broder – Kritik der reinen Toleranz!
    Ist ein sehr gutes Buch. Hat zwar viele Seiten und wenig Bilder, aber darin geht es auch um diesen Zwiespalt und dass es eigentlich unangebracht ist, rein aus Gutmenschlichkeit gegenüber Alles und Jedem tolerant zu sein.
    So wird reine Toleranz leicht umgekehrt in eine allgemeine „Scheissegal“-Einstellung. Wie du in deinen Alltagssituationen selbst geschrieben hast, ist es dir ja schlussendlich nicht egal! Und deine eigene Meinung, dein eigener Standpunkt kann man doch nicht verleugnen nur um der Toleranz` Willen…
    Viele Grüße

  3. Sehr interessanter Artikel! Mir geht es da oftmals genau wie dir. Man möchte tolerant sein, aber dann gibt es diese Menschen, die jedes nur erdenkliche Klischee erfüllen und automatisch verallgemeinert man wieder alles, obwohl man es vielleicht gar nicht möchte. :/
    Die Bilder sind übrigens traumhaft schön!

  4. Bastian

    hey Carolina, ich sag jetzt mal wie geil…ganz oft hab ich mir auch schon solche fragen gestellt. denke, wo ist jetzt die grenze.obwohl ich diese bist du tolerant frage ganz klar auch mit ja beantworten würde. aber so toll zusammenfassen wie du…könnte ich es nicht. war am ende vom text wirklich beeindruckt, weil ich mich genau wiedergefunden habe. superschöne fotos. das licht ist genial und dein outfit…sehr relaxed…mag ich sehr 🙂

    • Carolina

      Ach, ich finde zwar nicht, dass mein Gedankenwust „so gut zusammengefasst“ ist (mir fällt ständig immer wieder noch was ein, was ich noch hätte schreiben können) , aber irgendwann ist es auch mal gut und man muss auf „publish“ klicken! 😉
      Aber freut mich, wennn du ihn gut lesen und nachvollziehen konntest!

  5. Ich denke, niemand ist komplett vorurteilsfrei. Jeder hat seine eigene Geschichte, seine eigenen Werte und Vorstellungen, die beeinflussen, wie wir etwas oder jemanden bewerten. Ich glaube, dafür muss man sich nicht schämen, solange man seine Vorstellungen und Bewertungen reflektiert, versucht, sie aus einer anderen Perspektive zu betrachten und sich in die andere Person hineinzuversetzen. Denn auch die hat widerum eine Geschichte. Toleranz ist für mich nicht, dass man alles gut findet und akzeptiert, sondern, dass man über den eigenen Tellerrand hinausschaut und sich hinterfragt.

    Liebe Grüße

    • Carolina

      Genau das ist es, was ich indirekt sagen wollte. Toleranz ist nicht alles abzunicken und zu sagen – „Ok, mach ‚halt wie du denkst. Geht mich nichts an!“ Sondern eher das Hineinversetzen in die andere Person und der Versuch sie zu verstehen. Wie man es findet, bleibt einem muss man selber entscheiden – mit den eigenen Werten. Genau wie du sagst!

  6. Irgendwo sind wir doch alle mal kleine Gottfrieds, oder? Manchmal mehr, manchmal weniger… Ich bemühe mich, dem Geläster öfter aus dem Weg zu gehen, aber vielleicht mache ich das nur, weil es so bequemer ist. Man will ja nicht hören, wie die Freunde sich wieder und wieder übereinander beschweren. Da steht man unentschlossen dazwischen, weil man sie alle lieb hat und schon lange akzeptiert, dass die eine zu viel meckert und die andere eine gewagten Bikini trägt.
    Aber das ist schon wieder ein bisschen anders als die Leute auf der Straße. Und ich glaube, tolerant ist man auch, wenn man sie so leben lässt, wie sie wollen, und das tue ich vermutlich meist. Ich habe meiner Gastschwester nicht gesagt, dass sie wegen des bekannten Popo-Problems eine längere Hose anziehen sollte, wenn sie keine boshaften Kommentare an Kopf geworfen haben möchte, und meine Deutschlehrerin hat von mir nicht gehört, dass sie etwas seltener „an und für sich“ sagen könnte. Intoleranz im Kopf kann man gar nicht ausschalten, das wäre doch fast Meinungslosigkeit und persönlicher Stilverlust und wer weiß was noch, aber wenn man die Menschen um einen herum höflich selbst machen lässt und im Notfall sanfte Kritik äußert, dann ist das für mich irgendwie schon Toleranz. Ich glaube, viel mehr kann ich gar nicht aufbringen – also ganz kurz: tolerant benehmen, und versuchen, es manchmal einfach zu sein.

    Und ich glaube, wenn ich jemals deine Musiksammlung durchstöbere bin ich im Paradies, das Lied ist wieder so wunderbar! Und die Bilder sowieso. Ich bin gerade eifrig dabei, Foxografie anzuschauen, bis jetzt finde ich die Feder-Bilder ganz bezaubernd und außerdem überlege ich gerade, warum ich eigentlich alles durcheinander mache und tausend Tabs offen habe, zwischen denen ich herumklicke, während ich mir auf meinem Handy noch ein Video ansehe und… Naja. Ich bin in Plapperstimmung. Und ich finde den Namen »Foxografie« fabelhaft!

    Liebste Grüße, ich wünsche dir noch eine schöne Woche,
    Mara

    • Carolina

      Ach bei solchen Themen wird mir immer bewusst, wie klug meine Leser hier sind. Eigentlich schreibt ihr doch viel schöner als ich! Ich freue mich wirklich immer sehr, liebe Mara, wenn ich einen Kommentar von dir erhalte!
      So so klug und witzig und so so schön geschrieben. Habe ich dir schon öfter gesagt (ich weiß), aber manches muss man immer wieder sagen.

      Bei deinen Beispielen musste ich wirklich grinsen. Wer kennt das nicht. Den Lehrer, der jahrelang mit einer halb durchsichtigen Hose rumgelaufen ist oder oder oder. 😀 Das ist dann quasi auch immer ein fließender Übergang zum Taktgefühl. Und bei allen, die man liebt, gelten sowieso wieder andere Spielregeln.

      Und vielen vielen Dank für die lieben Worte zu meinem kleinem Baby! ♥

  7. V

    Toller Text! Ich kann dir bei den Punkten vollkommen zustimmen.
    Habe mich so vieles davon in letzter Zeit so oft gefragt. Was ist das für ein Trend bei den Kleinen?
    Da ist nichts mehr bedeckt!

  8. Dein Text ist wirklich gut! Du schreibst so schön, so verständlich und leicht. Und ich kenne Dein Problem nur zu gut. Ich würde jetzt einfach mal behaupten daran erkenne man die „Gutmenschen“. Immer hin versuchen wir weitgehend tolerant durchs Leben zu gehen. Toleranz und Ignoranz balancieren auf einer Linie und gehen eher selten getrennte Wege. Vielleicht liegt die eigentliche Toleranz ja darin die Dinge nicht zu ignorieren, aber auch nicht zu VERurteilen. Toleranz bedeutet ja nicht das man alles so hinnehmen muss wie es ist bzw. das es so bleibt. Na ja über das Thema kann man sich wohl totquatschen..

    Ich mag Deinen Text sehr, vielen Dank dafür!

    Ach und Danke für die Lied-Empfehlung, es ist soooo schön anzuhören. Ich liebe Indie..^^

    Liebste Grüße

    • Carolina

      Ich gebe mir Mühe! 😉
      Obwohl ich bei jedem Klicken auf den „Publish“-Knopf inständig bete, dass das, was ich geschrieben habe verständlich ist und auch so ankommt, wie ich es gemeint habe!
      Das ist ja auch oft so eine Sache, wenn einem Gestik, Mimik und solche Sachen fehlen..

      Und es freut mich ganz besonders, wenn dir das Lied gefällt – eine sehr gute Freundin hat es mir geschickt und ich habe es sofort geliebt!

  9. Lilly

    Hallo!:)
    Dieser Post gefällt mir unglaublich gut! Bei einigen Punkten des Textes musste ich sogar schmunzeln weil es mir oft einfach genauso geht. Der Text regt wirklich mal zum Nachdenken an und die Bilder sind ebenfalls wunderschön!
    Liebe Grüße!

  10. Ein toller Post!
    Tolerant sein ist so lange einfach, bis es mal um etwas geht, dass man selbst nicht gut findet. Das klingt negativ und so zwiespätlig – ist es aber nicht. Wir haben alle eine Meinung zu den Dingen dieser Welt und das unsere Toleranz irgendwann mal aufhört ist ja auch sehr wichtig – denn es gibt so viele Dinge auf der Welt wie Krieg, Gewalt und so viel Ungerechtigkeit, die man nicht tolerieren sollte!

    Liebe Grüsse
    Leonie

    http://www.toutequejaime.blogspot.com

  11. Ann

    Du hast so recht mit deinem Post! Diese Vorurteile sind so fest in einem verankert, man hat einfach ein festes Bild im Kopf, dass zu gern vorschnell übertragen wird. Zu oft wurden diese Vorusteile bestätigt, als dass man sie als unwahr abtun könnte. Aber man kann nur versuchen sich immer wieder zu sagen, „Sieh darüber hinweg, lerne den Menschen erst kennen..“
    Liebe Grüße, Ann <3

    • Carolina

      Oh ja, die festen Bilder sind eine echte Macht. Denn sie kommen ja einfach auch oft nicht von Nichts – sondern alles beruht auch immer auf einem Kern Wahrheit. Sich trotzdem immer wieder wie ein weißes Blatt Papier an jede Sache zu machen, ist das wirklich Schwierige!

  12. Welch ein grandioser Post. Ich finde es super, dass mal jemand so ehrlich ist und das ausspricht. Mir geht es mit dem Wort Toleranz genauso. Ja, lasst alle machen was sie wollen, ja ich muss mich auch selber oft daran erinnern. Ja, es gibt wahnsinnig viele, die einfach den einen oder anderen intoleranten Gedanken oder Kommentar provozieren. Aber ist das dann nicht einfach meine „Meinung“?

    Ich lass die Leute ja trotzdem machen, was sie wollen – aber hab halt eine Meinung dazu – muss sich das widersprechen? Nein! Solange ich niemanden damit unaufgefordert zu texte, ist es doch nichts was meine Toleranz beweist, bzw. widerlegt.

    Groetjes,
    Vreeni von freak in you

    PS: Hast du Lust beim „look of the month“ mit zu machen? Thema: Zeig deinen liebsten Beach-Look.
    Alle Info´s zur Teilnahme findest du hier: look of the month

    • Carolina

      Dankeschön, Vreeni!
      Ich denke, bei all der Toleranzsuche sollte man mal auch nicht die eigene Meinung vergessen. Aber das ist es ja genau, auch wenn die anders ist – soll ich die dann für mich behalten oder immer schweigen?

  13. Hi 😀

    Ich finde das ist eine sehr schöne Geschichte. Ich beobachte so etwas bei mir nicht. Ich weiß auch nicht warum, bin wohl zu sehr in meiner eigenen Welt 😀 Ich hab auch oft Begleiter dabei, die sich dann lautstark aufregen – meine Aufgabe ist es dann, sie darauf hinzuweisen, dass sie nicht so vorurteilsbehaftet sein sollen 😀
    Aber meine Intoleranz fängt da an, wo Leute die Regeln ganz genau einhalten müssen, ganz pünktlich sein müssen, ganz… ach, ich will mich jetzt nicht aufregen. Aber du hast mich gerade zu einem Post inspiriert 😀

    Liebe Grüße!

    • Carolina

      Perfekt Joana, genau so wollte ich das haben! Keine festen Meinungungen aufdrängen, ich habe mit Absicht kein Fazit verfasst – noch einen runden Schluss. Denn erstens gibt es den meiner Meinung nach gar nicht und zweitens wäre das ja schon wieder nur MEIN Blickpunkt, mein Gedanke, meine Meinung gewesen.
      Ich wollte einfach mit euch darüber reden, hören, wie ihr darüber denkt, euch anregen, und natürlich auch gerne inspirieren!
      Mehr kann ich mir nicht wünschen! :-*

  14. Wieder ein wunderbarer Post (schreib ich das nicht immer? -.- :D) und ich weiß genau was du meinst.. :/ Toleranz war für mich allerdings immer nur zu akzeptieren, dass es Menschen gibt die anders sind, die nichts dafür können, die genauso ein Recht auf Gleichbehandlung haben, wie wir… Dunkelhäutige Menschen, kranke Menschen etc. Ebenso Menschen, die eine andere Religion haben oder einfach andere Gedanken zu einem Thema.. Vllt ist das sehr blauäugig gedacht, aber ich kann zB bei deinen Beispielen nicht tolerant sein.. tolerant denken. Seit ich in der Stadt arbeite hab ich auch fast jeden Tag neue Sachen, wo ich mich frage „Muss das ein?“, an manchen Tagen sind die zu kurzen Shorts noch das geringste Problem – wenn die 13jährigen (zumindest sehen die meisten nicht viel älter aus) am frühen Nachmittag ihre Alkoholflaschen aus ihren rosa Glitzertaschen ziehen und eine Stunde später betrunken in den Mülleimer kotzen.. Da muss ich nicht tolerant sein, da hat jmd was ganz, ganz falsch gemacht!
    Gerne dürfen diese Kinder auch meinen Unmut hören, meine Meinung und vllt tolerieren sie die Meinung auch – auch wenn sie wohl nichts davon lernen oder auf mich hören..

    • Carolina

      Es gibt Dinge, also , ja – die darf man ruhig ein, zwei Mal mehr sagen! 😉
      Weißt du, ich finde blauäugig gar nicht so schlecht. Man muss ja immer so aufpassen wie und was man sagt, aber ich finde es auch schwer, bei Dingen, von denen man weiß, dass sie ganz ganz falsch gemacht wurden – zu denken, naja, das geht mich aber dennoch nichts an, nicht meine Baustelle.
      Nadja, vielleicht haben wir auch einfach nur ein Helfersyndrom. Könnte natürlich auch sein.

      • Jaaa.. wie und was man dann sagt ist natürlich auch wieder eine Sache.. aber mir rutscht manchmal dann auch einfach was raus, vor allem, wenn ich mit meinen Freunden unterwegs bin.. das soll nie gehässig wirken oder so (ich weiß selber wie es ist das Gefühl zu haben, dass jeder in Stadt über mich spricht), aber ich kann auch einfach nicht flüstern.. und klar bei „einfach nur“ Bauchfrei bis sonstwohin und Minirock bis knapp übern Po denk ich mir langsam wirklich nichts mehr bei.. aber manchmal…
        Ja.. Helfersyndrom triffts schon ganz gut.. obwohl ich selbst (und andere bestätigen es mir gerne immer wieder) immer wieder einsehen muss, dass ich einfach zu nett für diese Welt bin – vllt ist das noch so ein Grund dafür..

        • Carolina

          Allerdings – das lernen manche Menschen allerdings nie, dass der Ton die Musik macht!
          Ich kann auch nicht flüstern, aber das liegt daran, dass ich einfach ziemlich oft viel zu laut rede ohne es zu merken. Eine meiner besten Freundinnen ist genau so. Dann müssen wir immer zwischendrin gebremst werden. Ich glaube für Außenstehende muss es so rüberkommen als ob wir uns durchgehend anschreiben würden! 😀

  15. Hallo,
    sehr schöner Artikel, er trifft den Nagel wirklich auf den Kopf, finde ich.
    Ich glaube, der Begriff „Toleranz“ wird heute mittlerweile genauso inflationär und sinnentleert benutzt wie überschwängliche Zuneigungsbekundungen. Tolerant zu sein bedeutet nicht, alles gutzuheißen, was andere tun. Man darf eine eigene Meinung haben und man darf auch finden, dass zu kurze Hosen unangebracht sind und dass rauchende Mütter am Kinderwagen ihren Kindern schaden. Nur, muss man das auch alles aussprechen? Sicher nicht. Denn ich glaube, Toleranz ist die Fähigkeit, Dinge hinzunehmen, die nicht den eigenen (Werte)Vorstellungen entsprechen. Und dann gibt es auch noch den Unterschied zwischen „Toleranz“ und „Akzeptanz“.
    Schwierig.
    Wo liegen die Grenzen unserer Toleranz?
    Macht auf jeden Fall nachdänklich.

    Gruß,
    Hannah

    • Carolina

      Jap, genau wie Burnout und Stress. 😀
      Genau das wollte ich mit dem Text bezwecken, ich wollte gar keine Moral, ein Fazit oder irgendein Endurteil fällen – ich wollte einfach nur zum Nachdenken anregen. Und ich freue mich immer wie ein Schnitzel, wenn ich an euren Kommentaren merke, dass es geklappt hat. Ich liebe meine klugen Leser (ups, war das jetzt scho neine überschwängliche Zuneigungsbekundung?! 😀 )

  16. Du hast so eine tolle Art, zu schreiben! Ich les mir deine Posts immer gern durch, du schreibst über sinnvolle Sachen und schreibst aber auf eine Weise, dass es total unterhaltsam und interessant ist!

    Und ich mag dein Outfit 🙂

  17. Annika

    Carolina, ich bin schon seit einiger Zeit stiller Leser deines Blogs.
    Und jetzt ist es einfach Zeit dir das zu sagen:

    DU bist wundervoll!

    Mach genau so weiter, und bleib genau so wie du bist! Du wirst deinen Weg gehen, da bin ich mir sicher! 🙂
    Und ich liebeliebeliebe deine Fotos! 🙂

    • Carolina

      Ach liebe Annika, du machst mir gerade SO eine riesen Freude! Ich bin immer ganz besonders glücklich, wenn sich die stille-Leser-Fraktion zu Wort meldet! 🙂
      Und vielen vielen Dank für das süße Kompliment! :-*

  18. Julia

    Süß geschrieben – ein bisschen flach – aber gut und süß.

    Toleranz, Akzeptanz und Respekt. Ähnlich und doch so verschieden.
    Es geht nicht immer nur um das Tolerieren von Dingen. Manchmal muss man die Dinge auch erstmal hinnehmen, mit ihnen einverstanden sein, sie verstehen und dann einfach respektieren.

    Warum sollte eine beleibtere Frau keine halbdurchsichtigen Shirts tragen? Wer verbietet das? Die Modepolizei?

    Was wir vielleicht nicht angemessen und schön finden, kann diese Frau vielleicht glücklich machen.
    Wir urteilen, bevor wir überhaupt versuchen zu verstehen. Wir kennen diese tausende Gesichter nicht, über welche wir uns eine Meinung bilden. Wir sehen nur Fassade, nicht aber, was dieser Mensch durchlebt, seine Beweggründe, das zu tun, was wir verurteilen.

    Toleranz bedeutet immer, dass irgendetwas an einem bestimmten Maß gemessen wird. Wer gibt denn dieses Maß vor? Gibt es ein Maß, ab wann Hosen zu kurz sind?

    Das Maß wird doch von jedem selbst bestimmt. Und wenn ich sage, dass Hosen zu kurz sind, wenn man eine Pofalte sieht, warum muss ich dieses Maß auf andere Menschen auferlegen, wenn diese anscheinend ein anderes Maß für sich selbst festgelegt haben?!

    Toleranz, Akzeptanz und Respekt – ein schwieriges Thema 🙂
    Aber ich finde es schön, wenn sich jemand damit ernsthaft auseinander setzt.

    Ich freue mich auf den nächsten Blogeintrag.

    Liebe Grüße,
    Julia

    • Carolina

      Aber ist „Dinge hinnehmen, sie verstehen und respektieren“ nicht eben genau Toleranz?
      Ich rede nicht unbedingt von einer beleibteren Frau, die ien durchsichtiges T-Shirt trägt. Ein paar Kilos hin oder her sind doch vollkommen und total egal. Ich meine damit eher wirkliche Extremkörper, die weit über 50 oder 60 Kilo Übergepäck mit sich herumtragen und hier geht es ja nicht um das, was man nun vielleicht schön oder nicht findet, sondern um das, was gesund ist oder nicht.
      Sollte man durch das Leben gehen und sagen: „Hey, ich bin nicht gut zu meinem Körper und stolz darauf?“

      Ich finde auch nicht, dass Toleranz bedeutet, dass irgendetwas in einem bestimmten Maß gemessen wird. Sonder für mich vielmehr, die Dinge unabhängig von eben einem bestimmten Maß zu betrachten.

      Vielleicht ist ein gewisses Maß gut. Gut für diejenigen unter uns, die nicht so selbstsicher sind, nicht so stark, nicht so gut differenzieren können. Wie viele kaufen sich diese oder jene Sache, weil sie sie wirklich gut finden oder weil eben so viele genau diese Sache haben? Die eine kann vielleicht voller Selbstbewusstsein durch die Stadt laufen – wohlwissend, dass ihr jeder Mann gerade auf den nackten Po schaut – weil sie sich darin gut findet, weil – ja, egal, was auch immer ihre Gründe sein mögen. Wenn ich daran denke, wie viele unsichere, schüchterne Mädchen ich schon getroffen habe, die ununterbrochen an ihren Klamotten rumziehen, weil sie sich eigentlich dann doch nicht darin wohlfühlen, denke ich mir schon ab und an: Hey, hier hätte mal jemand sagen sollen, dass das Teil einfach zu kurz ist.

      Aber wie du schon selber schreibst, es ist ein sehr schwieriges Thema. Aber ich möchte eben keine Vorgaben machen. Nicht mit erhobenem Zeigefinger dastehen und sagen „So, so oder so muss man das machen“. Das geht auch nicht. Daher vielleicht auch eher der – flache – Text. Ich wollte einfach in erster Linie zum Diskutieren und Nachdenken anregen und keine Diplomarbeit verfassen. Was ja eigentlich auch ganz gut geklappt hat. 🙂

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